Kultur

100% integriert

100% integriert

100% integriert

Sebastian Möbius
Apenrade/Aabenraa
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Thore Naujeck sieht sich zu 100 Prozent dänisch und zu 100 Prozent deutsch. Foto: Paul Sehstedt

Ist man eigentlich fremd im eigenen Land, wenn man seit Jahren dort lebt? Diese Frage versucht eine Kunstausstellung in Apenrade zu beantworten.

Die Kunstausstellung „100% fremmed?“ (100% fremd?) geht in die dritte Runde. In den letzten beiden Jahren machte die Ausstellung in etlichen dänischen Städten halt. Dieses Jahr gibt es die Kunstausstellung bis zum 1. September in Apenrade zu bestaunen.

Am Donnerstagnachmittag fand die offizielle Eröffnung in der Apenrader Bibliothek statt. Der Vorsitzende der Abteilung Kultur und Freizeit der Kommune Apenrade, Lars Kristensen, eröffnete mit seiner Rede die Veranstaltung. Darin betonte er, dass sich aus der einstigen Feindseligkeit zwischen dänischer Bevölkerung und der deutschen Minderheit eine gute Zusammenarbeit entwickelt hat. Somit sei die deutsche Minderheit positiv integriert und genau darum geht es auch in dem Kunstprojekt.

Dort werden Personen vorgestellt, die aus den unterschiedlichsten Gründen aus ihrem Heimatland fliehen mussten und nun in Dänemark leben. Manche erst seit ein paar Jahren, einige seit Jahrzehnten.

Doch alle haben eins gemeinsam: Sie sehen sich als voll integriert. Genau das soll die Ausstellung aufzeigen. Auf den ausgestellten Fotos zeigen sich die Personen mit Gegenständen aus ihrer Heimat oder mit Familienmitgliedern und im Hintergrund sieht man das Apenrader Ringreiten.

Hier wird deutlich, dass sowohl Herkunft als auch neue Heimat gekonnt in Szene gesetzt werden. Neben den Fotos sind sowohl auf Dänisch, als auch auf Englisch die Geschichte der jeweiligen Personen, abgedruckt und viele der Porträtierten waren bei der Eröffnungsfeier anwesend.

„Integration von Gesicht zu Gesicht"

Als zweiter Redner betrat Trevor Davies den Saal. Er ist künstlerischer Leiter des Projektes und erklärte gegenüber dem „Nordschleswiger“, was das Wichtigste für ihn an diesem Projekt ist.

Der künstlerische Leiter des Projektes Trevor Davies erklärt den Gästen einiges zu den Bildern. Foto: Sebastian Möbius

„Gerade bei so einem wichtigen Thema wie Integration oder Migration ist es wichtig die Leute hinter den Geschichten kennenzulernen. Hier besteht die Möglichkeit dazu, da viele Protagonisten anwesend sind. So findet eine Integration von Angesicht zu Angesicht statt und jeder sieht sich nicht nur die Bilder an und geht dann weiter. Das macht einen großen Unterschied aus“, so Davies.

Im Anschluss an die Rede ging es per tragbarem Mikrofon und einem Guide in Richtung Innenstadt, wo weitere Ausstellungsstücke stehen.

Dort bekamen die einzelnen Protagonisten das Wort und konnten persönlich vor ihrem Foto nochmal ihre eigene Geschichte erzählen.

100 Prozent dänisch und 100 Prozent deutsch

Ebenfalls am Projekt beteiligt ist Thore Naujeck. Er ist Teil der deutschen Minderheit und Angestellter beim Bund Deutscher Nordschleswiger. Außerdem spielt er in der dänischen Faustballnationalmannschaft, die vorrangig aus deutschen Nordschleswigern besteht und am Sonntag bei der WM in der Schweiz antritt.

In seiner Rede in der Innenstadt machte Thore vor allem eins deutlich, nämlich dass es für ihn keine zwei Seiten der Medaille gibt.

„Ich habe Wurzeln in dieser Region, die 250 Jahre zurückreichen. Ich sehe mich zu 100 Prozent dänisch und zu 100 Prozent deutsch“, so Naujeck. Für seine Rede erntete er viel Applaus von den rund 100 anwesenden Gästen.

Ihren Abschluss fand die Veranstaltung im Kulturhaus „Nygardehuset“ in Apenrade, wo es zu südländischer Musik orientalische Süßspeisen und herzhafte Gerichte gab.

Die Ausstellung ist noch bis zum 1. September in Apenrade, und es finden noch zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen dieses Projektes statt.

Diese können unter https://100pctfremmed.dk/aabenraa-danmarksrejsen/ eingesehen werden.

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