Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 21. November 2021“

Das Wort zum Sonntag, 21. November 2021

Das Wort zum Sonntag, 21. November 2021

Pastorin Dorothea Lindow
Dorothea Lindow
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Foto: Adobe Stock

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Das Wort zum Sonntag, 21. November 2021, von Pastorin Dorothea Lindow, Kirche zu Tondern.

Die Wippe

Beim Spaziergang sah ich auf dem Spielplatz zwei Kinder wippen. Mal war das eine Kind oben, mal das andere. Miteinander probierten sie aus, wie sich die Wippe beeinflussen lässt. Was muss ich tun, wenn ich oben sein will? Das Kind lehnte sich zurück, rutschte an den äußersten Rand der Wippe. Ganz langsam wippte die Wippe auf die andere Seite. Das andere Kind senkte sich, kurze Zeit waren beide im Gleichgewicht, gleich schwer. Aber dann wurden die Kinder ungestümer. Sie stießen sich wechselseitig vom Boden ab. Die Wippe wippte auf und nieder.

Jetzt am Sonntag geht das Kirchenjahr zu Ende, mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Der letzte Sonntag des Kirchenjahres ist ein besonderer Tag. Er hat gleich zwei verschiedene Namen: Totensonntag und Ewigkeitssonntag.

Wir gedenken der Verstorbenen, verlesen ihre Namen, zünden Kerzen an, erinnern uns. Die Verstorbenen fehlen, oft tut es noch richtig weh. Wir feiern den Totensonntag.

Aber zugleich hoffen wir, dass es für unsere Verstorbenen ein neues Zuhause in Gottes Ewigkeit geben wird. Wir feiern den Ewigkeitssonntag.

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr: Mal steht das Gedenken der Verstorbenen im Vordergrund, mal die Hoffnung auf Gottes Ewigkeit.

Ich schaue mir diesen Tag genauer an. Es ist wie auf einer Wippe. Mal sitzt die Trauer oben und macht der Ewigkeit keinen Platz, mal sinkt die Trauer zu Boden, und die Hoffnung auf ein neues Leben bei Gott steigt hoch. Es ist ein (ewiges) Auf und Ab. Ich wippe auf und nieder: Tod – Ewigkeit – Tod – Ewigkeit. Nur für einzelne Momente ist beides im Gleichgewicht.

Mein Spaziergang führt mich zum Friedhof. Dort lasse ich meinen Gedanken freien Lauf. Beim Blick auf die verschiedenen Grabsteine fällt es mir wieder auf: Tod und Ewigkeit wippen miteinander. Die Symbole auf den Grabsteinen erzählen davon: ein Kreuz, eine Ähre, eine aufgehende Sonne, wieder ein Kreuz. Dann der Verweis auf eine Bibelstelle: Offb 21,5: Siehe, ich mache alles neu.

Da kommt für mich dieser Tag ins Gleichgewicht. Ich stehe auf dem Friedhof und lese, was uns versprochen ist. Siehe, ich mache alles neu.

Die Trauer bleibt, aber ich spüre, dass Hoffnung wächst. Wenn ich jetzt meine Trauer und meine Hoffnung auf ein neues Leben auf die Wippe setzen würde, wäre sie wohl im Gleichgewicht. Einen gesegneten Sonntag Euch

Dorothea Lindow

Mehr lesen

VOICES - Minderheiten weltweit

Jan Diedrichsen
Jan Diedrichsen
„,Die Ukraine - mein Bruder, meine Verwandtschaft. Für deine Freiheit bin ich bereit zu sterben.'“

Leitartkel

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
„Energiewende international mit Nordseewindkraft“