Leserbericht

„Schulunterricht wie früher: Fräulein Lehrerin, heißt es!“

Schulunterricht wie früher: Fräulein Lehrerin, heißt es!

Schulunterricht wie früher: Fräulein Lehrerin, heißt es!

Claudia Knauer, Büchereidirektorin
Sonderburg/Sønderborg
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Bitte nicht lächeln – damals sahen Schulfotos bedeutend ernster aus als heute. Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg

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Kinder der Deutschen Schule Sonderburg lernten kürzlich beim Besuch der deutschen Bücherei im Multikulturhaus Schule aus alten Zeiten kennen.

Wie immer kamen die Mädchen und Jungen der dritten Klasse der Deutschen Schule Sonderburg mit Schwung in die deutsche Bücherei im Multikulturhaus gerannt und blieben diese Woche wie angewurzelt stehen.

Damals durften Lehrerinnen nicht verheiratet sein

Da stand eine sehr streng aussehende Lehrerin, die sofort klarmachte, was erlaubt ist und was nicht. Frau Lehrerin zum Beispiel durfte man gar nicht sagen. Es heißt schließlich „Fräulein Lehrerin“. In den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts, um 1900 bis 1925, durften Lehrerinnen nicht verheiratet sein.

Martina, genannt Marta, Schlüter, die regelmäßig in der Bücherei mitarbeitet, hatte ein straffes Programm entwickelt und führte es mit der damals üblichen Disziplin durch. Aber keine Sorge: Geschlagen wurde nicht – auch wenn das zu der Zeit an der Tagesordnung war.

Damals lernte man die Welt über eine Weltkarte kennen. Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg
Frontalunterricht mit dem Fräulein Lehrerin Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg

Strafen waren damals unter anderem aber auch: auf einem Holzscheit oder auf einem Erbsenkissen knien. Früher mussten die Kinder so lange darauf verharren, bis sie danach nicht mehr laufen konnten. Von diesen Züchtigungen bekamen die Kinder einen Eindruck – aber nur einen ganz kleinen.

Mit Federhalter und in Sütterlin schreiben

Auf dem Stundenplan standen Lesen und Schreiben in Sütterlin. Die Bücherei hatte dazu ein Alphabet ausgelegt. Geschrieben wurde natürlich mit einem Federhalter oder einer Feder, die in ein Tintenfass getaucht wurde.

Im Rechnen mussten die Kinder herausfinden, wie viel damals drei Eier kosteten. Handarbeiten war eigentlich nicht so aufwendig – es ging darum, einen Faden durch das Nadelöhr zu fädeln. Das war allerdings für viele eine richtig schwere Aufgabe. Heute wird offenbar in den Familien kaum noch genäht oder gestopft.

Martina Schlüter spielte die strenge Lehrerin. Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg
Die Bücherei erzählte von alten Schul-Zeiten. Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg

Auf einer alten Erdkundekarte musste ein Ort gefunden werden. Bei den Leibesübungen ganz zum Schluss durften nur die Jungen teilnehmen. Sie mussten schließlich auf den Krieg vorbereitet werden. Marta allerdings hat auch die Mädchen teilnehmen lassen. Beim Unterricht herrschte Binnendifferenzierung, wie es heute hießt. Die dritte Klasse bekam andere Aufgaben als die fünfte oder sechste.

Die Jungs saßen früher übrigens am Fenster, denn da war es hell, da konnte man besser lesen. Die Mädchen durften auch in die Schule, aber die waren nicht wichtig.

Bitte nicht lächeln auf dem Foto

Damals herrschte Zucht und Ordnung, nicht weil die Lehrerin böse war, sondern sie dachte tatsächlich, dass sie die Kinder so zu guten Menschen heranzieht – wie Marta die Kinder wissen ließ. Es ging ihr nicht nur darum, einen handgreiflichen Eindruck zu vermitteln, wie es vor so vielen Jahrzehnten zuging, sondern auch Wissen darüber spielerisch zu vermitteln.

Gelächelt wurde auf den Fotos natürlich nicht. Das tat man nicht – damals.

Gruppenfoto mit Lehrerin Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg
Vom digitalen Unterricht war man damals noch weit entfernt. Foto: Deutsche Bücherei Sonderburg
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