Leitartikel

„Keine Konkurrenz“

Keine Konkurrenz

Keine Konkurrenz

Nordschleswig/Sønderjylland
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Doch keine Kürzungen bei den dänischen Frei- und Privatschulen. Das ist gut so, meint Chefredakteur Gwyn Nissen. Viele Freischulen sind nämlich Kulturträger auf dem Lande.

Aufatmen bei den Frei- und Privatschulen in Dänemark: Aus der geplanten Kürzung der finanziellen Zuschüsse wird nun doch nichts. Dies teilte Finanzminister Nicolai Wammen (Soz.) mit: Es gebe im Folketing keine Mehrheit für die Streichungen, so der Minister. Das ist gut so.

Die Schulen der deutschen Minderheit unterliegen ebenfalls dem dänischen Freischulgesetz. Obwohl Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) und ihr Parteikollege, der Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, Jesper Petersen, im Vorfeld der geplanten Kürzungen garantiert hatten, dass die Minderheitenschulen in Nordschleswig davon nicht betroffen seien, so ist auch hier die Erleichterung groß. Denn solange solche Einsparungen nicht vom Tisch sind, besteht immer ein Risiko, dass sie doch noch durchgeführt werden – trotz aller Garantien.

Dass die Kürzungen ad acta gelegt sind, ist aber nicht nur für die betroffenen Schulen ein großes Glück, sondern auch für die Bildung überhaupt in Dänemark und für die Entwicklung im ländlichen Raum.

Bei dänischen Privatschulen dreht es sich nur sehr selten um elitäre Institutionen, so wie wir sie aus dem Ausland kennen. Im Gegenteil. Viele Schulen sind dort entstanden, wo Kommunalpolitiker auf dem Lande Einrichtungen geschlossen haben. Dort haben Eltern und Dorfgemeinschaften für ihre Schulen gekämpft und leisten einen großen freiwilligen Einsatz, um sie am Leben zu erhalten. Viele davon mit großem Erfolg, aber auch mit finanziellen Herausforderungen, die noch größer geworden wären, wenn der Staatszuschuss wie geplant von 76 auf 71 Prozent reduziert worden wäre.

Die Sozialdemokraten haben einen ideologischen Kampf gegen die Privatschulen geführt, unter anderem basierend auf dem Missverständnis, dass die Privat- und Freischulen keine soziale Verantwortung übernehmen würden. Was sie aber sehr wohl tun.

Außerdem sind die Schulen oft Dreh- und Angelpunkt sowie Kulturträger im ländlichen Raum, weshalb die Sozialdemokraten gut daran tun, das ideologische Kriegsbeil zu begraben und die freien Schulen nicht nur zu akzeptieren, sondern auch gern noch mehr zu unterstützen.

Die Frei- und Privatschulen sollten als das gesehen und behandelt werden, was sie sind: als eine Ergänzung zur staatlichen Volksschule – und nicht als Konkurrenz.

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