Wort zu Ostern

„Energiequellen für Zukunft “

„Energiequellen für Zukunft “

„Energiequellen für Zukunft “

Torkild Bak
Ripen/Ribe
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Torkild Bak, Dompropst in Ripen, befasst sich in seinem Wort zu Ostern mit dem Gespräch als Energiequelle.

Die Frage nach den Energiequellen der Zukunft ist derzeit eines der wichtigsten Themen auf der politischen Agenda. Ich meine aber, dass wir neben Offshore-Windparks, Solarzellen und Wasserstoff auch „die Erzählung“, „das lebendige Wort“ oder das Gespräch als Energiequelle benennen sollen. Sicher, damit können keine Häuser beheizt werden. Aber diese Energiequellen können den Unterschied machen, ob die Zukunft ein Ort sein wird, an dem Menschen sein können, wo sie genährt werden und wachsen können, mit allem, was bei ihnen wohnt. Denn nicht für alles kann eine technologische Lösung gefunden werden.

Was aber macht man mit dem Verstand, der im Osterevangelium auf ein absolutes STOP-Schild trifft und nicht weiterweiß? Es gibt nur eines, das schlimmer ist, als die Verstandesforderung nach Stringenz und klaren Ableitungen beiseite zu legen. Und das ist: zu glauben, dass das Leben nur mit Verstand zu begreifen ist und dabei zu vergessen, dass der Mensch als Ganzes nur in Verstand und Gefühl zu begreifen ist. Was der „reine Verstand“ ist, erleben wir heute z. B. in der Diskussion um künstliche Intelligenz. Künstliche Intelligenz ist Verstand, gereinigt von Gefühlen, persönlicher Identität und Subjektivität: die ultimative Erfüllung des modernen Traums nach reinem objektiven Denken. Aber wollen wir dahin?

Nein, nicht nur! Mit dem (reinen) Verstand machen wir ab, was wirklich ist und was nicht. Doch gleichzeitig stehen wir vor einem sonderbaren Paradox, das nicht weniger herausfordernd ist als die Frage nach zukünftigen Energiequellen. Künstliche Intelligenz ist eines von unzähligen Beispielen dafür, dass wir riskieren – indem wir nur nach rationellen Lösungen fragen – uns aus der Welt, der Geschichte und der Zivilisation als Menschen herauszuschreiben.

Aus dem geistigen Raum, in den uns das Osterevangelium stellt, sind Kathedralen entstanden, ist große Musik geschaffen worden, sind Schulen und soziale Institutionen erwachsen. Das Erzählen des Osterevangeliums hat Gemeinschaft geschaffen. Die Erzählung von Jesu Auferstehung ist beständige Forderung, sich immer auf die Seite des Einzelnen zu stellen. Menschen in den allerschwierigsten Situationen haben daraus Kraft geschöpft.

Das Osterevangelium ist nicht die Erzählung eines Wunders, aber eine wunderbare Erzählung. Und vielleicht ist deswegen das Entscheidende, was über es im Licht unserer Zeit heute gesagt werden muss: Es zwingt uns, danach zu fragen und durchzudenken, was es bedeutet, ein Mensch zu sein, mit allem, was dazugehört. Frohe und gesegnete Ostern!

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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