Dem Kunsthandel sei Dank

Virtuose Glanzleistung erhielt stehenden Applaus

Virtuose Glanzleistung erhielt stehenden Applaus

Virtuose Glanzleistung erhielt stehenden Applaus

Apenrade/Aabenraa
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"Un homme et une femme" gastierte in Apenrade. Foto: Privat

Der Freundeskreis des Kunsthandels „Makrelsalat“ arrangierte Konzert mit der musikalischen Familie Séférian. In der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig erklang für jeden Geschmack etwas.

„Un homme et une femme“ hieß das Programm nach dem gleichnamigen Film von Claude Lelouch aus dem Jahr 1967 das die Familie Séférian (Mutter Christiane am Blüthner-Flügel, Vater Jean-Claude und Tochter Marie im Duett singend) am Freitagabend in der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig zu Gehör brachte.

Polnareff, Cosma und immer wieder der große Legrand

Französische Filmmusik von den 50er Jahren bis heute wurde geboten, darunter Hits von Francis Lai, Michel Polnareff, Joseph Cosma und immer wieder vom großen Zeitgenossen Michel Legrand, der Ende Januar mit 86 Jahren verstorben ist.

Los legten sie mit „Sous le ciel de Paris“, einem wunderbar runden Piaf-Walzer, den Jean-Claude in seiner eigenen Version schmetterte. Aus dem Film „Les choses de la vie“ mit Romy Schneider und Michel Piccoli sangen Vater und Tochter das Duett „La Chanson d’Hélène“ — und Jean-Claude wurde zu Michel Piccoli. Aus Francois Ozons „8 femmes“ (8 Frauen) spielen Mutter und Tochter den Tango „Toi jamais“, im Film gesungen von Catherine Deneuve.

Aus Michel Piccoli wird Charles Trenet

Es handele sich in diesem Programm ausnahmslos um Filmmusik, erklärte Jean-Claude. „Ich versuche, in jedem meiner Programme Charles Trenets ,La Mer’ unterzubringen. Und tatsächlich ist es ein Stück Filmmusik: In einer ,Derrick’-Folge spielte der große Curd Jürgens den Mörder. Und kurz bevor er zur Tat schreitet, legt er eine Schallplatte auf. Es erklingt: La Mer.“ Eine hanebüchene Herleitung, die man dem Franzosen aber gleich wieder verzieh.

"Windmills of our mind" in Jazzversion

Marie, die sich bereits als Jazzsängerin einen eigenen Namen gemacht hat, trat auch solistisch auf. Mit ihrer Loopstation, einem digitalen Instrument, das zweimal zum Einsatz kam. Die Loopstation ist ein „Instrument“, in das die Künstlerin Töne und Rhythmen einspeist (geschnipst, geschnalzt, gesungen), die anschließend abgespielt werden können. Sie kann so allein mehrstimmig singen. So „loopte“ sie etwa den Welterfolg „Windmills of your mind“ von Michel Legrand (aus „The Thomas Crown affair“), der dadurch zu einer Freejazz-Version wurde. Zweifellos eine Glanzleistung, aber Geschmackssache. Und noch am ehesten für den intellektuellen Musikliebhaber ein Hochgenuss.

"Love Story" wurde in Heidentempo erzählt

Nach der Pause kommt Christiane für eine Solonummer an den Flügel. Aus dem Welterfolg „Love story“ gibt sie die herzzerreißende Ballade „Where do I begin“ von Francis Lai. Was sie da allerdings überaus virtuos zum Besten gibt, das geht in rasantem Tempo am Zuhörer vorbei.

Love me, please, love me!

Gegen Ende dann eines der energetischen Highlights des Abends: Jean-Claude setzt sich an den Flügel. Er kämpft kurz mit dem Mikrofon. Und dann geht es los, er haut in die Tasten und singt mit der Tochter im Duett Michel Polnareffs „Love me, please, love me“ aus Bernardo Bertoluccis Film „The dreamers“ aus dem Jahr 2003.

Dem Apenrader Verein Makrelsalat sei Dank, dass ein so gelungener Abend in der Aula des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig zustande gekommen ist. Der Freundeskreis des Apenrader Kunsthandels war es nämlich, der die frankophilen Geister der Gegend versammeln konnte. Jene dankten den Künstlern mit stehenden Ovationen. Die Künstler bedankten sich im Gegenzug mit zwei Zugaben.

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