Leitartikel

„Mutiges Museum“

Mutiges Museum

Mutiges Museum

Nordschleswig/Sønderjylland
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Das neue Deutsche Museum in Sonderburg ist ein weiterer Schritt der Geschichtsvermittlung in Nordschleswig und in der Minderheit die wichtigste Investition seit vielen Jahrzehnten, schreibt Chefredakteur Gwyn Nissen.

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig hat ein neues Herzstück: das Deutsche Museum in Sonderburg. Das neue Museum ist kein Prestigeprojekt, sondern es ist ein notwendiges Projekt. Und es ist nicht nur ein Neu- und Umbau, es ist ein ganz neuer Ansatz, die eigene Geschichte aufzubereiten.

Es ist ganz und gar ein neues Museum, auch wenn das alte Gebäude noch steht und nun mit einem fast futuristischen Neubau zusammengeschmolzen ist. Denn nicht nur die Architektur ist mutig, auch die Inhalte zeugen von einer Minderheit, die mit neuem Selbstvertrauen und Selbstverständnis mit der eigenen Geschichte umgeht.

Während deutsche Besucher mit Garantie vor einer ausgestellten Nazi-Fahne erschrecken werden, zeigt dieses eine Beispiel, dass die Minderheit sich auch der dunklen Periode ihrer 100-jährigen Geschichte stellt. Ja, die deutsche Minderheit in Nordschleswig war von 1933 bis 1945 auf Abwegen. Diesen Teil der Geschichte können und dürfen wir nicht verschweigen – wir müssen sie erzählen.

Das neue Deutsche Museum Nordschleswig ist gleichzeitig ein weiterer – und richtiger – Schritt in der modernen Geschichtsvermittlung der Minderheit. Weitere Schritte müssen folgen, wie Museumsleiter Hauke Grella bei der Eröffnung sagte.

Mit einem Volumen von mehr als 30 Millionen Kronen ist das Deutsche Museum das größte Projekt der Minderheit seit 60 Jahren und von der Größe her nur mit dem Bau des Gymnasiums in Apenrade zu vergleichen.

Von Anfang an hat die Führungsetage des Bundes Deutscher Nordschleswiger sich energisch darum bemüht, die finanziellen Mittel anderswo als im eigenen Haushalt der Minderheit zu finden. Zum einen, weil der Haushalt der Minderheit nicht so viel hergibt, zum anderen auch, weil man Kritik aus den eigenen Reihen befürchtete, wenn zu viel Geld in das Museum fließt und andere Teile der Minderheit daher in die Warteschleife müssen.

Staaten, Sponsoren und Stiftungen tragen nun den größten Teil der Kosten, und die deutsche Minderheit kann sich vor diesen Gönnern nur verneigen und sich bei ihnen bedanken für dieses außergewöhnliche Geschenk. Es ist aber auch ein Geschenk, das wir uns selbst gemacht haben und für das eine Gruppe in der Minderheit einen großen Einsatz geleistet hat.

Am Ende wird das Museum der Minderheit doch noch um die sechs Millionen Kronen aus eigenen Mitteln kosten. Das ist mehr als von vorneherein geplant und ist viel Geld in einem kleinen Investitionshaushalt mit viel Nachholbedarf in Kindergärten- und Schulgebäuden sowie auf dem Knivsberg.

Es ist aber keine Krone zu viel.

Man kann den Wert eines Kindergartens und den des Museums nicht miteinander vergleichen, aber das neue Deutsche Museum ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Investitionen der vergangenen Jahrzehnte überhaupt. Nicht nur der Kosten wegen, sondern weil es viel mehr ist als ein Museum, viel mehr als ein Schaukasten der Minderheit.

Das neue Museum bewegt sich in die Herzkammer der Minderheit. Es ist eine Erklärung für das, was wir waren, was wir geworden sind und wo wir hinwollen. Das neue Deutsche Museum Nordschleswig ist jetzt schon ein unentbehrlicher Pfeiler unserer Minderheit – sowohl nach innen als auch nach außen der Mehrheit gegenüber.

Es ist in allen Belangen ein mutiges Museum.

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