Leitartikel

„Misstöne in Nordschleswig“

Misstöne in Nordschleswig

Misstöne in Nordschleswig

Nordschleswig/Sønderjylland
Zuletzt aktualisiert um:

Apenrade möchte auf Kosten Sonderburgs an die Millionen für die regionale Musikförderung. Eine schlechte Idee. Warum entwickeln die Apenrader nicht ihre eigenen Ideen, statt anderen etwas wegzunehmen, fragt sich Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die Kommune Apenrade will neuer Standort für die regionale Musikszene werden. Eine tolle Idee. Wäre da nicht der Umstand, dass Nordschleswig bereits eine regionale Musikstätte hat, nämlich das Sønderborghus. Apenrades Vorhaben ist daher eine unschöne musikalische Kriegserklärung an die Nachbargemeinde.

Apenrade hat Ambitionen und möchte, wie die Dänen sagen, „etwas bei der Musik sein". Daher hat die Kommune in den kommenden vier Jahren insgesamt sieben Millionen Kronen für die musikalische Entwicklung in der Kommune reserviert. Nun möchte Apenrade aber auch an die staatliche Förderung ran, die von „Statens Kunstfond" verteilt werden. Das Sønderborghus hat seit 2017 jährlich 1,4 Millionen Kronen erhalten, und im kommenden Jahr sollen die Mittel für 2021 bis 2024 verteilt werden.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich Sonderburg durch eine einzigartige Zusammenarbeit aller Musikinteressen als musikalische Hochburg erwiesen: Pavarotti, Sting, Elton John, The Police, Tom Jones, Toto, Bryan Adams, Deep Purple, BB King, Mark Knopfler von den Dire Straits, Roger Hodgson von Supertramp, Chicago, Bryan Ferry, Joe Cocker, Art Garfunkel, Erik Clapton, Jon Bon Jovi und natürlich alles, was in Dänemark Rang und Namen hat, waren schon in Sonderburg.

Aber nicht nur in Sonderburg, denn der Veranstalter „Kultur i Syd" kooperiert nicht nur mit allen Musikstätten in Sonderburg, sondern auch mit Hadersleben. Apenrade bekam seinerzeit ebenfalls das Angebot, an „Kultur i Syd" mitzuwirken und hätte vielleicht sogar einige der Weltstars präsentieren können. Doch Apenrade wählte seinen eigenen Weg – was schon damals ein Fehler war. Sonderburgs Gästeliste ist Weltklasse – in Apenrade ist sie nicht existent.

Nun versucht sich Apenrade nochmals mit einem Alleingang, fügt allerdings hinzu, dass die Kommune gerne mit Sonderburg zusammenarbeiten möchte. Aber so läuft eine ehrlich gemeinte Kooperation nicht: Man arbeitet nicht an der eigenen Bewerbung und lädt dann andere mit ein (die zudem eine über viele Jahre gut funktionierende und erprobte Spielstätte haben), sondern setzt sich vorher zusammen und schreibt gegebenenfalls einen gemeinsamen Antrag.

Apenrade hat in Sonderburg bereits einen schlechten Ruf, wenn es um die (fehlende) Zusammenarbeit geht. Nun geht die Nachbarkommune wieder auf Raubzug? Das ist zum einen unklug, und darüber hinaus muss man sich fragen, warum Apenrade nicht eigene Ideen und Alleinstellungsmerkmale entwickelt, statt zu versuchen, anderen in Nordschleswig etwas wegzunehmen.

Man soll niemandem etwas Schlechtes wünschen, und Apenradern wäre es zu gönnen, dass sie noch mehr musikalische und kulturelle Angebote bekommen. Doch hoffentlich bleibt die staatliche Förderung des Sønderborghus erhalten – die Sonderburger haben es verdient, und außerdem hat Sonderburg sein eigenes nordschleswigschses Publikum aufgebaut. Für gute Musik reisen Apenrader nämlich gerne Mal nach Sonderburg. Für Misstöne hat aber niemand etwas übrig.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Rot-grüner Haushalt“

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Zaun der Verwunderung“