Prozess

Ehefrau angeklagt: Weitere Zeugen sagten aus

Ehefrau angeklagt: Weitere Zeugen sagten aus

Ehefrau angeklagt: Weitere Zeugen sagten aus

Sonderburg/Sønderborg
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Der Prozess findet im Schwurgerichtssaal des Gerichtes statt. Foto: Sara Wasmund

Im Sonderburger Gericht ist am Freitag der Prozess um eine wegen Mordes angeklagte Frau aus Höruphaff fortgesetzt worden. Am zweiten Prozesstag sagten unter anderem der Sohn der Angeklagten sowie ihr Hausarzt aus.

Hat die Ehefrau ihrem Mann ab Sommer 2018 über Monate hinweg das Medikament Baclofen verabreicht, das ihn fast getötet hat? Dieser Frage ist ein Schwurgericht am Freitag im Sonderburger Gericht weiter nachgegangen.

Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen befragte am Freitag sechs Zeugen. Sie wirft der 65-jährigen Ehefrau des Opfers in der Anklageschrift vor, ihren Mann vorsätzlich vergiftet und dabei fast ermordet zu haben.

Der Sohn gab vor Gericht an, sein Vater habe wegen eines Sturzes im Sommer 2018, aber vor allem auch nach Einlieferung ins Sonderburger Krankenhaus im Juli 2018 „richtig viele Medikamente“ eingenommen. Es habe ihn gewundert, dass sein Vater derart viel Epilepsie-Medikamente erhalten habe und hält eine Medikamentenvergiftung als Ursache für möglich.

14-mal in tiefer Bewusstlosigkeit

Der Ehemann war am 29. Juli 2018 zum ersten von 14 Malen in tiefe Bewusstlosigkeit gefallen. Daraufhin wurde er monatelang in Sonderburg, Odense und Kopenhagen behandelt und erst im Dezember 2018 aus dem Reichshospital entlassen.

Die nach Wochen der Ahnungslosigkeit gestellte Diagnose: Baclofen-Vergiftung. Staatsanwältin Rikke Brændgaard-Nielsen ist überzeugt, dass die Ehefrau ihren Mann vergiftet hat. Die 65-Jährige nimmt das muskelentspannende Mittel selbst seit 2003 ein.

Ob er die eine Verbindung sehe zwischen der Tatsache, dass seine Mutter Baclofen einnimmt und dieses Medikament im Körper des Vaters gefunden wurde? Nein, das koppele er nicht zusammen, und er habe keine Erklärung dafür, so der Sohn auf Frage der Staatsanwältin.

Persönliche Helferin sagte aus

Auch die persönliche Helferin („handicaphjælper“) der Angeklagten machte am Freitag ihre Aussage. Sie arbeitete 25 Stunden in der Woche für die Angeklagte, die ihres Wissens wegen verschiedener Krankheiten auf Hilfe angewiesen war. Dass ihre Patientin laut zweiter Diagnose aus dem Jahr 2015 nicht an Parkinson litt, habe sie erst im Laufe des Prozesses erfahren.

„Ich war überrascht, dass sie nicht an Parkinson leidet, denn sie hat ja auch stark gezittert, wenn sie ihre Medikamente nicht genommen hat“, so die Zeugin.

Der Hausarzt der Angeklagten sortierte vor Gericht die Anwendung von Baclofen ein. Als ein Medikament, das seine Patientin bereits seit 2003 als muskelentspannendes Mittel gegen Muskelkrämpfe einnehme. Baclofen sei kein ausschließliches Parkinson-Medikament, werde aber auch bei Parkinson verschrieben, um die Symptome – wie starkes Zittern – zu lindern.

Dritter Prozesstag am 11. Dezember

Laut ärztlicher Diagnose liegt bei der Angeklagten keine neurologische Krankheit vor, sie sei ein „funktioneller Patient“ ohne organische Probleme, aber mit „funktionellen und psychischen Leiden“. Dem Hausarzt war bis Prozessbeginn nicht bekannt, dass seine Patientin nicht an Parkinson leide.

Zwar habe seine Praxis einen entsprechenden Bericht vom Facharzt aus Odense zugeschickt bekommen, dieser sei aber nicht gelesen worden. Von sich aus habe seine Patientin es ihm nicht mitgeteilt.

Der dritte Prozesstag findet am Mittwoch, 11. Dezember, statt. Dann werden weitere Ärzte aus Odense und Kopenhagen ihre Zeugenaussage machen.

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Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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