Nominierung

Bock: „Das Zusammenleben auf beiden Seiten der Grenze ist eine riesige Inspiration“

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Nordschleswig
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Die dänische Kulturministerin Mette Bock nominiert das Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland zum immateriellen Welterbe.

Das deutsch-dänische Grenzland soll auf der UNESCO-Welterbe-Liste stehen. Das meint die dänische Kulturministerin Mette Bock (Liberale Allianz), die entschieden hat, dass Dänemark die Region erstmalig auch für die besagte Liste nominiert. Ihr zufolge könne man anderswo vom einzigartigen deutsch-dänischen Grenzland lernen.

„Das Zusammenleben zwischen Mehrheit und Minderheit auf beiden Seiten der Grenze ist in einer Welt mit vielen Grenzkonflikten eine Inspiration“, so Bock zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Die Bearbeitung des Antrags wird im kommenden Jahr, zum 100. Jahrestag der Grenzziehung, abgeschlossen sein. Sollte der Antrag genehmigt werden, dann passt das laut Bock zeitlich hervorragend. „Ich könnte mir kein schöneres Geburtstagsgeschenk vorstellen“, sagt sie.

Auch bei den Minderheitenverbänden BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger) und SSF (Sydslesvigsk Forening) freut man sich über die Entscheidung der Ministerin.

„Wir haben in den vergangenen 99 Jahren in unserem Grenzland etwas aufgebaut, das bereits heute anderen europäischen Regionen mit Minderheiten als Inspirationsquelle dient. Deshalb liegt es auf der Hand, unser Minderheitenmodell auf die Liste der UNESCO für gute Praxisbeispiele aufzunehmen. Wir sind sehr dankbar, dass die dänische Regierung nun stellvertretend für beide Staaten den Vorschlag an die UNESCO heranträgt”, erklärt der SSF-Vorsitzende Jon Hardon Hansen in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Ein langer Prozess

Der BDN-Vorsitzende Hinrich Jürgensen unterstreicht, dass dem guten Zusammenleben von Dänen und Deutschen ein langer Prozess vorausgegangen ist: „Es wäre die Krönung für die Arbeit von Generationen, wenn unser Minderheitenmodell im Jubiläumsjahr 2020 diesen besonderen Status erlangt. Deutsche wie Dänen im Grenzland haben mit viel Herzblut für gegenseitige Verständigung geworben und gekämpft. Dies ist ihr Verdienst.”

Der SSF und der BDN hatten vor einem Jahr gemeinsam bei der schleswig-holsteinischen Landesregierung und der dänischen Staatsregierung beantragt, das friedliche und gute Zusammenleben zwischen Mehrheiten und Minderheiten an der deutsch-dänischen Landgrenze als Kulturerbe aufzunehmen. Zuletzt hatte die deutsche UNESCO-Kommission im November 2018 beschlossen, dieses als nationales immaterielles Kulturerbe anzuerkennen.

Auch Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) freut sich, dass die Kulturministerin das Potenzial des einzigartigen Zusammenlebens im Grenzland schätzt. „Auf die UNESCO-Liste aufgenommen zu werden, wäre etwas Großartiges für die Bevölkerung auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit genießt eine hohe Priorität bei uns in der Kommune“, so Andresen.

Sollte das Grenzland einen Platz auf der Welterbe-Liste bekommen, dann steigt auch das öffentliche Interesse für die dänische Kultur, schätzt die Ministerin. „Für unser Selbstbewusstsein und für den Tourismus ist ein Platz auf der UNESCO-Liste von großer Bedeutung“, so Bock.

Dänemark ist bislang siebenmal auf der Welterbe-Liste vertreten. Dazu gehören unter anderem Christiansfeld, der Jellinge-Stein und das Naturerbe Wattenmeer der Westküste.

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