Geschäftswelt

Ein Jahr Kaufmann: Es läuft in Blans

Ein Jahr Kaufmann: Es läuft in Blans

Ein Jahr Kaufmann: Es läuft in Blans

Blans
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So kennen sie die Kunden: Tina Nielsen an der Kasse Foto: Sara Wasmund

Vor rund einem Jahr hat Tina Nielsen den Kaufmannsladen in Blans übernommen. Wie läuft das Geschäft? Wir haben dem kleinen Supermarkt einen Besuch abgestattet.

Die Vormittagsstunden gehören zu den ruhigeren des Tages, und so kann sich Tina Nielsen an diesem Freitagmorgen Zeit für ein Interview nehmen – unterbrochen von einigen Einkaufenden, die Tina Nielsen wie immer mit ein paar persönlichen Worten begrüßt und bedient.

Rund 200 Kunden täglich kaufen im Durchschnitt bei ihr ein. Ist das Experiment, mithilfe der Bürger vor Ort einen Supermarkt zu renovieren und als Anteilsgemeinschaft zu verpachten, geglückt?

Rund 6.000 Kunden pro Monat

„Ja, das meine ich doch“, sagt Tina Nielsen, die das Geschäft „Min Købmand“ im Dezember 2019 eröffnet hat. „Im Durchschnitt kommen etwa 6.000 Kunden pro Monat, und das ist ein guter Durchschnitt. Natürlich können es immer mehr sein, aber auf diesem Niveau kann ich gut wirtschaften“, so die Pächterin.

Sie hat Gebäude und Einrichtung von der Anteilsgemeinschaft „APS Købmanden i Blans“ gepachtet.

Der Kaufmannsladen in Blans wurde von 74 Prozent der Bürger mitgegründet. Foto: Sara Wasmund

74 Prozent der Blanser Bürger sind finanziell an der APS beteiligt und haben Geld einbezahlt, um das Geschäft zu renovieren und einzurichten. 1.500 freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet, die Broacker Sparekassen gewährte den nötigen Kredit.

Und nun, ein Jahr später, kann Tina Nielsen eine erste Bilanz ziehen. „Es geht gut. Wenn wir auf diesem Level bleiben, kann es weitergehen.“

Immer wieder überraschende Angebote

Die gelernte Kauffrau sorgt selbst für den Erfolg. Ihr Motto: Wer in ihrem Supermarkt einkauft, soll sich wohlfühlen, immer wieder überraschende Angebote und gute Qualität vorfinden.

Wer will, kann sich seinen – lokal auf Alsen gerösteten – Kaffee selbst mahlen. Foto: Sara Wasmund

Das bedeutet: In der Weihnachtszeit gibt es kostenlose Kekse und Kaffee für die Kunden, das Geschäft wird immer wieder neu dekoriert, und zu Halloween kamen Schüler der Freischule gegenüber zum Kürbisschnitzen vorbei.

„Wir sind selbst ein Teil des Dorfes, und die enge Zusammenarbeit mit der Dorfgilde, der Schule und dem Unterstützerverein ist für uns unverzichtbar“, sagt Tina Nielsen.

Der Dezember war besonders gut

Hinter der Kasse hängt die Geschäftsfrau jeden Monat einen aktuellen Zettel auf, der die Kunden über den Stand der Dinge informiert.

Für Dezember steht da: Das Verkaufsziel wurde zu 99 Prozent erreicht, es kamen 6.226 Kunden ins Geschäft. Man kann den durchschnittlichen Verkaufswert der Einkäufe ablesen, so sind Kunden und Anteilseigner stets auf dem Laufenden.

Eine gut sortierte Frischblumenabteilung gehört zum Supermarkt. Foto: Sara Wasmund

Warum läuft der Laden in Blans, während andere Dörfer von einem florierenden Supermarkt nur träumen können? „Ich denke es liegt daran, dass die Bürger selbst daran beteiligt sind. Es ist ihr Laden, und den unterstützen sie.

Und es hat viel mit der Freischule zu tun. In diesem Ort sind die Bürger schon immer sehr engagiert gewesen, und das merkt man auch heute“, sagt die Kauffrau.

Testen, was gut ankommt – und was nicht

Immer wieder probiert Tina Nielsen Neues aus. Nicht alles kommt an. Beispielsweise der Kaffeevollautomat, an dem die Kunden Kaffee zum Mitnehmen kaufen konnten. „Das wurde nicht wirklich gut angenommen, und dann habe ich es wieder gelassen. Die Maschine zu mieten, hat sich nicht gelohnt.“

So testet Tina Nielsen immer wieder aus, was bei den Kunden ankommt – und was nicht.


Der Kaufmann in Blans liegt direkt gegenüber der Freischule des Ortes. Foto: Sara Wasmund

Für 2020 ist ein „Blans Wein“ in Planung. Nach einer Weinprobe sollen die Kunden für „ihren“ Wein abstimmen, der dann, mit eigenem Etikett versehen, im Laden verkauft wird.

Auch von einer „Hygge“-Sitzecke zum Schnacken träumt Tina Nielsen, doch dafür ist im Moment der Platz zu knapp. Einkaufen soll Spaß machen, sagt Tina Nielsen, die Angebote an Obst und Gemüse müssen frisch sein und überzeugen.



Der Kaufmannsladen hat neues Leben in den Ort gebracht, das ist ganz klar. Wieder ein Geschäft zu eröffnen war das einzig Richtige, was wir tun konnten.

John Solkær, Vorsitzender der APS

John Solkær ist Vorsitzender der ApS. „Der Kaufmannsladen hat neues Leben in den Ort gebracht, das ist ganz klar. Wieder ein Geschäft zu eröffnen war das einzig Richtige, was wir tun konnten.“

Tina Nielsen sei als Kauffrau sehr gut darin, die Balance zwischen Sonderwünschen, Alltagsbedarf und guter Qualität zu finden.

Anteile der Bürger stecken komplett im Geschäft

Die Anteilsgelder der Bürger stecken komplett im Kaufmann, in neuen Einrichtungsgegenständen, Kühlanlagen, Elektronik. Weitere Renovierungen sind in absehbarer Zeit fällig, sagt John Solkær.

Die Dachrinnen sollen erneuert werden, zwei Giebel warten auf eine Renovierung, einzelne Fenster sind in die Jahre gekommen, und 2021 soll das Gebäude verputzt und weiß gestrichen werden, mit grauen und schwarzen Rahmen.


Einige Kühlregale sind im Sommer nachgerüstet worden. Foto: Sara Wasmund

Das Problem mit den hohen Temperaturen im Geschäft, wie im Sommer 2019 zu erleben war, habe man im Griff. Die Frischwaren haben eine neue Kühlung erhalten, bis zum Sommerbeginn 2020 soll das Geschäft einen Temperaturregler erhalten, verrät Solkær.

„Der Kaufmannsladen in Blans ist eine Erfolgsgeschichte, auf die wir alle stolz sein können“, sagt der Vorsitzende.

Ein Wunsch für die Geschäftsfrau

Für Tina Nielsen, die derzeit eine Vollzeitmitarbeiterin sowie drei Mitarbeiter auf Stundenbasis beschäftigt, wünscht er neben Erfolg vor allem eins: „Dass sie ein bisschen weniger arbeiten muss!“

Weniger Lebensmittel verschwenden: Beim Einkaufswagen mit Sonderangeboten greifen die Blanser gerne zu. Foto: Sara Wasmund
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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Das dunkle Netz“