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Professor: Sprachminderheiten haben höheren Wohlstand

Professor: Sprachminderheiten haben höheren Wohlstand

Professor: Sprachminderheiten haben höheren Wohlstand

Helsinki/Helsingfors
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Professor Bengt-Arne Wickström meint, Förderung von Sprachminderheiten sei eine gute Investition. Foto: László Mihály / FUEN

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Werden Minderheitensprachen gefördert, können sie sowohl der einzelnen Person als auch der Gesellschaft einen wirtschaftlichen Gewinn bringen. Werden sie nicht gefördert, kann das Gegenteil jedoch der Fall sein. Dies sind Erkenntnisse einer Konferenz der FUEN in Helsinki.

Kenntnis der eigenen Minderheitensprache bildet Identität, und wer sich seiner Identität sicher ist, dem geht es auch wirtschaftlich besser. So kann stark verkürzt die Schlussfolgerung von Bengt-Arne Wickström wiedergegeben werden.

Der gebürtige Schwede ist Professor für Wirtschaft an der Andrássy Universität in Budapest sowie der Humboldt-Universität in Berlin. Er war einer der Hauptredner beim „Forum der Europäischen Minderheitenregionen“, das in Helsinki (Helsingfors) von der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der schwedischen Bevölkerungsgruppe in Finnland, Folktinget, abgehalten wurde.

Der Wert der Identität

Wickmann stellte eine Reihe von internationalen Studien vor, die nach seiner Einschätzung belegen, dass Sprachminderheiten einen wirtschaftlichen Mehrwert ausmachen können.

„Der vielleicht wichtigste Wert von Minderheitensprachen ist meiner Ansicht nach, dass sie identitätsbildend sind“, so der Wirtschaftsprofessor.

Er wies auf Studien hin, die zeigen würden, dass zum Beispiel Menschen, die neben der jeweiligen Mehrheitssprache Baskisch, Katalanisch oder Walisisch sprechen, eine niedrigere Arbeitslosenquote aufweisen als die einsprachige Mehrheit.

„Die Sprache schafft Zusammenhalt, denn sie zeigt, dass man zur Gruppe dazugehört. Das ist ein sehr wichtiger Faktor“, meint Wickmann.

Förderung notwendig

Jedoch würden die positiven Aspekte nur erzielt, wenn Minderheiten akzeptiert, unterstützt und gefördert würden. Er nannte dabei Finnland als positives Beispiel. Schwedisch ist dort zweite Amtssprache, obwohl die schwedischsprachige Minderheit lediglich ungefähr 5 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Gibt es Vorbehalte und Konflikte zwischen Mehrheit und Minderheit, könnten die möglichen Gewinne jedoch verloren gehen.

Konflikte in Lettland

Dies zeigen auch die Studien von Professor Artjom Ivlevs von der University of West England. Er hat die Bedeutung von Russischkenntnissen in seinem Heimatland Lettland studiert. Dort erlebt die russische Minderheit durchwegs mehr Armut, niedrigere Löhne und höhere Arbeitslosigkeit als die Mehrheit.

„Russisch wird von der politischen Elite und der Bevölkerungsmehrheit eher als eine Bedrohung als eine Möglichkeit angesehen“, so die Einschätzung von Ivlevs. Er sieht diese historisch bedingten Vorbehalte als einen Teil der Ursache.

Der Bevölkerungsmehrheit bringen Russischkenntnisse bescheidene Vorteile. So sei die Arbeitslosigkeit unter ihnen ein wenig geringer als bei jenen, die kein Russisch sprechen. Der Lohn ist um 11 Prozent höher. Allerdings: Wer Englisch spricht, verdient um 34 Prozent mehr.

Gesamtgesellschaftlich gesehen sei fraglich, wie viel die russische Bevölkerungsgruppe dem Land bringt. Der Handel mit dem großen Nachbarn ging nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion markant zurück und hat sich auch seither nicht entscheidend gesteigert.

„Der Handel wird aus verständlichen politischen Gründen nicht gefördert, denn Russland bietet zwar ein riesiges Potenzial, ist jedoch kein besonders verlässlicher Partner“, so der Professor.

Schwedisch für Finnland wichtig

Ein Gegenbeispiel bietet, wie erwähnt, Finnland. Hier haben sich die Beziehungen zu Schweden in eine positive Richtung entwickelt. Beim Handel ist der nordische Nachbar wichtigster Partner.

„Finnland ist ein kleiner Markt. Daher müssen finnische Unternehmen, die wachsen wollen, sich sehr bald in Richtung Export orientieren. Der Schritt Richtung Schweden ist dabei häufig der erste“, erläuterte Kjell Skoglund, Direktor der finnisch-schwedischen Handelskammer.

Daher seien Schwedischkenntnisse für diese Betriebe unerlässlich. Doch auch Mitarbeiter in Schweden sollten sich überlegen, Finnisch zu lernen.

„Finnisch ist mit der wichtigste Wettbewerbsfaktor, wenn man sich bei einem schwedischen Exportunternehmen um eine Stelle bewirbt“, so Skoglund.

Wirtschaftsprofessor Bengt-Arne Wickström meint zusammenfassend, Sprachminoritäten seien wichtig für ein Land.

„Um das Potenzial zu nutzen und die Minderheiten zu bewahren, bedarf es einer Sprachpolitik, die von der Minderheitsbevölkerung als Unterstützung aufgefasst wird“, sagt er abschließend.

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