Aus dem Leben eines Försters

Sein Herz schlägt für den Wald

Sein Herz schlägt für den Wald

Sein Herz schlägt für den Wald

Ilse Marie Jacobsen
Ilse Marie Jacobsen Journalistin
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
John Callesen sorgt seit einem halben Jahrhundert für die Wälder Nordschleswigs. Foto: Karin Riggelsen

Förster John Callesen hat seit 50 Jahren nie neue Herausforderungen vermisst. An den Ruhestand denkt der 67-Jährige aber noch nicht.

Der Förster John Callesen begann seine Karriere im Dienst der Wälder im jungen Alter von lediglich 16 Jahren.

Als Sohn eines Landwirts in Enstedt hatte er von seinem Vater immer gehört, dass das Bauerndasein kein einfaches Leben sei. „Deshalb suchte ich nach etwas anderem. So kam ich 1969 zur Forstwirtschaft“, meint John Callesen. Seine Familie hatte sich oft in der Plantage Årtoft zwischen Klipleff und Apenrade aufgehalten.

Der Weg in den Wald

„Ich war schon immer ein Anhänger des Lebens im Freien“, gibt der Förster zu. Nach dem Realexamen gab es ein Probejahr in der Årtoft Plantage, dann begann der erste der drei Aufenthalte an der Schule in Viborg. In den verschiedenen Praktikumsaufenthalten zwischendurch wird die Theorie in Praxis umgesetzt.

Nach Vollendung seiner Ausbildung wurde er von seinem letzten Praktikumsplatz in Gravenstein geheadhuntet. Ihm wurden die drei Wälder in Gravenstein, Fröslee und Kelstrup anvertraut. Einen Abstecher machte John Callesen noch zur Klosterhede Plantage zwischen Struer und Lemvig, die er vier Jahre lang betreute. Damals verlor John Callesen sein Herz an die westjütische Gegend.

Die beste Zeit

„In Klosterhede hatte ich meine beste Zeit überhaupt. Ich wäre eigentlich gern in Westjütland geblieben. Mit den Leuten dort oben kam ich sehr gut aus“, meint er lächelnd. Aber damals gab es bei der Naturbehörde nur eine gewisse Anzahl Assistenten. Wurde eine Stelle neu ausgeschrieben, dann wurde erwartet, dass die „ältesten“ vier Assistenten sich bewarben. Und so kam John Callesen 1984 wieder nach Nordschleswig. Damals verpflichteten sich die Bewerber für mindestens fünf Jahre. Dann hätte ich ja eigentlich wieder nach Westjütland gehen können. Aber daraus wurde nie etwas.

Was einst mit verschiedenen Waldbezirken begann, wo der Förster die Verantwortung für ein geografisch abgestecktes Gebiet hatte, hat man heute Aufgaben für einen größeren Bereich.
„Damals hatte man eine stärkere lokale Verbindung zu den Bewohnern. Vielleicht nutzten sie damals auch die Wälder anders und mehr. Man hatte eine stärkere lokale Verknüpfung“, sagt der Förster, der seit Oktober 1984 auf Stenholt im Sønderskovs lebt.
Es ist begrenzt, was in einem Forstbezirk alles verändert werden kann. Die Wälder liegen nun mal, wo sie liegen. In den jüngsten Stürmen sind aber einige Bäume umgekippt, und es wurde neu gepflanzt.

Natürliche Bewirtschaftung nimmt zu

Früher wurde mehr auf Produktionswälder gesetzt. Es wurde Geld mit dem Holz der Bäume verdient. Das ist immer noch der Fall. Aber heute werden viele Waldgebiete auch ganz natürlich bewirtschaftet. In den Bereichen wird alles der Natur überlassen. Heute wird das Geld auf weniger Quadratmetern verdient.

In der Natur fühlt John sich wohl. Foto: Karin Riggelsen

Eine große Einnahmequelle ist heute der Holzhackschnitzel. Das Holzprodukt wird hauptsächlich an das Sonderburger Kraftwärmewerk geliefert – um die 20.000 Kubikmeter jährlich werden produziert. Das Sonderburger Kraftwärmewerk erhält 15.000 dieser Kubikmeter. Mit Holzhackschnitzel – auf Dänisch „flis“ – sichert sich die Naturbehörde ein Viertel der jährlichen Einnahmen. Den Rest bringen die gefällten Bäume, unter anderem für die Möbel- und die Holzbodenindustrie. Zu den Kunden zählt unter anderem auch der Produzent Junckers Industrie. „Ganz viele Böden kommen deshalb von hier“, wie der Förster feststellt.
Mit der königlichen Familie, dessen Schloss nur wenige Hundert Meter vom Hauptsitz der Naturbehörde in Gravenstein entfernt liegt, haben die Wald-Mitarbeiter eigentlich nicht viel zu tun.

„Wenn Frederik und Mary im Sommer reiten, treffen wir sie manchmal. Oder wenn sie mit dem Hund Gassi gehen. Man grüßt sie, steht aber nicht und unterhält sich mit ihnen“, so John Callesen.

Die Hobbys eines Försters

John Callesen liebt die Natur, war schon immer ein begeisterter Sportler und geht auch auf die Jagd. Ein Achillesschaden zwang ihn aber, das Laufen aufzugeben. Das Malen war ihm zu umständlich – aber da war ja auch die Musik. Er hat schon immer klassische Musik genossen, und er spielt Keyboard und Harmonika.

Der idyllisch gelegene Hof Stenholt im Sønderskov war für ihn und seine Familie immer ein gutes Zuhause. Der 67-jährige John Callesen geht aber noch nicht in Rente. „Es ist gut, wenn man sich schon mal darauf vorbereitet“, wie er vernünftig feststellt. Deshalb hat er in Sonderburg ein Haus erworben, das nun hergerichtet wird.

Angst vor Nachbarn

„Dort zieh ich mal hin. Dann muss ich mich aber an Nachbarn gewöhnen. Das ist vielleicht mein größter Schrecken“, meint er herzhaft lachend. Den vielen Hecken bei Stenholt weint er nicht nach, aber das Stadtgeschehen in einem Ort wie Sonderburg reizt ihn. „Ich werde mich von der Stadt unterhalten lassen. In Sonderburg passiert viel mehr im Verhältnis zu Apenrade“, meint er.
John Callesens Frau starb vor drei Jahren. In der Familie wuchsen vier Kinder auf. Hinzu kommen noch einige Enkelkinder.

Auf die Frage, ob er sein Förster-Dasein jemals mal bereut habe, antwortet er: „Darüber habe ich eigentlich nie richtig nachgedacht. Dann hätte es etwas ganz anderes sein sollen. Aber ich war immer zufrieden.“

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Wetten dass...“