Deutsche Minderheit

Neuntklässler mit einem herzlichen Tschüss verabschiedet

Neuntklässler mit einem herzlichen Tschüss verabschiedet

Neuntklässler mit einem herzlichen Tschüss verabschiedet

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Schulleiterin Heike Henn-Winkels verabschiedete die 15 Schüler und Schülerinnen der neunten Klasse. Bei ihrer Rede „zauberte“ sie symbolträchtige Utensilien aus dem mitgebrachten Koffer. Foto: Karin Riggelsen

Ein Koffer mit symbolträchtigen Gepäckstücken, ein unsichtbares Buch mit leeren Seiten und lässige Fuß-Klatscher waren Eckpunkte des Programms der Entlassungsfeier. „Ein toller und sehr, sehr freundlicher Mensch“ erhielt das Boy Erichsen und Ruth Vogelgesang Legat.

Die mit Sommerblumen geschmückte Turnhalle der Deutschen Schule Hadersleben (DSH) ist am Dienstag Treffpunkt der Abgangsschüler und ihrer Angehörigen gewesen. Der rote Teppich war an dem neuen Eingang zur Halle ausgerollt, als die 15 Neuntklässler mit ihrer Klassenlehrerin Ingrid Kiersch einzogen.

Die Abgangsschüler saßen in vorderster Reihe bei der Abschlussfeier. Foto: Karin Riggelsen

Reden und Musik auch in Zeiten von Corona

In Zeiten von Corona wurde die Feier in einem etwas kleineren Rahmen und mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt. Dies tat der guten Stimmung aller Beteiligten keinen Abbruch. Schulleiterin Heike Henn-Winkels, Klassenlehrerin Ingrid Kiersch und Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender des Schulvorstandes, richteten herzliche Worte an die jungen Leute. Die musikalische Untermalung zelebrierten der Schulchor unter Leitung von Marianne Bork-Larsen Jegsen und Siebtklässlerin Antonia Fuglsang. Die Violinistin spielte Werke von Beethoven und Paganini. Ihr Vater Henning Fuglsang begleitete sie am Klavier.

Die Schulleiterin eröffnete den Reigen der Ansprachen. Heike Henn-Winkels erinnerte sich an ihre erste Begegnung mit den Schülern im August 2018. Als sie nach der ersten Doppelstunde mit den damaligen Siebtklässlern nach Hause kam, habe sich ihr Mann nach dem Verlauf des Unterrichts erkundigt. „Die sind richtig gut, und sehr nett, das wird Spaß machen mit denen“, habe sie damals geantwortet. „Und so kam es auch“, stellte die Schulleiterin am Dienstag fest.

„Passt gut auf unseren Planeten auf", bat Schulleiterin Heike Henn-Winkels. Foto: Karin Riggelsen

Ein Koffer mit symbolträchtigen Utensilien

Auf der Einladung für die Abschlussfeier steht der Spruch ,Jede große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt‘. Diesen Schritt geht ihr heute“, erinnerte die Schulleiterin die Jugendlichen daran, dass die Jahre an der DSH die erste und bedeutsame Etappe in ihrem Leben darstellten.

Ihr mitgebrachter Koffer war mit sieben symbolträchtigen Utensilien gefüllt. Alles Dinge, die die Jugendlichen ihrer Ansicht nach in ihrem Reisegepäck unterbringen sollten. Im Koffer lagen unter anderem eine Uhr, eine Straßenkarte, eine Blume und ein Herz. Während die Uhr symbolisch darauf hinwies, „dass wir keine Zeit vergeuden sollten“, riet Henn-Winkels auch, nicht von dem auf der Karte eingegebenen Weg abzukommen.

„Die Blume ist ganz wichtig. Ihr gehört zu einer Generation, die noch die Chance hat, unseren Planeten wieder irgendwie hinzukriegen. Passt gut darauf auf und kämpft dafür mit friedlichen Mitteln und mit Worten“, sagte die Schulleiterin.

Zwei Herzen

Das Herz symbolisierte die deutsche Minderheit: „Der Landesteil, in dem ihr aufgewachsen seid, ist etwas Besonderes. Ihr beherrscht zwei Sprachen und in vielen von euch schlagen auch zwei Herzen“, sagte die Schulleiterin.

Bei der Zeugnisausgabe freute sich Henn-Winkels auch darüber, dass die Abgangsschüler „einen sehr guten Notendurchschnitt“ erzielten konnten.

Klassenlehrerin Ingrid Kiersch Foto: Karin Riggelsen

Ein Kapitel des Buches ist beendet

Klassenlehrerin Ingrid Kiersch begleitete die Neuntklässler ebenfalls zwei Jahre. Ein unsichtbares Buch mit leeren Seiten zog sich wie ein roter Faden durch ihre Rede. „Ich bin fasziniert von Büchern. Jeder Mensch bekommt bei seiner Geburt ein unsichtbares Buch mit leeren Seiten in die Hand. Und dann fangen alle von uns an, unser persönliches Buch mit Leben zu füllen. Seite für Seite schreiben wir unsere eigene Lebensgeschichte“, erinnerte Ingrid Kiersch ihre Neuntklässler daran, dass der Abschied von der DSH ein Kapitel des Buches beendet.

„Ihr müsst euch ab jetzt neuen Herausforderungen stellen und offen sein für die Möglichkeiten, die das Leben euch bieten wird“, erklärte Ingrid Kiersch.

Sie wünschte den Schülern Mut und Ausdauer, mit der neuen Situation umzugehen, und auch Aufgaben, die zunächst schwierig erscheinen, anzupacken und zu lösen. Das hatten sie zum Beispiel auch in der „merkwürdigen Zeit“, in der sie wegen der Corona-Pandemie die Schule nur virtuell wahrnehmen konnten, getan. „Die gesamte Kommunikation fand nur noch virtuell statt. Folglich lernten einige von euch in dieser Zeit der Isolation, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Das passt somit wieder zur Dualität des Lebens“, stellte die Klassenlehrerin fest:

„Ich wünsche euch, dass ihr möglichst viele Kapitel in eurem Leben schreibt, die euch glücklich, dankbar oder auch stolz auf Erfolge machen. Tschüss Klasse 9.“

Fachlehrerin Marianne Bork-Larsen Jegsen leitet den Schulchor. Foto: Karin Riggelsen
Carsten Leth Schmidt (r.) ist Vorsitzender des Schulvorstandes. Foto: Karin Riggelsen

Die Brückenbauer bekamen einen Fuß-Klatscher

Die Grußworte des Vorstandes überbrachte Vorsitzender Carsten Leth Schmidt. Der Süderballiger (dänisch: Sønderballe) erinnerte sich an den Tag seiner Einschulung in die DSH: „Es schien als, ob ein fast endloser Weg vor uns lag, der uns zum noch unbewussten Ziel führen sollte. Doch die Zeit verging sehr schnell, wie uns jetzt erst richtig bewusst wird.“

Er erinnerte die Jugendlichen daran, dass sie lesen, schreiben und rechnen gelernt haben. Nach den spielerischen und erfahrungsreichen Anfangsjahren seien die Schüler nun einen Schritt näher an das große Leben gekommen. „Ihr könnt zurücksehen auf eine Reihe von Klassenfahrten, Projekten, Praktika und Erlebnissen, die euch gebildet und zusammengebracht haben. Euer bisheriges, geborgenes und ruhiges Leben nach Plan steht vor einem Abschluss und ihr sollt wählen, was jetzt in eurem Leben beginnen soll“, wandte der Vorstandsvorsitzende sich an die Jugendlichen.

„In zwei Kulturen zu Hause könnt ihr Brücken bauen und wisst, dass nicht alles global paletti ist. Trump, Boris Johnson und Huawei lassen grüßen“, erklärte Leth Schmidt. Im 100. Jahr der Grenzziehung und der Feier des deutsch-dänischen Freundschaftsjahres werde viel über Geschichte diskutiert. Er forderte die Neuntklässler dazu auf, Offenheit, gesunde Skepsis, Energie und Selbstverstrauen mit in die Welt zu nehmen. Leth Schmidt, der die Schleswigsche Partei (SP) im Haderslebener Stadtrat repräsentiert, würde sich darüber freuen, die Jugendlichen in der Domstadt wiederzusehen.

„Onlinehandel, Ausbildungsstellen in anderen Kommunen und Universitäten in anderen Ländern fordern Hadersleben als Kaufstadt heraus. „Ich hoffe und arbeite daran, dass wir unserer Innenstadt auf Sicht eine andere Art von Leben und Attraktivität geben können“, machte Leth Schmidt ein klein wenig von seiner politischen Arbeit sichtbar.

Als Andenken an die DSH überreichten Leth Schmidt und Henn-Winkels ein kleines Präsent. Der Vorstandsvorsitzende hatte die Lacher auf seiner Seite, als er die Schüler mit dem Fuß-Klatscher, der alternativen Begrüßungsformel in Zeiten von Corona, Lebewohl sagte.

Violinistin Antonia Fuglsang erhielt großen Applaus. Foto: Karin Riggelsen
Musikalische Untermalung mit dem Schulchor Foto: Karin Riggelsen
Die Neuntklässler bei ihrer Verabschiedung: Hintere Reihe v. l.: Nele Schulze, Jacob Keoni Schmidt Morthorst Rasmussen, Sørine Amalie Marie Popp Hecky, Frederik Stender Deneken, Jan Daberkow, Altin Lepia, Mathias Popke Kolborg Botma, Lucas Karstensen Dunker. Vorne v. l.: Jakob Bruhn-Hansen, Alexander Okholm Woldemar, Nico Tügge, Tina Seide Mandau, Sophie Petersen Kirchner, Victoria Daberkow, Mika Marsen. Foto: Rikke Kirchner

Dankbare Abgangsschüler

Neuntklässler Jacob Rasmussen richtete einen großen Dank an die Lehrer, die ihn und seine Mitschüler im Laufe der Jahre begleitet haben. „Wir sind oft als eine anständige Klasse bezeichnet worden, die von vielen Lehrern gemocht wurde. Das gefiel uns. Aber wir sind auch sehr, sehr dankbar dafür, was wir gelernt haben“, verriet der junge Fjelstruper.

Ein besonderer Dank galt Klassenlehrerin Ingrid Kiersch: Sie wollte für uns immer das Beste. Es war so schade, dass wir mit ihr und Piet (stellvertretender Schulleiter Piet Schwarzenberger, Anm. der Red.) nicht auf die letzte Klassenfahrt kamen“, so Rasmussen im Hinblick darauf, dass die Klassenreise der Neuntklässler aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen musste.

Stimmungsvolle Abschiedsfeier Foto: Karin Riggelsen
Beschwingtes Rahmenprogramm Foto: Karin Riggelsen
Legatsempfängerin Nele Schulze ist passionierte Schwimmerin. Sie hat schon gute Erfolge erzielen können bei Schwimmwettbewerben im In- und Ausland. Foto: Karin Friedrichsen

Boy Erichsen und Ruth Vogelgesang Legat

Bevor der Abend mit einem kleinen Umtrunk ausklang, wurde das Boy Erichsen und Ruth Vogelgesang Legat überreicht. Frauke Candussi und ihre Tochter Ruth Candussi haben das Legat gestiftet und erstmals 2017 überreicht. Die Zuwendung in Höhe von 1.000 Kronen geht 2020 an die Schülerin Nele Schulze. Da die Legat-Stifterinnen aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen nicht an der Abschlussfeier teilnehmen konnten, überreichte die Klassenlehrerin das Legat.

„Das ist ein besonderer Preis den Frauke gestiftet hat. Sie hat auch hier an der Schule unterrichtet. Als wir uns überlegt haben, wer den Preis bekommen soll, fiel relativ schnell der Name einer Schülerin“, erinnerte sich Kiersch.

Trotz vieler privater Herausforderungen und intensivem Schwimmtraining, sei die 16-Jährige stets engagiert und aufgeschlossen in die Schule gekommen. Sie habe zuverlässig am Unterricht teilgenommen und gute Noten bekommen. „Nele ist ein toller Mensch und sehr, sehr freundlich nicht nur zu uns Lehrern, sondern auch ihren Mitschülern gegenüber. Immer offen und hilfsbereit“, sagte Ingrid Kiersch.

Die 15 Abgangsschüler:

Nele Schulze, Jacob Keoni Schmidt Morthorst Rasmussen, Sørine Amalie Marie Popp Hecky, Frederik Stender Deneken, Jan Daberkow, Altin Lepia, Mathias Popke Kolborg Botma, Lucas Karstensen Dunker, Jakob Bruhn-Hansen, Alexander Okholm Woldemar, Nico Tügge, Tina Seide Mandau, Sophie Petersen Kirchner, Victoria Daberkow und Mika Marsen.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am Montag, 29. Juni, ergänzt. Das Klassenfoto wurde um 10.23 Uhr hinzugefügt.

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