Umwelt und Verkehr

Synthetischer Diesel nun auch in Krusau

Synthetischer Diesel nun auch in Krusau

Synthetischer Diesel nun auch in Krusau

Krusau/Kruså
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Bei der Shell-Tankstelle in Krusau kann man GTL-Diesel tanken. Foto: kjt

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Er soll sauberer verbrennen, den Motor schonen und auch den Verbrauch senken: Der neuartige GTL-Diesel ist in Grenznähe erhältlich. Ein Busunternehmer ist von dem synthetischen Kraftstoff ganz angetan.

„Fast geruchlos, biologisch leicht abbaubar und ein geringeres Gefährdungspotenzial im Vergleich zu konventionellem Dieselkraftstoff.“ Das Mineralölunternehmen Shell spart nicht mit positiven Attributen für den synthetischen Dieselkraftstoff GTL (Gas-to-liquids), der aus Erdgas gewonnen wird und sauberer als herkömmlicher Dieselkraftstoff auf Mineralölbasis verbrennt.

Bei der Shell-Tankstelle am Sønderborgvej in Krusau bietet der Konzern „DCC Energi“ nun auch GTL an.

Weitere Standorte geplant

Das Energieunternehmen vertreibt den Kraftstoff nach eigenen Angaben dänemarkweit mittlerweile an zehn Shell-Trucktankstellen. Weitere sollen laufend dazukommen, so der Konzern.

Krusau liegt in unmittelbarer Nähe der Transporthochburg Pattburg (Padborg).

Die Grenznähe mit starkem Lkw-Aufkommen hat eine zentrale Rolle bei der Auswahl des GTL-Standortes gespielt. Die nächste Station mit GTL-Diesel ist in Woyens (Vojens). In Jütland gibt es laut Shell sechs GTL-Tankstellen, auf Fünen eine und auf Seeland drei.

„Mit einer Platzierung nahe an Pattburg, das eines der Orte in Nordeuropa ist, wo am meisten Diesel getankt wird, wurde Krusau bewusst ausgewählt. Wir können den Transportunternehmen nun quer durch Jütland von Støvring im Norden bis Krusau im Süden das Tanken mit GTL anbieten“, so DCC-Energi-Direktor Søren Møller Maretti zur Branchenzeitung „Transporttidende“.

Keine Umrüstung erforderlich

Der GTL-Liter-Preis liegt etwas über dem des Normaldiesels. Am Dienstag betrug der GTL-Literpreis in Krusau 12,28 Kronen im Gegensatz zur 11,69 Kronen beim Normaldiesel.

Eine technische Umrüstung der Dieselmotoren ist laut GTL-Herstellerangaben nicht nötig. Sogar neuere Dieselfahrzeuge können den synthetischen Kraftstoff nach Angaben der Produzenten bedenkenlos tanken.

Die Shell-Tankstelle am Sønderborgvej Foto: kjt

Ein Beimischen zum herkömmlichen Diesel ist ebenfalls problemlos möglich, heißt es.

GTL ist demnach geruchs- und verdampfungsarm und frei von Schwermetallen, Zink und Chlor.

Der Rußausstoß soll laut Messungen um 70 Prozent, bei älteren Dieselmotoren sogar um bis zu 95 Prozent geringer sein. Auch weniger Stickoxide (bis zu 20 Prozent) und weniger CO2 (bis zu 9 Prozent) werden ausgestoßen. Die Motoren laufen angeblich leiser und verbrauchen weniger Öl.

Noch keine Erfahrungswerte vor Ort

Über den alternativen Kraftstoff hat auch Kfz-Meister Flemming Christensen aus Tingleff (Tinglev), Betreiber der Servicestation AutoMester, gelesen.

Ob der Diesel tatsächlich ohne Probleme getankt werden kann und schonender verbrennt mit weniger Rußpartikeln, könne er aus eigener Erfahrung noch nicht sagen. Er habe noch keine Fahrzeuge in der Werkstatt gehabt, die viel oder ausschließlich mit dem neuartigen Diesel fahren.

„Es klingt aber vielversprechend, was man über den Kraftstoff so liest“, so Christensen.

Als vielversprechend stuft auch Busunternehmer Paul Sehstedt aus Apenrade (Aabenraa) den Kraftstoff ein.

Sehstedt hat sich gerade erst einen hochmodernen neuen Bus mit spezieller Raumluftfilterung angeschafft.

Für den Bus könne man auch GTL verwenden. „Er wird auch mit GTL betankt, wenn die Tankstelle das vorrätig hat“, so der Bus- und Reiseunternehmer.

Etwas teurer

Beim jüngsten Tanken habe der Mehrpreis 137 Kronen pro 1.000 Liter oder 13,7 Öre (zuzüglich Abgaben und Mehrwertsteuer) pro Liter betragen.

Die GTL-Zapfsäule in Krusau. Der Literpreis des synthetischen Dieselkraftstoffs betrug am Dienstag 12,28 Kronen. Foto: kjt

„Ich habe vergangenen Montag in den Niederlanden getankt. Die Tankstelle hatte nur GTL“, berichtet Paul Sehstedt, der neben dem Umweltvorteil und der schonenderen Verbrennung auch den etwas geringeren Verbrauch im Blick hat.

„Der Bus verbraucht weniger Treibstoff, wenn man GTL tankt. Er läuft rund 100 Meter länger pro Liter“, so Sehstedt.

Sollte der Kraftstoff an Popularität gewinnen und bei Fuhrunternehmen gefragt sein, dann ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, wann der Kraftstoff auch an Zapfsäulen in der Transporthochburg Pattburg Einzug hält. Dann würden Abstecher großer Brummis nach Krusau vermieden werden.

Das Lkw-Aufkommen könnte zum Leidwesen der Ortsansässigen und anderer Verkehrsteilnehmer sonst ausufern.

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