Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 31. Oktober 2021“

Das Wort zum Sonntag, 31. Oktober 2021

Das Wort zum Sonntag, 31. Oktober 2021

Anke Krauskopf
Anke Krauskopf
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 31. Oktober 2021, von Anke Krauskopf, Pastorin in Apenrade

Reformationstag 2021

Meine Tochter hat mich als Kind mal gefragt: „Mama, was feiert man eigentlich bei Reformation?“

Da fühlte sich mein Pastorinnen- Mutterherz doch herausgefordert, auf kindgemäße Weise von Martin Luther zu erzählen. Von dem jungen Mönch, der einen gnädigen Gott suchte und ihn schließlich bei Paulus fand. Von dem streitbaren Theologieprofessor, der die ganze Kirche mit seinen Schriften herausforderte, weil er zutiefst und zu Recht überzeugt war, dass man sich Gottes Gnade nicht erkaufen kann. Ich erzählte die spannende Geschichte von Martin Luther, der nach dem Reichstag zu Worms von Soldaten des Kurfürsten Friedrich des Weisen auf die Wartburg entführt wurde, um päpstlichen Verfolgern zu entgehen, und wie er dort inkognito als Junker Jörg das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte. Ich erzählte davon, wie sich die neue Lehre in Deutschland verbreitete und wie der ehemalige Mönch Martin Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora heiratete und eine glückliche Ehe führte. Und während ich noch zutiefst ergriffen über die Errungenschaften der Reformation und Martin Luthers Geschichte nachdachte, tönte es aus dem Bett meiner Tochter herüber: „Mama, weißt du was? Halloween find’ ich irgendwie lustiger …“

Tja, verständlich. Ausgehöhlte Kürbisse mit Licht darin, sich gruselig verkleiden und von Haus zu Haus gehen, um Süßigkeiten zu bekommen, das macht Kindern sicher mehr Spaß, als sich mit Luthers Kleinem Katechismus zu beschäftigen.

Aber muss es denn überhaupt ein Entweder-oder geben? So wie ich das sehe, geht es in beiden Festen, also Halloween und Reformationstag, doch um die Angst vor Hölle, Tod und Teufel und darum, wie man die Angst erlebt, aushält und schließlich vertreibt.

Bei Halloween macht man das wohl dadurch, dass man sich verkleidet und als Gruselgestalt durch die Straßen zieht oder eine Party mit Freunden feiert – die Angst also überdeckt. Und der Reformationstag macht das mehr über den Kopf, durch Nachdenken. Im Gottesdienst vergewissert man sich sozusagen, dass das Böse keine Macht über einen hat, sondern Gott uns davor bewahrt. Die Angst wird verjagt. Fürchte dich nicht! Heißt es in der Bibel.

Und dann braucht man gar nicht Reformationstag oder Halloween zu feiern, sondern Reformationstag und Halloween. Zuerst feiert man Gottesdienst zum Reformationstag und am Abend kann man fröhlich gruselig um die Häuser ziehen.

Gesegneten Reformationstag also – und Happy Halloween!

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