Leitartikel

„Von der Passion leiten lassen“

Von der Passion leiten lassen

Von der Passion leiten lassen

Apenrade/Aabenraa
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Am Montag ist die Bewerbungsfrist für Studienplätze in Dänemark abgelaufen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass ein Großteil der Bewerberinnen und Bewerber sich bei der Studienfachwahl für die eigenen Interessen entschieden hat und nicht für die vermeintlich besseren Jobchancen. Das ist der richtige Weg, findet Redakteur Dominik Dose.

Eigene Interessen oder bessere Jobchancen? Vor dieser Frage standen in den vergangenen Wochen und Monaten viele Tausend junge Abiturientinnen und Abiturienten in Dänemark bei den Überlegungen, welchen Studiengang sie künftig belegen sollen. Am Montag um 12 Uhr ist die Bewerbungsfrist nun abgelaufen – und das große Hoffen hat begonnen.

Eine Umfrage von Danmarks Evalueringsinstitut (EVA) zeigt, dass ein Großteil der Studienplatzsuchenden die einleitende Frage damit beantwortet hat, dass sie ihren Studienplatz primär nach den eigenen Interessen und der Möglichkeit auf einen spannenden Job ausgewählt haben – sie legen also nicht in erster Linie Wert auf gute Jobchancen.

Dieses Ergebnis ist vor allem in der heutigen Zeit, in der sich die Meldungen darüber häufen, dass junge Menschen sich zunehmend durch die Leistungsgesellschaft unter Stress und Druck gesetzt fühlen, und es immer nur ein Schneller, Höher, Weiter geben darf, beeindruckend und zugleich sehr positiv.

Natürlich haben Studienfächer wie Kunst, Philosophie oder Geschichte den Ruf, akademische Taxi-Fahrer auszubilden. Und Fakt ist auch: Geisteswissenschaftler verdienen nach ihrem Studium weniger als zum Beispiel Naturwissenschaftler, Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler.

Dennoch hat sich bereits allzu oft gezeigt, dass eine Entscheidung gegen die Passion und für vermeintlich bessere Jobchancen am Ende nur zu Unsicherheit, Stress und letztendlich vielleicht sogar dem Studienabbruch geführt hat.

Die Studienwahl scheint wie eine Entscheidung zwischen Geld oder Liebe zu sein. Doch beide Wege müssen sich überhaupt nicht ausschließen. Auch mit Philosophie lässt sich Geld verdienen, genau so kann Jura Spaß machen, wenn einem das Fach liegt. Zumal es einem deutlich leichter fällt, ein Studium erfolgreich zu bestreiten, sich von der Masse abzuheben und so am Ende auch bessere Jobchancen zu haben, wenn man wirklich für das brennt, was man tut.

93.388 Bewerbungen sind in diesem Jahr über die Quote 1 abgegeben worden. Bei Umfragen lässt sich natürlich viel antworten. Es bleibt zu hoffen, dass viele sich aber tatsächlich von ihrer Passion haben leiten lassen und am Ende das Studienfach belegen können, in dem sie durch Interesse statt Stress und Druck Höchstleistungen vollbringen können.

Denn wie schon der alte Konfuzius sagte: „Wähle einen Beruf, den Du liebst, und Du brauchst keinen Tag zu arbeiten.“

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