Wort zum Sonntag

„Das Wort zum Sonntag, 4. Juli 2021“

Das Wort zum Sonntag, 4. Juli 2021

Das Wort zum Sonntag, 4. Juli 2021

Pastor Axel Bargheer, Kopenhagen
Axel Bargheer
Nordschleswig
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Das Wort zum Sonntag, 4. Juli 2021 von Pastor Axel Bargheer, Deutsch Reformierte Gemeinde Kopenhagen

Weggabelungen

Von Walt Whitman, dem großen amerikanischen Lyriker des 19. Jahrhunderts, stammt folgender Satz: „Zwei Wege boten sich mir dar, und ich ging den, der weniger betreten war – und das veränderte mein Leben.“

Unmittelbar gehört dem Dichter meine Sympathie, denn offensichtlich hat er etwas Richtiges getan, als er nicht den ausgetretenen Weg wählte. So klingt es, aber gilt das für alle?

Beim Spazierengehen und in meinem Leben habe ich mich des Öfteren für den ungewohnten Weg entschieden, einen Weg, den nicht alle gegangen waren. Das war manchmal sehr gut, aber manchmal auch ein dummer, vermeidbarer Fehler.

Und wie ist es mit den Menschen, denen ich begegne? Menschen, die ungewohnte Wege gehen, sind oft anregend und interessant. Aber brauchen wir nicht gleichzeitig diejenigen, bei denen man sicher sein kann, dass sie einen Weg zuverlässig gehen.

So einfach scheint es also nicht zu sein. Wie sollte es auch, denn immer wieder stehen wir vor Wegen, die in verschiedene Richtungen führen. Nicht immer fällt uns die Wahl dann leicht. Außerdem stelle ich fest, dass Menschen durchaus auf solche Entscheidungssituationen ganz unterschiedlich reagieren. Sind sie eine Chance oder Quelle von Verunsicherung?

Solche Spannungen zwischen verschiedenen Möglichkeiten sind Teil unserer Existenz – und Folge unserer Freiheit. Auch wenn es hin und wieder nervt, es ist ein großes Geschenk, dass wir unseren Verstand gebrauchen können, um Chancen und Gefahren abzuwägen, um die Gewissheiten des Bekannten mit den Möglichkeiten des Noch-Unbekannten auszubalancieren.

Ohne Entscheidungsmöglichkeiten wäre die Welt enger und kleiner. Sie würde sich nicht entwickeln, wenn wir immer nur die bekannten Wege wählen würden. Zugleich möchte ich nicht auf diejenigen verzichten, auf die ihren Weg zuverlässig gehen und nicht bei jeder Gelegenheit die Richtung wechseln.

Auf beiden Wegen gibt es die Möglichkeit des Scheiterns und des Versagens. Wir leben in dieser Spannung, einfache Antworten sind selten. Auf den Rat anderer zu hören, hilft nicht immer, aber manchmal. Auch die Bibel empfiehlt den Blick über den Tellerrand des eigenen Lebens. Wir sind nicht irgendwie in diese Welt hineingepurzelt und müssen uns nun selbst behelfen, sondern unser Leben wird immer als ein Leben vor Gott verstanden. Wenn ich diese Beziehung, die Gott uns anbietet, ernst nehme, stehe ich nicht allein in meinen Entscheidungen und kann mein Leben in gutem Sinne verändern und weiterbringen.

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