Nachruf

Ehrhardt Wittmann in Memoriam

Ehrhardt Wittmann in Memoriam

Ehrhardt Wittmann in Memoriam

Hans Christian Bock
Apenrade/Aabenraa
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Erhardt Wittmann
Ehrhardt Wittmann Foto: DN-Archiv

Hans Christian Bock erinnert an den langjährigen Chef des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig, der kürzlich verstorben ist.

Im hohen Alter von 94 Jahren ist Ehrhardt Wittmann verstorben. Geboren wurde er am 3. April 1925 in Tondern. Kurze Zeit danach ist die Familie aber nach Apenrade übergesiedelt, wo sie seitdem ansässig gewesen ist. Er hatte seinen Schulgang in Apenrade, unter anderem am früheren deutschen Gymnasium.

Es war wohl in diesem Gymnasium, dass er – wie viele Andere in der Zeit - vom nationalsozialistischen Gedankengut „infiziert“ wurde. So hat er es mir erzählt. Er legte sehr großen Wert darauf, dass er sich ganz früh nach dem Notabitur freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hat.

Sein Einsatz war bei der Marine, und er hat da – ohne viel darüber zu sprechen – schlimme Sachen erlebt. Er hat dort aber auch Freundschaften geknüpft, die bis zu seinem Lebensende hielten. Bei Kriegsende kam er in englische Gefangenschaft. Das war nicht besonders angenehm. Aber er hat immer wieder hervorgehoben, dass sein Bruder, der in amerikanischer Gefangenschaft landete, es da viel schlimmer gehabt hätte.

Es folgte nach der Gefangenschaft die Hungerzeit in Deutschland. Er arbeitete als Waldarbeiter im Windebyer Forst bei Eckernförde und später in der praktischen Landwirtschaft auf dem Hof Holand bei Kiel.

Das Abitur musste nachgeholt werden, und er absolvierte das Landwirtschaftsstudium an der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel, das er mit dem erworbenen Titel „Diplomlandwirt“ beendete. Einige Jahre arbeitete er beim Landwirtschaftlichen Buchführungsverband in Kiel, bis er beim Einführen der Buchführungspflicht bei den landwirtschaftlichen Betrieben in Dänemark vom damaligen Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Peter Rasmussen nach Nordschleswig geholt wurde.

Er hat damals einfach mit der Arbeit beim Landwirtschaftlichen Hauptverein angefangen. Das Problem war aber, dass er zu dem Zeitpunkt als deutscher Staatsbürger weder eine Arbeits- noch eine Aufenthaltsgenehmigung in Dänemark hatte. Die Polizei war eingeschaltet. Aber auf politischem Wege (auf Regierungsebene sowohl in Deutschland als auch in Dänemark) kam es in Ordnung. Dieses Obenstehende hat Wittmann mir erzählt.

Von 1975 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1987 haben wir in Apenrade in der Westerstrasse 30 und auf der Schiffbrücke 6 zusammengearbeitet. Er war der Chef, aber auch der Kollege. Unsere Schreibtische standen etwa zwei Meter voneinander.

Es war nicht immer leicht mit ihm zu arbeiten. Aber im Rückspiegel gesehen, war die Zeit ungeheuer fruchtbar. Sein Arbeitstag war lang, er arbeitete schnell und ungeheuer sicher. Sein Kalender war manchmal bis zum Bersten voll.

Seine Sekretärin war Frieda Berg. Sie führte seinen Kalender, sie ordnete seine Telefongespräche und seine Korrespondenz. Er diktierte Frau Berg seine Briefe. Sie war der deutschen und der dänischen Sprache mächtig, während Wittmann auf dem Gebiet der dänischen Sprache eher mäßig war.

Es geschah deshalb auch, dass Frau Berg seinem Diktieren widersprach. Dann konnte es heftig werden, und die Funken konnten fliegen. Dieses alles geschah morgens zwischen 8:00 und 9:00 Uhr. Um 9:00 Uhr fuhr er über Land zu den Bauern. Er musste allerdings seinen Tag genau einteilen, denn gegen Abend waren typischerweise Vorstandssitzungen in der Bank, im LHN, in der Schule oder bei Stadtratssitzungen angesagt.

In den Jahren von 1975 bis 1987 war EDV und das Digitalisieren im Werden. Das lehnte Wittmann vollständig ab. Er konnte im Kopf große Kolonnen zusammenrechnen. Deshalb war er deswegen gefürchtet, nicht zuletzt bei Budgetverhandlungen im Stadtrat.

Die damalige Bürgemeisterin Camma Larsen Ledet hatte bei den Haushaltsverhandlungen immer Wittmann im Auge. Sie war selbst eine sichere Politikerin, die auf Genauigkeit achtete. Sofort, wenn er sich zu Worte meldete, rötete sich schon ihr Gesicht. Wenn er dann zum zweiten Mal auf einen Rechenfehler aufmerksam machte, rötete sich ihr Gesicht noch mehr bis es vor Ärger ins Violette überging.

Wenn Wittmann seine Landwirte besuchte, hatte er eine riesengroße Rechenmaschine dabei, die höchstens addieren und subtrahieren konnte. Am 1. Juli 1967 wurde aber die Mehrwertsteuer mit 10 Prozent eingeführt, die dann schnell auf 12,5 Prozent erhöht wurde. Da hat er sich einen kleinen Taschenrechner, der sowohl dividieren als auch multiplizieren konnte, angeschafft.

Im Jahre 1987 ging es nicht mehr ohne EDV. Die Buchführung wurde komplizierter. Gleichzeitig wurde seine langjährige Sekretärin pensioniert. Dann wollte er nicht mehr, und er verließ für immer den LHN.

Der Montagabend war für ihn stets heilig. Da sang er in der Nordschleswigschen Musikvereinigung, und er konnte singen. Er konnte mit einer glasklaren Stimme einen ganzen Kirchenraum füllen.

Auch wenn er es eilig hatte, konnte man ihn sonntags beim Gottesdienst in der Kirche treffen, und es war ein Genuss in seiner Nähe zu sitzen, um beim Singen der Lieder seine wunderbare Stimme zu hören.

Es war nicht von ungefähr, dass man ihn beim Gottesdienst in der Kirche vorfand: Er war in seinem christlichen Glauben tief verankert.

In diesem Sinne dürfen wir ihm bei der Trauerfeier am kommenden Sonnabend das letzte Geleit geben.

Sein Name und sein Andenken seien in Ehren gehalten!

H.C.Bock, Apenrade

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