Ren Dag

6.400 Zigarettenkippen und ein Trauerfall

6.400 Zigarettenkippen und ein Trauerfall

6.400 Zigarettenkippen und ein Trauerfall

Anke Haagensen/cvt
Apenrade/Aabenraa
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Starkes Stück: Geschätzt 6.400 Zigarettenstummel sammelten Jalte und das Team vom „Nordschleswiger“ in Apenrade. Foto: Karin Riggelsen

Leser und Mitarbeiter des „Nordschleswigers“ beteiligten sich an der landesweiten Müllsammelaktion „Ren Dag“. Etwaiger Ekel war nach wenigen Schritten verflogen, stattdessen wurde der Sportsgeist geweckt: Wer fischt den kuriosesten Müll aus der Natur? Dafür gab es mehrere Optionen.

Um es vorweg zu schicken: Die „Ren-Dag“-Aktion des „Nordschleswigers“ am Sonntag war wieder ein voller Erfolg – leider, müsste man womöglich hinzufügen. Gesammelt wurden binnen drei Stunden von den 15 Lesern und Mitarbeitern der Zeitung 25 Kilogramm gemischter Müll, 1,6 Kilogramm Zigarettenkippen, ein Mikrowellenofen, ein Paar Sportschuhe, ein Transistorradio, ein kompletter Autoreifen mit Felge und sogar ein Sofa.

Letzteres steht aber noch immer an seinem Fundort. Aufgrund des „Cocktails“ aus stacheligem Brombeergestrüpp, hohem Drahtzaun, steiler Böschung und einem kleinen Rinnsal musste das Bergungsprojekt gestoppt werden. Stattdessen wird die Fundstelle nun der Versorgungsgesellschaft Arwos gemeldet. Hoffentlich verfügt die Mannschaft des Wertstoffhofes über das notwendige Material und Gerät, um das Sitzmöbel zu bergen.

Von der Brille bis zum Sofa – die Menschen entledigen sich der merkwürdigsten Dinge in der Natur. Foto: Karin Riggelsen

Entsetzte Kinder

Wer der Versorgungsgesellschaft den kuriosesten Fund meldet, wird mit einem Kuchen belohnt. Das Sofa hätte dem Team Nordi sicherlich gute Chancen in diesem Wettbewerb gebracht, aber überhaupt waren die 15 Teilnehmer überrascht, was sie so aus den Büschen rund um das Apenrader Medienhaus fischen konnten.

Ziemlich entsetzt waren nicht nur die Kinder darüber, was Erwachsene in den Grünstreifen der Innenstadt entsorgen: Der Gipfel war sicherlich die Mikrowelle, die jemand direkt unter den Bäumen am Rådhusgang entsorgt hatte. Gleich daneben lagen das Transistorradio und der Autoreifen mit Felge sowie Unmengen von Einwegbechern.

Müll allenthalben im Gehölz. Foto: Karin Riggelsen

Ren Dag

Wer Lust bekommen hat, im kommenden Jahr mit dem „Nordschleswiger“ zu Frühstücken und anschließend auf Müllsuche zu gehen, ist herzlich willkommen. Wir werden ganz bestimmt wieder einen Aufruf starten.

Weniger Dosen, mehr Pappbecher

Erfreulich wenige Getränkedosen wurden gefunden. Dabei ist „wenige“ natürlich relativ. Im Vergleich zu den Vorjahren waren es aber viel weniger – deutlich unter 50. Dafür landeten in diesem Jahr auffällig viele To-go-Kaffeebecher in den durchsichtigen Mülltüten mit dem grünen Aufdruck.

Der dänische Naturschutzbund, der die landesweite Müllsammelaktion in Zusammenarbeit mit den kommunalen Versorgungsbetrieben durchführt, hatte die Teilnehmer der diesjährigen „Ren-Dag“-Aktion gebeten, gezielt Zigarettenkippen aufzusammeln.

Eigentlich hätten die Zigarettenstummel gezählt werden müssen. Das „Team Nordi“ war da schlauer. Die Mülltüten mit den Kippen wurden auf die Briefwaage des Nordschleswigers geworfen: 1.600 Gramm. Da 20 Kippen rund fünf Gramm wiegen, müssten wir um die 6.400 Zigarettenstummel gesammelt haben, wenn wir richtig gerechnet haben. Ein erschreckendes Ergebnis, wie wir finden.

Die Müllsäcke waren schnell gefüllt. Foto: Karin Riggelsen

„Wie Ostereiersammeln – nur ohne Eier“

Da Rauchen in den meisten Kneipen, Läden und Wohnungen mittlerweile verboten ist, waren windgeschützte Ecken – und davon gibt es einige rund um das Medienhaus – gute Fundstellen für Kippen. Das hatten auch die teilnehmenden Kinder schnell herausgefunden. Auch an den Ampeln und auf den Parkplätzen kamen die Nordi-Sammler kaum aus ihrer gebückten Sammelhaltung heraus.

„Das ist eigentlich wie Ostereiersammeln – nur ohne Eier“, stellte eines der Kids begeistert fest. Sie wollen im kommenden Jahr unbedingt wieder an der Müllsammelaktion des „Nordschleswigers“ teilnehmen. Die Teilnehmer trafen sich Sonntag um 10 Uhr zum Frühstück. Anschließend zogen die Teilnehmer in kleineren Grüppchen durch das Viertel, um sich dann – zweieinhalb Stunden später – hinter dem alten Rathaus zu sammeln, wo die Versorgungsgesellschaft Arwos einen Abholplatz eingerichtet hatte.

Eigentlich sollten dort nur die Tüten abgegeben werden, doch weil hier besonders viel Unrat herumflog, wurden die Arbeitshandschuhe noch einmal übergestreift und die mitgebrachten Greifer geschwungen.

Die Müllkarawane im Einsatz. Foto: Britta Tästensen

Lob von Passanten

Viel Lob gab es für die Nordi-Müllabfuhr von Passanten. „Toll, dass ihr das macht.“ – „Wenn ich jünger wäre, würde ich euch helfen.“ – „Beim nächsten Spaziergang nehmen wir eine Tüte mit“, waren einige der wohltuenden Kommentare. Die Mitarbeiterin der Spielhalle hinter dem Matas-Laden belohnte die teilnehmenden Kinder für ihren tollen Einsatz mit je einer Lakritzpfeife.

Eine traurige Episode überschattete allerdings die diesjährige „Ren-Dag“-Aktion des „Nordschleswigers“. Auf der Suche nach Müll auf dem Grünstreifen zwischen Ampel und Medienhaus an der Schiffbrücke störten die Müllsammler offensichtlich ein Wildkaninchen, das dort im Gebüsch Unterschlupf gefunden hatte. Verschreckt flüchtete es auf die Straße und wurde dort von einem Auto erfasst.

Das Tier wurde an den Hinterläufen verletzt, konnte sich nicht bewegen und ließ sich deshalb aufnehmen. Bis die Tierrettung von Falck vor Ort war, wurden dem Kaninchen beruhigende Streicheleinheiten gegeben. Unser aller Befürchtungen bewahrheiteten sich leider. Das Leben des kleinen Kaninchens konnte nicht mehr gerettet werden.


Voller Einsatz: Zigarettenstummel lauern überall. Foto: Britta Tästensen
 

Landesweite Rekordteilnahme

Wie Danmarks Naturfredningsforening (DN) am Montag mitteilte, haben sich in der vergangenen Woche in ganz Dänemark mehr als 200.000 Kinder und Erwachsene an der Aktion „Ren Dag“ beteiligt. Insgesamt habe es rund 1.200 lokal organisierte Sammelaktionen gegeben – mit dem Höhepunkt am Sonntag, nachdem in den Tagen zuvor schon Schulen und andere Einrichtungen unterwegs gewesen waren.

„Wir sehen die klare Tendenz, dass die Dänen sich mehr und mehr um die Natur und die Umwelt sorgen, und das hat im Laufe der Woche absolut seinen Ausdruck gefunden“, sagt Maria Reumert Gjerding, Präsidentin des Naturschutzverbandes.

Seit 2006 gibt es die Aktion. Das diesjährige Ergebnis noch nicht einberechnet (es liegt noch nicht vor) sind seither laut DN 1,5 Millionen Getränkedosen in der Natur gefunden worden.

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