Schulneubau

Geduldsfaden ist gerissen: Kommune trennt sich von Ratgeber

Geduldsfaden ist gerissen: Kommune trennt sich von Ratgeber

Geduldsfaden ist gerissen: Kommune trennt sich von Ratgeber

Tondern/Tønder
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Die Kommune Tondern hat nun das Beratungsunternehmen, nach deren Vorstellung die Schule in Scherrebek gebaut wird, von ihrem Vertrag entbunden. (Archiv) Foto: Monika Thomsen

Die Kommune Tondern ist weder finanziell noch was die Qualität anbelangt mit Friis & Moltke zufrieden. Laut einem mehrheitlichen Beschluss wird die Zusammenarbeit unverzüglich beendet.

Ende Februar 2018 wurde der Entwurf des Architekturbüro Friis & Moltke für eine neue Schule in Scherrebek/Skærbæk unter drei Mitstreitern als Sieger präsentiert. Rund zweieinhalb Jahre später hat die Kommune Tondern umgehend der Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen aus Aarhus einen Riegel vorgeschoben.

Verzögerungen und Verteuerungen

Bei dem millionenschweren Bauvorhaben ist es wiederholt zu Verzögerungen und Verteuerungen gekommen. Die Bausumme von 90 Millionen Kronen ist mittlerweile bei 107 Millionen Kronen gelandet.

Der kommunale Finanzausschuss und nachfolgend der Kommunalrat sind am Donnerstag mehrheitlich zu der Entscheidung gekommen, die Reißleine zu ziehen. Claus Hansen von der Liberalen Allianz votierte dagegen, während sich Anette Abildgaard Larsen (Konservative Volksparteil) sowie Jens Møller (parteilos) der Stimme enthielten.

Notwendig, damit es vorangeht

Die Politiker sind der Auffassung, dass dieser Schritt notwendig ist, um das Bauvorhaben weiter voranschreiten zu lassen. Als Termin für die Fertigstellung wird weiterhin der 15. Dezember angepeilt. Ursprünglich hätte die neue Schule zum August fertig sein sollen. Danach wurde der Oktober ins Auge gefasst.

Erst im Juni hatten die Politiker einer Nachtragsbewilligung in Höhe von 7,8 Millionen Kronen zugestimmt. Davon wurden 1,4 Millionen Kronen als Höchstsumme für die Chefberater vorgemerkt, da das Bauvorhaben in die Verlängerung ging.

Eine halbe Million Kronen auseinander

Die Berater wünschten eine Verrechnung entsprechend des Zeitverbrauchs. Diesen Vorschlag wollte die Kommune nur akzeptieren, wenn es bei dem maximalen Betrag von 1,4 Millionen Kronen blieb.

Bei dem Wunsch der Kommune nach einem festen Preis für die Verlängerung hielt Friis & Moltke an der Forderung von 1,9 Millionen Kronen fest. Alternativ wollte das Unternehmen den Stundenverbrauch in Rechnung stellen.

Der Kommunalrat meint, dass unser Angebot sehr angemessen war. Wenn das Beratungsunternehmen das nicht akzeptieren will, müssen wir gezwungenermaßen andere Wege gehen, um das Projekt abzuschließen.

Henrik Frandsen, Bürgermeister

„Ein Gros der Arbeiten, die in der verlängerten Bauperiode von den Beratern durchgeführt werden müssen, ist bereits in dem ausbezahlten Honorar von 8,5 Millionen Kronen enthalten. Der Kommunalrat meint, dass unser Angebot sehr angemessen war. Wenn das Beratungsunternehmen das nicht akzeptieren will, müssen wir gezwungenermaßen andere Wege gehen, um das Projekt abzuschließen“, sagt Bürgermeister Henrik Frandsen (Venstre).

Im März stand im Beisein vieler Menschen das Richtfest auf dem Programm. Foto: Elise Rahbek

Baustopp dreimal angekündigt

Im Kielwasser der kommunalen Abweisung der Forderung hat Friis & Moltke dreimal einen Baustopp angekündigt, wenn die Kommune nicht den geforderten Preis bezahlt.

Diese Drohung wollen sich die Politiker nun nicht mehr gefallen lassen.

„Es ist unhaltbar, dass unsere Chefberater wiederholt damit drohen, die Arbeiten einzustellen. Daher sind wir gezwungen, die Zusammenarbeit zu beenden. Wir tragen den Bürgern gegenüber Verantwortung, und daher soll das Vorankommen des Bauprojekts am bestmöglichen gesichert werden“, sagt Henrik Frandsen.

Die Zusammenarbeit lässt zu wünschen übrig

„Wir müssen leider sagen, dass Teile der Zusammenarbeit nicht zufriedenstellend verlaufen sind. Das betrifft sowohl Beratung als auch die finanzielle Seite“, erklärt er.

Die Kommune ist auch nicht mit den jüngsten Rechnungen zufrieden. Der Vereinbarung zufolge sollte das Unternehmen für die Bauleitung, die Koordinierung und die Klärung von Herausforderungen und Fragen monatlich 175.000 Kronen beziehen. Laut Kommune standen auf der Rechnung im Juni 350.000 Kronen.

Bei der ersten Verlängerung des Baus bis zu den Herbstferien lautete die erste Meldung der Berater, dass dies keine zusätzlichen Kosten auslösen würde.

Drei Monate später habe Friis & Moltke dann mitgeteilt, dass sie ein zusätzliches Honorar haben wollen. „Darüber wundern wir uns doch“, so Frandsen.

Kein Baustopp

Der Abbruch der Zusammenarbeit bedeute keinen Baustopp, wie Frandsen dem „Nordschleswiger“ sagt.

„Wir nehmen Kontakt zu unseren Handwerkern auf, damit es weitergeht. Wenn ein Bedarf für Beratung entsteht, können wir uns mit Unterstützung von außerhalb eindecken. Ich erwarte nicht, dass dies das Vorhaben zusätzlich verzögern wird“, so Frandsen.

Die Kommune geht davon aus, dass es zu einem Schiedsverfahren kommen kann, da beide Parteien Forderungen aneinander stellen.

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