Männerhort BDN

„Wenn nur Hinrich zur Wahl steht, können wir auch nur Hinrich wählen“

Dominik Dose
Dominik Dose Online-Redaktion
Apenrade/Aabenraa
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Hinrich Jürgensen
In der Minderheit dominieren die Männer. Foto: Cornelius von Tiedemann

Die BDN-Spitze würde sich über mehr Frauen in Minderheiten-Gremien freuen – doch die trauen sich das oft nicht zu, sagt der Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen.

Das Bild beim Bund Deutscher Nordschleswiger ist eindeutig: Von 18 Hauptvorstandsmitgliedern des BDN sind 14 Männer. 16 von 20 Führungspositionen in den Verbänden der Minderheit sind mit Männern besetzt. Doch warum ist das so? Eine Frage, die auch der BDN-Spitze Kopfzerbrechen bereitet. „Das ist eine schwierige Frage. Wir waren definitiv schon mal mehr Frauen. Ich würde mich auch freuen, wenn sich das wieder ändert, aber es gibt einfach zu wenig Kandidatinnen und Bewerberinnen“, sagt der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen.

Genauso sieht es auch BDN-Generalsekretär Uwe Jessen: „Es spielt für uns keine Rolle, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist. Aber wenn nur Hinrich sich zur Wahl stellt, können wir auch nur Hinrich wählen“, so Jessen. Als einen der Gründe, warum Frauen häufig gar keine leitende Funktion oder einen Vorstandsposten beim BDN oder einem der Minderheitenverbände anstreben, sieht Jessen die oftmals langen Wahlperioden. „Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Amtsdauer von beispielsweise vier Jahren Frauen mehr abschreckt als Männer.“

Fehlendes Selbstvertrauen

Gleiche Erfahrungen hat auch der Hauptvorsitzende gemacht: „Wenn Posten in der Vergangenheit frei waren, habe ich auch Frauen angerufen – ohne Erfolg. Sie haben es sich nicht zugetraut. Während Männer sich häufig sofort allem gewachsen fühlen, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen oft sagen, dass sie es nicht können“, so Jürgensen.

Für beide ist es keine Frage, dass sie mehr Frauen beim BDN und in der Minderheit allgemein begrüßen würden. Könnte vielleicht eine Frauenquote dabei helfen? „Von Quoten, egal ob jetzt bei Frauen oder in anderen Fällen, halte ich wenig. Ausschlaggebend sollte immer die Qualifikation sein – und nicht das Geschlecht“, sagt Uwe Jessen. Auch Hinrich Jürgensen ist dagegen. Während einige dies sicherlich begrüßen würden, gebe es auf der anderen Seite Frauen, die sich dadurch diskriminiert fühlen würden, sagt er.

Wer Kritik äußert, muss auch Vorschläge machen

Als Kritikpunkt, warum Frauen in Politik und Führungspositionen in Dänemark seltener vertreten sind, wurde bei der gestrigen Umfrage des „Nordschleswigers“ unter Frauen aus der Minderheit unter anderem genannt, dass es strukturelle Probleme gibt und dass „die vorhandenen Strukturen von Männern für Männer gemacht wurden“.

Trifft dieser Kritikpunkt auch auf den BDN zu? „Das kann ich nicht sehen. Was ist mit Strukturen überhaupt genau gemeint? Kritik darf gerne kommen, aber dann bitte auch mit Vorschlägen, wie wir etwas besser machen können“, sagt Uwe Jessen. Hinrich Jürgensen sieht es dies genauso: „Wir sind immer bereit, über Veränderungen zu sprechen, aber dann sollten auch bitte konkrete Ideen vorgebracht werden, wenn man etwas kritisiert.“

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