Geschichte

Idstedt-Gedenken: Zwischentöne verschwanden 1848

Idstedt-Gedenken: Zwischentöne verschwanden 1848

Idstedt-Gedenken: Zwischentöne verschwanden 1848

Flensburg/Idstedt/Isted
Zuletzt aktualisiert um:
Vertreter des dänischen Militärs und der Beauftragte der dänischen Armee für die Pflege der dänischen Kriegsgräber im Raum Flensburg legten Sonntag Kränze an der Gräbern von Gefallenen des Krieges 1848 bis 1850 nieder. Foto: Flensborg Avis

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Auf dem Alten Friedhof in Flensburg wurde am Jahrestag der blutigen Schlacht von Idstedt vor 171 Jahren gedacht, bei der fast 1.500 Soldaten der dänischen Armee und der schleswig-holsteinischen Streitmacht starben.

Auf dem Alten Friedhof in Flensburg, an der Gedächtnishalle in Idstedt sowie mit Kranzniederlegungen in Schuby und Gammellund ist am Sonntag der Schlacht von Idstedt am 25. Juli 1850 gedacht worden. Vor 171 Jahren waren gegen Ende des 1848 begonnenen Ersten Schleswigschen Krieges, in dem Dänemark die aufständischen Schleswig-Holsteiner besiegt und deren Traum von einem unabhängigen Staat zerplatzen ließ, bei Idstedt 27.000 Soldaten der Schleswig-Holsteiner auf eine 40.000 Mann starke dänische Streitmacht gestoßen. Fast 1.500 Soldaten starben, 5.000 wurden verwundet. Anschließend verblieben die Herzogtümer Schleswig und Holstein bis zum Zweiten Schleswigschen Krieg 1864 mit der Niederlage Dänemarks gegen Preußen und Österreich Teil des dänischen Gesamtstaates.

Kulturredakteur hielt Ansprache

Bei der Gedenkfeier in Flensburg an Gräbern von Kriegsgefallenen der Schlacht bei Idstedt und in Nachbarschaft zum „Idstedt-Löwen“, den Dänemark 1862 dort platzierte, hielt der Kulturredakteur der Zeitung „Flensborg Avis“, Hans Christian Davidsen, eine Ansprache. Zuvor hatten Vertreter des dänischen Militärs Kränze niedergelegt. Davidsen sagte, dass im Hinblick auf die deutsch-dänische Geschichte im heutigen Grenzland die Historiker sich meist für die Konflikte interessiert hätten und die langen friedlichen Zeiten in Schleswig außer Acht ließen. Vor dem Krieg 1848 bis 1850 habe es ein friedliches Zusammenleben in Schleswig gegeben. „Die meisten sprachen sowieso deutsch, es war damals Hauptsprache, ja selbst in der Hauptstadt des dänischen Reiches, in Kopenhagen, sprach ein Drittel der Einwohner deutsch“, zitiert „Flensborg Avis“ Davidsen.

Der König lehnte Nationalisten ab

Der dänische König Christian VIII. habe dänisch-schleswigsche Nationalisten wie Peter Hiort-Lorenzen 1842 noch als Demagogen und Aufrührer abgelehnt und einen friedlichen Status quo im Gesamtstaat gewünscht. Der Ausbruch des Nationalismus habe es seinerzeit unmöglich gemacht, zugleich Däne und Schleswiger zu sein.

Rückkehr des Idstedt-Löwen gewürdigt

Davidsen würdigte die Rückkehr des bei den unterlegenen Schleswig-Holsteinern verhassten Idstedt-Löwen nach Deportation nach Berlin 1864 und Zwischenstation in Kopenhagen nach 1945 in die Grenzlandmetropole Flensburg im Jahre 2009 als eine Entscheidung, die „einen Strich unter das Nationale“ gesetzt habe. Nun gebe es in der Grenzregion eine Koexistenz ohne Schwarz-Weiß-Malerei.

Kreispräsident sprach in Idstedt

In Idstedt sprach der Kreispräsident des Kreises Schleswig-Flensburg, Ulrich Brüggemeier (CDU).

Die Schlacht von Idstedt spielte nach 1850 lange eine Rolle im nationalistischen Streit in Schleswig. Der abgebildete Obelisk erinnert an eine Ehrung „ihrer“ Toten durch schleswig-holsteinische „Kampfgenossen". Foto: Volker Heesch

Er nannte die Ereignisse vor 171 Jahren als einen Beleg dafür, dass „Kriege nicht geeignet sind, Probleme zwischen den Völkern zu lösen“. Laut „Schleswiger Nachrichten“ fügte Brüggemeier hinzu, dass die Gedenkfeier am einstigen Schlachtfeld Erinnerung und Mahnung für die heute in Frieden und Freundschaft im Grenzland lebenden Menschen sei. Drei Schülerinnen aus Böklund und Umgebung überraschten den Kreispräsidenten mit einem Fotobuch mit kleinen Texten, in dem sie sich mit der Gedenkstätte befasst haben.

Mehr lesen

Leitartikel

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
„Mission ,neuer Hermann’“