Heimatmuseum

Brottortenböden liegen auf Eis

Brottortenböden liegen auf Eis

Brottortenböden liegen auf Eis

Renz/Rens
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Auf die große Kuchenschlacht im Renzer Museum muss in diesem Jahr coronabedingt verzichtet werden. Foto: Anke Haagensen

Im kleinen Heimatmuseum „Zwischen Schleswigs Grenzen“ in Renz wird die coronabedingte Zwangspause für allerhand Putz- und Renovierungsarbeiten genutzt.

Ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender des kleinen Heimatmuseums „Mellem Slesvigsk Grænser“/„Zwischen Schleswigs Grenzen“ in Renz ist durch die Corona-Beschränkungen schon vor einiger Zeit abgesagt worden: die nordschleswigsche Kaffeetafel am Gründonnerstag.

„Das ist natürlich schade, da wir allerdings frühzeitig wussten, dass die Kontaktbeschränkung auch an Ostern herrscht, haben wir auch nichts vorbereitet. Ein wenig komisch ist es allerdings doch“, sagt Ruth Christensen vom Renzer Museum.

Tortenschlacht als Einnahmequelle

Normalerweise hätten sie und die anderen freiwilligen Helfer des Museums zumindest schon mal die ersten Kekse und „Boller“ gebacken, die auf einem zünftigen Kuchenbüfett nicht fehlen dürfen.

Dem Museum bricht durch die Absage der traditionellen Tortenschlacht eine wichtige Einnahmequelle weg. „Im vergangenen Jahr hatten wir am Gründonnerstag immerhin 122 zahlende Gäste. Ich vermute, dass in diesem Jahr noch mehr gekommen wären, weil wir in diesem Jahr doch den 100. Geburtstag der Grenzziehung feiern“, stellt Christensen fest. Sie betont allerdings auch, dass das Museum durch die entgangenen Einnahmen nicht in seiner Existenz gefährdet ist.„Wir sind aber heilfroh, dass wir am 10. Februar unser ,Genforeningsfest‘ mit immerhin 130 Teilnehmern feiern konnten. Und ganz großes Glück hatten wir mit unserem Fotoabend am 10. März mit 84 Teilnehmern. Wenige Tage später wurde Dänemark ja dichtgemacht“, erinnert sich die Museumsleiterin.

Ruth Christensen Foto: kjt

Tortenböden in der Gefriertruhe

Eine wichtige Einnahmequelle für das Museum sind die vielen Besuchergruppen, die sich im Laufe des Jahres die Ausstellung zeigen und erklären lassen und meistens auch den Kaffee dort bestellen.

„Merkwürdigerweise hatten wir in diesem Jahr für den Monat April keine einzige Vorbestellung. Allerdings ist eine Veranstaltung des Heimatvereins Schleswigsche Geest ausgefallen. Hierfür hatte ich bereits die Brottortenböden bestellt. Sie liegen jetzt in unserer Gefriertruhe. Die können wir dann auftauen, wenn sie gebraucht werden“, denkt die Museumsfrau praktisch.

„Gelegene" Zwangspause

Allerdings haben die Museumsfreunde die coronabedingte Zwangspause genutzt, um längst schon überfällige Putz- und Renovierungsarbeiten zu erledigen.

„Wir haben als Allererstes das Archiv auf- und umgeräumt. Auf diese Weise haben wir ein paar Regalmeter Platz für Neues geschaffen“, erzählt die Museumsleiterin.

Darüber hinaus waren in den vergangenen Wochen Handwerker im Haus. „Wir haben eine zweite Toilette eingebaut. Insbesondere bei größeren Veranstaltungen reichten unsere Toilettenkapazitäten ja nicht aus, weshalb eine zweite Toilette schon länger auf der Wunschliste stand“, sagt Ruth Christensen.

Bauarbeiten ohne Zeitdruck

Die coronabedingte Zwangspause kam hierfür schon fast gelegen. „So haben die Bauarbeiten nicht unsere Öffnungszeiten beeinträchtigt. Außerdem war es nicht so wichtig, ob wir nun heute oder morgen fertig würden. Wir haben schließlich viel in Eigenarbeit gemacht, aber auch den engagierten Handwerker kam es sicherlich gelegen, dass sie nicht unter Zeitdruck arbeiten mussten, sondern die Arbeiten erledigen konnten, wenn es gerade einmal passte“, erzählt Ruth Christensen.

Der eigentliche Frühjahrsputz des ganzen Hauses wird in diesem Jahr nach Ostern durchgeführt.

Wunsch: Öffnung mit Auflagen

Ein wenig traurig wäre sie jedoch, wenn das Museum wirklich den ganzen Sommer geschlossen bleiben müsste. Mit gewissen Auflagen müsse eine Öffnung trotz Coronavirus doch möglich sein, findet Ruth Christensen.

„Ich denke da vor allem an die Ferienzeit. Wenn es weiterhin nicht möglich ist, Urlaubsreisen ins Ausland zu unternehmen, wird vielleicht mancher durch Dänemark reisen wollen – vielleicht sogar auf dem Fahrrad. Und da wir hier in Renz jetzt so schöne Shelter mit Feuerstelle haben, könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere auch in unsere Gegend kommt“, sagt die Museumsleiterin.

Wer sich über den Landesteil, über die Grenze und über den besonderen Menschenschlag, der hier lebt, informieren möchte, würde in dem kleinen Museum in Renz sicherlich sehr viel klüger werden können.

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