Friesenschau

Mit Temperament und stolzem Gang ins königliche Stammbuch

Mit Temperament und stolzem Gang ins königliche Stammbuch

Mit Temperament und stolzem Gang ins königliche Stammbuch

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Sommerstedt/Sommersted
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Knapp 60 Pferde nahmen an der Friesenschau des dänischen Friesenverbandes bei Sommerstedt teil. Foto: Annika Zepke

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Ein stämmiger Körperbau, eine lange Mähne und ein schwarzglänzendes Fell sind wohl die bekanntesten Markenzeichen der Friesenpferde. Doch nicht nur nach ihrem Körperbau, auch nach der Gangart wurden die schwarzen Perlen der Pferdewelt bei der Zuchtschau auf dem Reiterhof Vojumgård bei Sommerstedt am Sonnabend beurteilt.

Es war ein ungewohntes Bild, das sich dem Laien am Sonnabend in der Halle der Reitschule Revsø auf dem Hof Vojumgård bei Sommerstedt bot: Einige Herren in weißer Kleidung rennen, ja hechten nahezu, mit jeweils einem schwarzen Pferd an der Hand durch die Reithalle.

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mag, ist Teil einer Friesenschau – einer langjährigen niederländischen Pferdetradition, bei der die Rappen von einer Körkommission nach Körperbau und Gangart beurteilt werden, um in das offizielle Stammbuch der Friesenpferde aufgenommen zu werden.

Mit einer klappernden Bonbon-Dose werden die Friesen zu Bestleistungen angespornt. Foto: Annika Zepke

Ungewöhnliches Hobby

Die in Weiß gekleideten und läuferisch starken Männer gehören zur Königlichen Vereiningung „Het Friesch Paarden-Stamboek“ (KFPS), dem Dachverband der Friesenzucht, und werden in den Niederlanden eigens dafür ausgebildet, die schwarzen Pferde bei Zuchtschauen zu präsentieren. Sie führen die Pferde dabei nicht nur der Körkommission vor, sondern sorgen mithilfe einer klappernden Bonbon-Dose auch dafür, dass die Friesen ihren besten Gang darbieten.

„Wir laufen mit der Klapper-Dose hinter den Friesen her, weil sie dann ihre Beine besser anheben und mehr Stolz zeigen. Auf diese Weise kommt das Temperament des Pferdes besser zur Geltung“, erklärt Sybren Minkema. Der Niederländer ist bereits seit seiner Jugend im Pferdesport aktiv und hat schon auf unzähligen Zuchtschauen Friesen vorgeführt.

Das Vorführen der Friesen erfordert vollen Körpereinsatz. Foto: Annika Zepke

Flinke Beine und ein Gespür für Pferde

„In Holland finden diese Schauen fast jedes Wochenende statt“, erklärt Minkema, „zudem trainieren wir einmal pro Woche.“ Viel brauche es für den Job nicht, meint der anerkannte Friesentrainer und Gespannfahrer: „Eigentlich muss man nur ein Gespür für Pferde haben und schnell laufen können.“

Dennoch sei die Aufgabe nicht ganz ungefährlich: „Ein gebrochener Knöchel und blaue Flecken an der Hüfte können schon vorkommen“, sagt Minkema. Das Präsentieren der Friesenpferde mache er aus Liebe zu den Tieren, und weil es eine schöne Abwechslung zum Alltag sei, meint Sybren Minkema, der in Friesland, der Heimat der schwarzen Pferde, Mitinhaber eines Reitsportgeschäftes ist. „Wenn man die Zeit dafür hat, kann man auf diese Weise die ganze Welt bereisen“, so der Niederländer.

Sybren Minkema im Gespräch mit einigen Zuschauern Foto: Annika Zepke

Qualität der Bewegungen im Fokus

Bei den Friesenschauen werde, anders als bei Zuchtschauen in England, im Allgemeinen weniger auf das Verhalten der Tiere geachtet als vielmehr auf die Qualität der Bewegungen, erklärt Minkema.

Dementsprechend anders falle auch das Training für die Friesenschauen aus. Frauke Witte, stellvertretende Vorsitzende der Abteilung Süd des dänischen Friesenverbandes Dansk Frieser Forbund (DFF), hat mit ihrer vierjährigen Stute D’Laila af Fhyn bereits drei Monate vor dem großen Tag mit den Vorbereitungen begonnen. „Ich habe D’Laila viel longiert, um die entsprechenden Muskelgruppen zu trainieren.“ Auch dem Fell habe sie in den vergangenen Wochen besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt: „Die Friesen müssen rein schwarz sein, um ins Friesenstammbuch aufgenommen zu werden“, so Witte. Lediglich ein kleiner weißer Fleck auf der Stirn sei erlaubt – wenn auch nicht gewünscht.

Sybren Minkema ist ein erfahrener Friesentrainer und Gespannfahrer. In seiner Freizeit führt er die Rappen bei Zuchtschauen vor. Foto: Annika Zepke

Das Friesenstammbuch gilt als eines der strengsten Zuchtbücher weltweit mit klaren Auflagen. Die Aufnahme ins Stammbuch sei daher wie eine Konfirmation für Pferde, meint Frauke Witte.

Goldene Schleife für D'Laila

Normalerweise werden die Stuten der Körkommission im Alter von drei Jahren vorgeführt. „Doch Corona hat uns im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb sind dieses Jahr auch etliche Vierjährige dabei“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende. Die Körungen finden in Dänemark zweimal pro Jahr statt – einmal auf Seeland und einmal in Jütland. In Nordschleswig sind sie jedoch eine Seltenheit: „Hier gibt es nicht viele Reiterhöfe, die die Kapazität haben, ein solches Event auszurichten", erklärt Frauke Witte.

Frauke Witte, stellvertretende Vorsitzende der Abteilung Süd des dänischen Friesenverbandes DFF, zusammen mit dem DFF-Vorsitzenden Anders Henriksen Foto: Annika Zepke

Bei der Friesenschau auf Vojumgård waren knapp 60 Pferde vertreten und wurden entweder ins Königliche Friesenstammbuch aufgenommen oder mit zusätzlichen Prädikaten ausgezeichnet. Auch Wittes Stute D’Laila wurde am Sonnabend mit der goldenen Schleife ausgezeichnet und damit ins Stammbuch aufgenommen. „Nun können wie uns voll auf das Reittraining konzentrieren“, freut sich Witte, „denn das musste wegen der Körung bislang hintenanstehen."

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