Infrastruktur

Hærvejsmotorvej: Hadersleben will es nicht abwarten

Hærvejsmotorvej: Hadersleben will es nicht abwarten

Hærvejsmotorvej: Hadersleben will es nicht abwarten

Hadersleben/Haderslev
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Ole Bang Jensen (links), hier zu sehen mit seinen früheren Stadtratskollegen Benny Bonde und Søren Rishøj Jakobsen, drängt auf eine rasche Entscheidung. Foto: Ute Levisen

Ein mittjütischer Autobahnkorridor, ein Hærvejsmotorvej mit Anschluss bei Christiansfeld, ist erst einmal aufs Abstellgleis verwiesen worden. Politiker und Interessenorganisation reagieren mit Unverständnis darauf, dass das Projekt keine politische Priorität genießt. Hadersleben geht daher eigene Wege.

Dänemarks Verkehrsminister Benny Engelbrecht (Sozialdemokratie) hat – erneut – deutlich zu verstehen gegeben, dass kostspielige Infrastrukturprojekte wie der Ausbau des Autobahnnetzes durch Mittjütland, auch Hærvejsmotorvej genannt, nicht seine politische Priorität genießen.

In den Industriegebieten wie hier in Hammeleff (Hammelev) gibt es laut Bürgermeister noch Erschließungspotenzial, sollte die Entscheidung über einen Anschluss bei Hadersleben nicht zeitnah fallen. Foto: Ute Levisen

Uneinigkeit über volkswirtschaftlichen Nutzen

Auch rentiere sich seiner Meinung – wenn überhaupt – lediglich eine von insgesamt sechs Linienführungen, die im Gespräch sind: östlich von Billund mit einem Anschluss bei Hadersleben/Christiansfeld.

Zugleich signalisierte der Minister, dass er bereit sei, alle sechs Modelle zu verwerfen, sofern es dafür eine parlamentarische Mehrheit gibt. Alternativ ist ein Ausbau der Autobahn E45 in der Dreiecksregion ein zentrales Thema der Infrastrukturdebatte.

Kopfschütteln in Hadersleben

In der Kommune Hadersleben, wo Politik und Wirtschaft seit Jahren für einen Autobahnanschluss zwischen Hadersleben und Christiansfeld arbeiten, könnte die Enttäuschung über diese jüngste, klare Ansage vonseiten der Regierung kaum größer sein: „Man macht doch keine Umweltverträglichkeitsuntersuchung für 60 Millionen Kronen und legt das Vorhaben anschließend zu den Akten“, so Haderslebens Bürgermeister H. P. Geil (Venstre).

In der Kommune Hadersleben sind zahlreiche Fuhrunternehmen ansässig. „Ihre Lkw verbringen in der Trekant-Region viel Zeit im Stau – täglich“, wie Bang Jensen, selbst Fuhrunternehmer, betont. Foto: Ute Levisen

Verhandlungsauftakt im Februar

Er rechnet damit, dass die politischen Verhandlungen über Dänemarks Infrastrukturpläne für die kommende Dekade Mitte Februar beginnen. Geil mag indes nicht länger darauf bauen, dass aus dem lang ersehnten Anschluss bei Hadersleben kurzfristig doch noch etwas wird.

„Wir werden uns daher Gedanken über die Erschließung neuer Gewerbegrundstücke in unmittelbarer Autobahnnähe machen müssen.“ Dort gibt es ihm zufolge noch Potenzial.

Die Brücke über die Förde bei Vejle ist ein Engpass, mit dem der Berufs- und Güterverkehr zu kämpfen hat. Foto: Hærvejskomiteen

Enttäuschung bei Interessenorganisation

Groß ist die Enttäuschung auch bei dem Haderslebener Fuhrunternehmer Ole Bang Jensen. Der frühere Kommunalratsabgeordnete für Venstre ist Mitglied der Arbeitsgruppe der Interessenorganisation „Hærvejskomitéen“.

Wirtschaft wünscht den Anschluss

Er verweist auf die Unterstützung großer Lebensmittelkonzerne und Interessenorganisationen wie „Landbrug & Fødevarer“, Danfoss und dem Bestseller-Konzern, der in der Kommune Hadersleben eines der größten Logistikzentren Europas betreibt.

Auch das Familienunternehmen, die Brauerei und Mälzerei Fuglsang, hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für einen Anschluss bei Hadersleben starkgemacht.

10 bis 15 Jahre sind Infrastrukturprojekte auf dem Weg. Manchmal etwas länger. Am 1. Januar erfolgte der erste Spatenstich für den Fehmarnbelttunnel auf dänischer Seite – mit fünf Jahren Verspätung. Der Absenktunnel wird die Großräume Kopenhagen und Hamburg miteinander verbinden. Foto: Ute Levisen

Bang verweist auf eigene Berechnungen seiner Organisation, wonach eine Linienführung Ost Hadersleben-Hobro sich mit einer Rendite von 5,4 Prozent rentieren würde. Die Gewinnschwelle liegt bei ca. 3,7 Prozent.

Drängen auf baldige Entscheidung

Laut Bang ist eine langfristige Lösung vonnöten, um Abhilfe für die Engpässe vor allem in der Trekant-Region zu schaffen. Auch er drängt auf eine baldige Entscheidung – nicht zuletzt, um potenziell betroffenen Hauseigentümern Gewissheit zu geben: „Vor allem in Christiansfeld ist die Verunsicherung unter Hauseigentümern groß. Viele rufen mich an. Sie fragen sich, ob in wenigen Jahren bei ihnen eine Autobahn durchs Haus geht.“

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