Leitartikel

„Faire Verteilung“

Faire Verteilung

Faire Verteilung

Nordschleswig/Sønderjylland
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Der Staat lässt die Küstengemeinden in einem wichtigen Punkt im Stich, findet Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die letzte dänische Kommunalreform liegt schon eine Weile zurück. Genau zwölf Jahre. Seitdem sind alle Behörden-Aufgaben verteilt und die Finanzen auch. Ich korrigiere: fast alle. Denn in einem Bereich lässt der Staat die Küstengemeinden im Stich, nämlich wenn es um den Küstenschutz geht.

Erinnern wir uns: Vor 2007 gab es noch die Amtskommunen, und in Sachen Küstenschutzmaßnahmen wurden die Kosten zur Hälfte vom Staat übernommen, während die zweite Hälfte zu zwei Dritteln auf die Amtskommunen und zu einem Drittel auf die Kommunen/Deichverbände verteilt wurden.

Die Kommune Tondern zahlte damals also ein Sechstel der entstandenen Kosten, wenn ein starker Sturm oder eine Sturmflut übers Land fegte. Die Kommune sitzt auf einer tickenden Bombe, denn an der Westküste kann sich noch jeder an große Stürme und Sturmfluten erinnern. 1999 verursachte der Dezember-Sturm Schäden in Höhe von 30 Millionen Kronen am Röm-Damm.

Die Politiker in der Kommune Tondern haben seit der Kommunalreform ständig auf das Problem hingewiesen, doch eine Lösung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, denn die Küstenbehörde, Kystdirektoratet, hat jetzt einen neuen Vorschlag für einen Verteilungsschlüssel gemacht: Halbe-halbe. Und eben nicht fünf Sechstel für den Staat und das letzte Sechstel für die Kommune.

Die Proteste aus Tondern und anderen Küstenkommunen sind lautstark. Mit recht. Wenn es ums Meer geht, sollte die Verantwortung für Küsten- und Klimaschutz primär beim Staat liegen – zumal der Staat auch in anderen Küsten-Fragen das Sagen hat.

Tondern trägt keine Verantwortung für die Klima-Konsequenzen der heutigen Zeit, hat aber das Risiko. Einer armen Kommune wie Tondern können Sturmfluten in Zukunft das Geld aus der Kasse spülen. Das ist nicht fair.

Klima- und Küstenschutz ist die Verantwortung der Gesellschaft – und nicht einiger weniger Bürger die in einer anfälligen Küstenregion leben.

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