60 Jahre DGN

Rektor: „Auch in Zukunft das Gymnasium FÜR Nordschleswig“

Rektor: „Auch in Zukunft das Gymnasium FÜR Nordschleswig“

Rektor: „Auch in Zukunft das Gymnasium FÜR Nordschleswig�

Jon Thulstrup
Jon Thulstrup Online-Redaktion
Apenrade/Aabenraa
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Schulleiter Jens Mittag bei seiner alltäglichen Arbeit. Foto: Karin Riggelsen

Das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig feiert am Sonnabend 60-jähriges Bestehen. „Der Nordschleswiger“ hat mit dem DGN-Schulleiter Jens Mittag über die Zukunft des Gymnasiums und aktuelle Herausforderungen gesprochen

Als Schulleiter eines Gymnasiums hat man in der Regel viel zu tun. Doch wenn nebenbei ein großes Jubiläumsfest mit vielen ehemaligen Schülern und Lehrern veranstaltet wird, dann muss noch viel mehr getan werden. „Der Nordschleswiger“ hat in einer kleinen Pause den Schulleiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig erreicht und mit ihm über die Zukunft des Gymnasiums, die kommenden Herausforderungen und das bevorstehende Fest gesprochen.

Mittag selbst ist schon seit gut 20 Jahren am Gymnasium und hat, wie er selbst sagt, „schon ein Drittel der Lebenszeit der Schule miterlebt.“ Ihm zufolge steht die Einrichtung gut da. Seit Jahren zähle das Gymnasium beim Blick auf die Examenszensuren zu den besten des Landes. Doch trotzdem muss das Gymnasium auch mit Herausforderungen kämpfen.

Schulleiter Jens Mittag ist seit 2017 Rektor am DGN. Foto: Karin Riggelsen

„Ich denke, dass wir in Zukunft insbesondere mit dem Einfluss der digitalen Medien auf die Jugendlichen arbeiten müssen“, betont er. Das Problem ist ihm zufolge, dass er und viele der Lehrer anders aufgewachsen sind. „Wir haben diese Erfahrung nicht gemacht. Den Einfluss der digitalen Medien muss man thematisieren“, so Mittag.

Eine Schule mit besonderem Charakter

Auch die nordschleswigsche Herkunft der Schüler sei ein Thema, mit dem sich die Schulleitung beschäftigt. „Wir wollen auch in Zukunft das Gymnasium FÜR Nordschleswig sein. Deshalb arbeiten wir eng mit dem Deutschen Schul- und Sprachverein zusammen und präsentieren uns vor den Schülern der Deutschen Schulen in beispielsweise Tondern oder Sonderburg“, unterstreicht Mittag, zur Thematik, dass aufgrund des Abstandes nach Apenrade Schüler der Deutschen Schulen ein dänisches Gymnasium in ihrer Nähe bevorzugen.

„Schüler aus Nordschleswig haben weiterhin unsere erste Priorität“, so der Schulleiter, der betont, dass es zwar ein weiter Weg von Tondern sei, er sich aber lohne.

„An unserem Gymnasium haben wir gute Examensergebnisse und man lernt zwei verschiedene Kulturen kennen, die einem im späteren Leben weiterhelfen können. Das gibt es eben nicht an anderen Gymnasien hier im Landesteil“, sagt er.

Mit Projekten und Schnuppertagen versuche das Gymnasium weiterhin die Gunst der Schüler zu gewinnen, auch jener, die weiter entfernt als Tingleff wohnen. Auch die dazukommenden Schüler aus Deutschland erfreuen ihn.

„Wir haben schon seit etlichen Jahren Schüler von beispielsweise Amrum. Die bringen unter anderem frischen Wind in unser Gymnasium“, freut sich Mittag.

Die Schülerzahlen der vergangenen Jahre sprechen für sich. „Wir sind vollbesetzt. Die Alternative wäre, das Gymnasium zu vergrößern. Aber dann geht meiner Meinung nach der besondere Charakter unserer Schule, dass jeder jeden kennt, verloren“, unterstreicht er.

Selbstverständlich hätte er gerne ein bis zwei zusätzliche Unterrichtsräume. Doch ersteinmal stehe der Umbau der Sporthalle bevor.

Zum bevorstehenden Ehemaligenfest und zu den vielen Anmeldungen sagt er kurz und bündig: „Es freut mich, dass so vielen das DGN am Herzen zu liegen scheint.“ Auch er wird viele ehemalige Schüler am Wochenende wiedersehen.

Das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig

Das DGN feiert 60-jährigen Geburtstag, doch die Geschichte des Deutschen Gymnasiums in Nordschleswigs ist weitaus älter. Nach der Angliederung Nordschleswigs an Dänemark 1920 wurden alle höheren deutschen Schulen im Landesteil zu dänischen Staatsgymnasien. Zwischen 1927 und 1945 gab es auf Initiative der deutschen Minderheit ein privates deutsches Gymnasium in Apenrade. Das Gebäude (das ehemalige Polizeigebäude am Haderslebener Weg) wurde 1945 aber enteignet, die Schule geschlossen.

Den Weg für eine neue Ära ebneten 1955 die Regierungserklärungen von Deutschland und Dänemark, die Bonn-Kopenhagener Erklärungen zur Anerkennung der Minderheit im jeweiligen Staat. So konnte im August 1959 das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig seinen Betrieb aufnehmen. Zunächst in den Räumen der Deutschen Privatschule Apenrade, konnte 1964 der gegenüberliegende Neubau – entworfen von Architekt Otto Weitling – bezogen werden. 1992 wurde die Schule am Svinget 26-28 am nordöstlichen Ende mit Cafeteria/Kantine, Toiletten und Unterrichtsräumen erweitert.

Erster Rektor war Oberstudiendirektor Jörgen Hansen Jensen. 1962 bestanden die ersten 17 Schüler ihr Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig. Es folgten die Rektoren Karl Heinz Saß (1966 bis 1975), Hans Jürgen Nissen (1975 bis 1996), Norbert Spahn (1996 bis 2000) und Ilse Friis (2000 bis 2017). Seit November 2017 ist Jens Mittag Rektor.

Dem Gymnasium ist ein Schülerwohnheim angeschlossen. 52 Plätze stehen den Schülern in Zweier-Zimmern zur Verfügung.

Abgesehen von der 2010 eingerichteten gymnasialen Oberstufe an der St. Petri-Schule in Kopenhagen ist das DGN das einzige deutschsprachige Gymnasium in Dänemark. Die Schüler schließen die drei Jahre am DGN sowohl mit der direkten Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland ab (entspricht dem deutschen Abitur) als auch mit dem dänischen „Studentereksamen“ ab.

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