Thema der Woche: Prüfungszeit in Nordschleswig

Wenn das Examen Angst auslöst

Wenn das Examen Angst auslöst

Wenn das Examen Angst auslöst

Nordschleswig
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Prüfungen sind für einen Teil der Jugendlichen mit Angst verbunden. Foto: Mads Jensen / Ritzau Scanpix

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Ein Anteil der Jugendlichen nimmt Medikamente, um die Symptome von Prüfungsangst zu dämpfen. Doch es gibt Alternativen. Das DGN bietet Kurse an.

Viele werden die Situation wiedererkennen: Ich warte vor der Tür, bevor ich zur mündlichen Prüfung muss. Es ist etwas mulmig im Magen, das Herz schlägt vielleicht ein wenig schneller. Diese Form von Nervosität ist völlig normal.

Doch bei einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern löst ein Examen Schweißausbrüche, rasendes Herzklopfen, Magenbeschwerden und Schlaflosigkeit aus. Sie haben Angst vor der Prüfung und befinden sich in einem regulären Stresszustand. Vielleicht büffeln sie in den Leseferien Tag und Nacht, essen kaum.

Negative Gedanken

Negative Gedanken haben die Oberhand: Ich kann mich sicher nicht an den Stoff erinnern, die Klappe geht sicher runter, ich werden meine Eltern enttäuschen.

Genau hier ist einer der Punkte, an denen man ansetzen kann, wenn man die Angst dämpfen möchte.

„Es geht darum zunächst die negativen Gedanken zu identifizieren, um dann zu versuchen, sie durch andere Gedanken zu ersetzen“, sagt Ulrike Sønderbek, Studienberaterin beim Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN).

Sie hat auf dem Gebiet eine Fortbildung gemacht. Dieses Jahr hat das DGN zum zweiten Mal einen Kurs zum Umgang mit der Angst angeboten. Im vergangenen Jahr geschah dies in Zusammenarbeit mit dem Sozialdienst.

Hohe Ansprüche

Der Kurs besteht aus drei Elementen, einem kognitiven Teil, bei dem die Jugendlichen mit ihren Gedanken und dem Verhalten arbeiten, Entspannungsübungen sowie Gruppenhypnose, die den Weg zu den Gefühlen frei machen soll.

Der Ansatz ist, dass es nicht eine richtige Methode gibt. Was bei der Einen funktioniert, ist bei dem Anderen vielleicht weniger wirkungsvoll.

Die Kinesiologin Karin Petersen hat ungefähr zehn Jahre lang Schülerinnen und Schülern am DGN mit Prüfungsangst Hilfe angeboten. Unmittelbar vor einer mündlichen Prüfung, hat sie Atem-, Entspannungs-, Visualisierungs- und Konzentrationsübungen mit ihnen gemacht.

„Es sind meistens Schülerinnen und Schülern die ihren Stoff können, jedoch sehr hohe Ansprüche an sich stellen. Sie haben Angst davor am Tag der Prüfung nicht gut genug zu sein“, erzählt Petersen aus ihrer Erfahrung. Zum Teil gehe es auch darum, dass sie eine bestimmte Zensur brauchen, um den gewünschten Studienplatz zu bekommen.

Medikamente gegen die Symptome

Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Jugendliche an schädlicher Prüfungsangst leiden. Experten schätzen jedoch, dass 15 bis 20 Prozent der Studierenden sich mit dem Problem herumschlagen.

Am DGN haben jährlich vier bis zehn Schüler zunächst das Angebot von Karin Petersen und seither die Kurse wahrgenommen.

„Ich kann nicht genau sagen, ob es eine Tendenz gibt, aber mein Eindruck ist, dass das Problem über die Jahre zumindest nicht kleiner geworden ist“, meint Petersen.

Bei einem Teil der Schülerinnen und Schüler in Dänemark nimmt die Angst ein solches Ausmaß an, dass sie zum Medikament Betablocker greifen, dass Symptome wie Herzklopfen dämpft. Die Angst an sich dämpft es nicht.

Die Gesundheitsdatenbehörden (Sundhedsdatastyrelsen) stellt jeweils im Mai und Juni einen Anstieg beim Verbrauch dieser Medikamente unter 15- bis 24-Jährigen fest.

„Ich denke, es ist ein bedenklicher Weg. Das Medikament mag im Einzelfall durchaus helfen, die Symptome der Angst zu bekämpfen. Es ist jedoch keine Dauerlösung, weil es nicht die Ursachen behebt“, meint Studienberaterin Sønderbek.

Betablocker

  • Betablocker werden unter anderem bei Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck eingesetzt.
  • Sie senken den Herzrhythmus und die Stärke des Herzschlags indem sie die Wirkungen der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Auch die Wirkung von Adrenalin auf andere Organe wird gehemmt.
  • Betablocker wirken nicht auf Angstzustände, aber auf Symptome von Angst wie Herzklopfen.

Es gebe daher keine Haurucklösung für das Problem, sondern es sei ein Prozess, zu lernen, mit der Angst umzugehen. Eine Erfahrung, die auch Petersen bestätigt.

„Es geht vielleicht bei einer Prüfung ein wenig besser, beim nächsten Mal wieder ein wenig besser und das gibt allmählich mehr Selbstbewusstsein“, erzählt sie.

Sowohl Petersen als auch Sønderbek meinen, dass es ein Vorteil sei, dass heute offener mit dem Problem umgegangen wird, denn dadurch würde Hilfe überhaupt erst möglich.

„Man soll jedoch zwischen schädlicher Angst und natürlicher Nervosität unterscheiden. Es macht nichts, dass man aufgeregt ist, denn das schärft die Sinne“, meint Petersen.

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