Gastronomie

Helle Thomsen: Eine energische Frau mit vielen Talenten

Helle Thomsen: Eine energische Frau mit vielen Talenten

Helle Thomsen: Eine energische Frau mit vielen Talenten

Havneby
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Weil sie keine Köchin oder Koch finden konnte, musste Helle Thomsen drei Jahre selbst in der Küche wirbeln. Foto: Brigitta Lassen

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Die überzeugte Insulanerin ist Hotel- und Gaststättenbesitzerin und vieles mehr. Sie ist mit einem deutschen Kochbuch unter die Autoren gegangen. Ein Zweites ist in der Vorbereitung, verrät die ehemalige Schülerin der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern. Auch zur Diskussion über den geplanten Bau von Hotels auf ihrer geliebten Insel Röm hat sie eine Meinung.

Helle Thomsen von Röm (Rømø) ist vielseitig beschäftigt. Sie ist unter anderem Köchin, Konditorin, Hotel- und Restaurantbesitzerin sowie Reiterin. Die 47-Jährige kann jetzt auch Schriftstellerin in ihren Lebenslauf schreiben. Die zweisprachige Insulanerin hat kürzlich ein Kochbuch in deutscher Sprache („Helle kocht“) herausgegeben.

Das kleine, handliche Buch ist gespickt mit Rezepten, nach denen besonders ihre deutschen Gäste fragen, und mit Anekdoten von der Familie Thomsen. Und ein Zweites würde sie in Angriff nehmen, versichert sie, jetzt, wo sie endlich einen Koch gefunden hat. Wieder mit ihren Rezepten, aber dieses Mal mit Geschichten aus der Familie ihrer deutschstämmigen Mutter.

Das Inventar erzählt von der Seefahrtgeschichte der Insel. Auch Helle Thomsens Vorfahren waren Walfänger. Foto: Brigitta Lassen

Sieben Jahre an der Ludwig-Andresen-Schule

Helle Thomsen beherrscht Dänisch und Deutsch gleichermaßen gut. Mit ihrem Vater spricht sie dänisch. Sie ist die 15. Generation der Thomsen-Familie auf der Insel. Mit ihrer Mutter Ute spricht sie deutsch. Diese war früher Lehrerin an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern und so kam es, dass die Tochter ihre ersten sieben Schuljahre dort verbrachte. Danach wechselte sie für ein Jahr an die Inselschule. Die achte und neunte Klasse absolvierte sie an der kommunalen Schule in Scherrebek (Skærbæk). 

Bockiger Teenager geht nach Stuttgart

Als Jugendliche wusste sie nicht, was sie werden wollte. Sie verwarf alle Vorschläge. „Natürlich bockig, wie es einer pubertierenden Jugendlichen entspricht“, erzählt Helle Thomsen lachend. 

Kurzerhand nahm eine befreundete Familie aus Stuttgart, die auf Röm Urlaub machte, sie mit nach Baden-Württemberg. Dort blieb Helle Thomsen sechs Jahre, wo sie 1.000 Kilometer vom Elternhaus und ihrer geliebten Insel entfernt von ihren Deutsch-Kenntnissen profitierte. In Stuttgart machte sie zunächst eine Lehre als Konditorin und ging anschließend in die Kochlehre.

Mit Unterstützung von Matthias Winter aus Hannover entstand das Buch „Helle kocht“. Foto: Brigitta Lassen

Mit beiden Abschlüssen im Gepäck zog es die Nordschleswigerin wieder zurück in die Heimat. Denn Helle Thomsen ist überzeugte Insulanerin. „Uns verpflanzt man nicht einfach so.“ Ihre spätere Laufbahn sollte sie in die Gastronomie führen. 

Sie pachtete zunächst in Kongsmark ein Sommerrestaurant (Hotel Rømø). Dann rief Helle Thomsen aber den Besitzer ihres heutigen Hotels an und bot ihm an, ihm seinen Betrieb abzukaufen. Der Eigentümer war überrascht, denn er wollte die Gastwirtschaft und das Hotel mit den elf Zimmern gar nicht veräußern. 

Seit 2003 besitzt Helle Thomsen den Havneby Kro. Foto: privat

Bis Helle Thomsen ihm erzählte, dass sein Pächter „das Weite gesucht hatte“. Mit dieser Neuigkeit überraschte sie den nicht auf der Insel wohnhaften Inhaber. Helle Thomsen kaufte das Anwesen. Die energische Frau, die Röm über alles liebt und die Insel auch nie verlassen will, wurde somit im Herbst 2003 mit 27 Jahren Hotel- und Restaurantbesitzerin. 

Eröffnung im kleinen Format zu Ostern 2004

Ihr Vater Sigurd machte sich sofort an die Arbeit und übernahm die Renovierung des historischen Krugs, der 1893 die Anerkennung als königlich privilegierter Krug bekam. Zu Ostern 2004 konnte im kleineren Umfang geöffnet werden. „Uns standen anfangs nur ein kleiner Raum, die Schankstube und eine intakte Küche zur Verfügung“, erinnert sich Helle Thomsen.

Die vergangenen drei Jahre nutzte sie, ihrer Leidenschaft für das Schreiben nachzugehen. In der Schule liebte sie es, Aufsätze zu schreiben. „Ich schreibe am liebsten auf Deutsch. Ich kann mich in dieser Sprache besser ausdrücken: Und dänisch klingt in meinen Ohren so hart“, erzählt sie. 

Unterstützung vom Stammgast

Mit Unterstützung von Martin Winter – er ist seit Jahren überzeugter Röm-Urlauber, Stammgast im Krug und IT-Dienstleister für Grafik- und Webdesign mit eigenem Büro aus Hannover, entstand das Buch „Helle kocht“. Dazu drehte Winter auch Videos von Helle Thomsen, die sie auf YouTube in ihrem Element zeigt. Das Buch entstand in Etappen. Wenn Winter Urlaub auf der Insel machte, ging es weiter. 

Wertvolle Unterstützung beim Schreiben des Buchs fand Helle Thomsen bei Matthias Winter. Foto: Brigitta Lassen

„Die Rückmeldungen auf mein Buch sind gut. Die Buchkäuferinnen und -käufer haben mir mitgeteilt, dass das Nachkochen gelungen ist.“

Matthias Winter ist ebenfalls mit dem Ergebnis zufrieden. „Das Buch ist eine schöne Erinnerung, die man sich nach seinem Röm-Urlaub als Andenken mit nach Hause nehmen oder auch verschenken kann. Es ist nicht zu dick und nicht zu schwer“, so Winter

Ausritte an den Strand und in die Heide bietet Helle Thomsen auch an. Foto: privat

Helle Thomsen kennt die Insel wie ihre Westentasche. Sie nimmt Urlaubsgäste auch mit auf einen Ausritt an den Strand, in den Wald oder auf die Heide mit. Die Thomsens haben ihren eigenen Reiterhof, der auch als Familienunternehmen betrieben wird. Ihr mittlerweile 82 Jahre alter Vater hat dort noch das Sagen. So ganz aus der Hand kann er die Zügel nicht geben, bis er den Reiterhof an seine beiden Töchter abgeben will.

Man kann so viel für die Insel typische Natur finden.

Helle Thomsen

Es gebe ausreichend Plätze unberührter Natur auf der Insel, versichert Helle Thomsen und widerspricht damit Behauptungen, dass Röm auf Kosten der Natur verbaut worden sei. „Man kann viel der für die Insel typischen Natur finden. Daher halte ich auch die geplante Weiterentwicklung des Tourismus für sehr positiv. Schade finde ich aber den hitzigen Ton, in dem die Diskussion geführt wird“, bedauert die Gastronomin.

Deutscher Investorenkreis auf Röm

Nachdem deutsche Investoren 36 kleine Sommerhäuser in Kongsmark gebaut haben, die auch für viel Wirbel sorgten, sollen auf der Insel ein Badehotel in Lakolk und ein Hotel und Konferenzcenter in Havneby gebaut werden. In beiden Fällen kommt die Investierenden auch aus Deutschland. Sie habe kein Problem damit. Sie habe eine deutsche Mutter, einen deutschen Ehemann, beschäftige Deutsche und habe viele Stammgäste aus Deutschland.

„Ich hätte nichts dagegen, wenn neue Hotels gebaut werden. Ich fürchte nicht die Konkurrenz. Heute kehrt Ende November wieder Ruhe auf der Insel ein, wenn die meisten Urlaubsgäste Röm verlassen haben, um dann im Dezember zurückzukehren, um die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr wiederzukommen. So ist die Saison länger geworden. Früher gingen die „Lichter“ schon Mitte Oktober aus“, weiß die 47-Jährige. Mit neuen Hotels könne der Ganzjahrestourismus angekurbelt werden, ist sie sich sicher.

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