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Neue Lehrervereinbarung nach sieben Jahren Konflikt

Neue Lehrervereinbarung nach sieben Jahren Konflikt

Neue Lehrervereinbarung nach sieben Jahren Konflikt

Ritzau/nb
Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Die Branchenorganisation der Kommunen in Dänemark, Kommunernes Landsforening (KL), und der dänische Lehrerverband, Lærernes Centralorganisation, einigten sich in der vergangenen Woche auf eine neue Arbeitszeitvereinbarung. Foto: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix

Künftig soll die Arbeitszeit für Lehrkräfte wieder direkt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geregelt werden. Die Lehrer sind zufrieden, fand ihre Forderung nach mehr Transparenz in der Berücksichtigung der Verteilung ihrer Arbeitsstunden für unterschiedliche Aufgaben Gehör.

Nach einem sieben Jahre andauernden Konflikt zwischen Lehrern und Arbeitgebern ist es den Konfliktparteien in der vergangenen Woche gelungen, sich auf eine neue Arbeitszeitvereinbarung für die Lehrer der Volksschule („Folkeskole“) zu einigen. Damit wird die Arbeitszeit der Lehrkräfte wieder direkt zwischen den Arbeitsmarktparteien geregelt statt per Gesetz, wie es seit 2013 der Fall war.

Die neue Vereinbarung ist das Resultat monatelanger Verhandlungen zwischen der Branchenorganisation der Kommunen in Dänemark, Kommunernes Landsforening (KL), und dem dänischen Lehrerverband, Lærernes Centralorganisation.

Im Zuge der Reform der Volksschule im Jahr 2013 hatten politische Unstimmigkeiten dazu geführt, dass die Arbeitszeit der Lehrer seitdem per Gesetz geregelt wurde. Dies hatte zu großer Unzufriedenheit vor allem auf Seiten der Lehrer geführt.

Künftig sollen die Lehrkräfte gemeinsam mit der Schulleitung eine Übersicht über ihre Arbeitsaufgaben ausarbeiten, aus der hervorgeht, wie viel Zeit die jeweiligen Aufgaben in Anspruch nehmen. Mit der Unterscheidung zwischen Vorbereitungs- und Unterrichtszeit wird eine der zentralen Forderungen vonseiten der Lehrer erfüllt. Sofern die Vorbereitungszeit nicht ausreicht, sollen sich die Lehrer an ihre Schulleitung wenden können.

DSSV unabhängig von erzielter Vereinbarung

Für den Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) hat die erzielte Vereinbarung keine unmittelbare Auswirkung. Anke Tästensen vom DSSV erläutert gegenüber dem „Nordschleswiger“, dass der DSSV nicht mit KL in Verbindung steht. Stattdessen laufen die Vereinbarungen für die deutschen Schulen unter den Privatschulen („friskoler“).

„Der DSSV hat gerade ein neues Dienstzeitmodell erarbeitet. Darin ist genau festgelegt, wie viele Stunden jeder Lehrer unterrichtet und wie viel Zeit auf die Vorbereitung des Unterrichts entfällt“, sagt Tästensen. Jeder Lehrer bekomme einen individuellen Dienstplan.

Dabei ist die Aufgabenverteilung jetzt noch transparenter geworden, sodass jetzt besser ersichtlich ist, wie viele Stunden neben dem Unterricht jeweils für Konferenzen, Klassenfahrten, Exkursionen und andere Aufgaben aufgewendet werden. Dadurch soll es nun noch besser möglich sein, differenzierte Vergleiche zwischen den Lehrkräften anzustellen, um eine faire Lastenverteilung sicherzustellen.

Wir werden natürlich die neue Vereinbarung besprechen und evaluieren, ob und ggf. welche Auswirkungen sie auf unserer Arbeit haben könnte.

Anke Tästensen, Deutscher Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV)

Verantwortlich dafür ist eine Arbeitsgruppe beim DSSV, die sich mit den dienstzeitlichen Anforderungen auseinandersetzt. Sie sendet einen übergeordneten Plan als Vorgabe an alle Schulen. Dort erstellt dann die Schulleitung in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kollegen einen Dienstplan.

Inwieweit die neue Vereinbarung zwischen KL und dem dänischen Lehrerverband auch für den DSSV relevant wird, hänge davon ab, wie man sich innerhalb der privaten und freien Schulverbände einigen würde, so Tästensen.

„Wir, der DSSV, gehören dem Netzwerk der fünf privaten und freien Schulverbände in Dänemark an. Gemeinsam werden wir natürlich die neue Vereinbarung besprechen und evaluieren, ob und ggf. welche Auswirkungen sie auf unserer Arbeit haben könnte. Wir stehen in ständigem Dialog mit einander“, verdeutlicht Anke Tästensen.

Derzeit gebe es allerdings keinen festgelegten Zeitrahmen, innerhalb dessen Gespräche mit dem Ministerium oder innerhalb des Netzwerkes zur neuen Arbeitszeitvereinbarung aufgenommen werden.

Zufriedenheit bei KL und Lehrergewerkschaft

Demgegenüber soll die neue Arbeitszeitvereinbarung für die Lehrer der Volksschule zum 1. August nächsten Jahres in Kraft treten. Die Chancen dafür scheinen gut zu stehen.

Sowohl der Vorsitzende der dänischen Lehrergewerkschaft, Danmarks Lærerforening, Anders Bondo Christensen, als auch der KL-Vorsitzende und Bürgermeister von Aarhus, Jacob Bundsgaard (Soz.), sind mit dem jetzt vorliegenden Verhandlungsergebnis zufrieden und sehen eine neue Epoche für die Volksschule anbrechen. Und auch Kinder- und Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.) hebt hervor, dass das Grundprinzip im dänischen Modell eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei und nicht, die Arbeitszeit gesetzlich zu regeln.

Die neue Vereinbarung wird an den bereits bestehenden 84 lokalen Absprachen, die im Laufe der Jahre zwischen den Kommunen und den lokalen Lehrerkreisen eingegangen worden sind, nichts ändern, da diese Möglichkeit auch in der neuen Vereinbarung vorgesehen ist.

Die ausgehandelte Vereinbarung soll nun den Lehrern zur Urabstimmung vorgelegt werden, zudem muss sie vom KL-Vorstand abgesegnet werden, ehe sie im nächsten Jahr in Kraft treten kann.

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