BDN-Delegiertenversammlung

Minderheit: Was du schon immer mal fragen wolltest

Minderheit: Was du schon immer mal fragen wolltest

Minderheit: Was du schon immer mal fragen wolltest

Tingleff/Nordschleswig
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Kurze Pause für Versammlungsleiter Rainer Naujeck, hier im Gespräch mit der Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins, Anke Tästensen. Foto: Gwyn Nissen

Der Bund Deutscher Nordschleswiger stellte sich in Tingleff den Fragen der Delegierten. Der Nordschleswiger, der Deutsche Schul- und Sprachverein sowie Projektförderung waren Themen.

So manche Generalversammlung in den Verbänden der deutschen Minderheit in Nordschleswig verläuft ohne jegliche Fragen oder Diskussionen, doch bei der Delegiertenversammlung des Bundes Deutscher Nordschleswiger am Dienstagabend in der Deutschen Nachschule Tingleff, hagelte es die Fragen nur so.

Vor allem, weil die 105 Delegierten unter dem Punkt „Was du schon immer mal fragen wolltest“ dazu direkt aufgefordert wurden – und die Möglichkeit fleißig nutzten.

Noch vor der Fragerunde hatte Matthias Alpen, Pastor und Senior der Nordschleswigschen Gemeinde, eine Nachfrage zur Zukunft des „Nordschleswigers“, dessen Umstellung auf ein rein digitales Nachrichtenmedium ab Februar 2021 der Bund Deutscheer Nordschleswiger (BDN) vor einem Jahr beschlossen hatte.

Alpen bat erneut um ein Umdenken des Beschlusses. „Eine Wochenzeitung würde unserer Ansicht nach viele Probleme lösen.“ Ihm und der Nordschleswigschen Gemeinde mit ihren auch älteren Mitgliedern, denen eine Umstellung auf ein rein digitales Angebot teils schwerfalle, gehe es auch um die physische Sichtbarkeit der Minderheit.

Man habe, so Alpen, die Entscheidung des BDN verstanden. „Doch unsere Frage ist trotzdem: Ist es nicht irgendwie möglich, das Thema noch einmal zu behandeln und die Kosten für eine Wochenzeitung noch einmal genauer zu diskutieren?

Als Kirche gehe man in Sachen Kommunikation zunächst einmal eigene Wege, „wir werden unsere Öffentlichkeitsarbeit umorganisieren“.

Jürgensen: Können nicht mit zwei Systemen weiterfahren

Hinrich Jürgensen gab als Hauptvorsitzender des BDN seine Antwort im Anschluss: „Ja, es ist wichtig, gemeinsame Lösungen zu finden“, so der BDN-Chef. Er habe sich am Dienstag daher noch mal komplett „frische“ Zahlen zur Wochenzeitung bestätigen lassen.

Könnte man also finanziell weiterfahren mit zwei Systemen, der digitalen Ausgabe und der Wochenzeitung? Nein, so Jürgensen, die Kosten für Druck, Papier und Vertrieb könne man bei einem Wochenblatt – eine statt sechs Ausgaben die Woche – nämlich nicht einfach nur durch sechs teilen. Lediglich durch drei. Die Kosten würden sich auf etwa drei Millionen Kronen jährlich belaufen. Dieses Geld müsste man von woanders in der Minderheit nehmen, so Jürgensen, etwa von den Schulen.Gäbe es also eine Wochen(end)zeitung mit neu aufgelegten Geschichten und Hintergrundberichten, müsste man für die Redaktion des „Nordschleswigers“ mit drei bis vier Mitarbeitern zusätzlich rechnen. So stünden die Höhe der Kosten und die Zahl der (geschätzten) Abonnenten bei einer einmal in der Woche erscheinenden Zeitung in keinem Verhältnis, meint Jürgensen.

Rege Gespräche bei der Delegiertenversammlung des Bundes Deutscher Nordschleswiger in der Nachschule in Tingleff. Foto: Gwyn Nissen

Neun Fragen gingen unter dem Tagesordnungspunkt 6 ein:

Frage 1: Kann das Reiseschwein (Zweck: Kein Kind ohne Ferien) mit Mobile Pay gefüttert werden? Diese Frage war zuvor schon beantwortet worden: Ja, aber bitte den Verwendungszweck angeben!

Frage 2: Ist die Schleswigsche Partei neutral oder wünscht man, dass Venstre weiter die Regierung stellt?
Carsten Leth Schmidt, SP-Vorsitzender: „Ja, aber dann doch nein. Nein, wir zeigen nicht auf Venstre als solche, aber wir zeigen schon auf einige Parteien, insbesondere die, die über die Mitte hinweg zusammenarbeiten wollen, auch auf die kleinen. Wir sind also nicht ganz neutral, aber keine besondere Empfehlung für Venstre.“

Frage 3: Wie positionieren sich das Kopenhagener Sekretariat und die Schleswigsche Partei zu möglichen neuen Parteien im Folketing?
Jan Diedrichsen, Leiter des deutschen Sekretariats in Kopenhagen: „Vielleicht kombiniere ich das mit der vorherigen Frage. Das Wichtigste ist, dass wir mit allen demokratisch gewählten Parteien zusammenarbeiten können und müssen. In der deutschen Minderheit gibt es Menschen, die alle Parteien wählen, und für die muss auch Platz sein. Wo es dann bei neuen Parteien anfängt, schwierig zu werden, sind Parteien wie Stram Kurs. Auch demokratisch gewählt, aber mit Äußerungen, die so weit entfernt von demokratischen Grundwerten sind, dass ich doch ausschließen würde, dass man mit solchen Parteien zusammenarbeitet.

Frage 4: Hat der Deutsche Schul- und Sprachverein (DSSV) einen Plan, um mehr Lehrer in Nordschleswig anzusiedeln?
Welm Friedrichsen, DSSV-Vorsitzender: „Einen Plan haben wir nicht. Wir haben das im Hauptvorstand besprochen. Es ist aber kein Beschluss gefasst. Es ist nicht so ganz einfach, darüber sind wir uns einig im Hauptvorstand. Wir haben sehr viele Lehrkräfte aus Schleswig-Holstein, die zu unseren Schulen kommen, die in Deutschland ausgebildet sind, aber auch viele, die in Dänemark ausgebildet sind. Wir bringen beide Kulturen zusammen. Ich tue mich etwas schwer damit. Das kann nur über freiwillige Absprachen funktionieren. Ich denke, eine Verpflichtung ist hier nicht möglich, man sollte die freie Wahl weiter lassen.“

Frage 5: Gibt es für die Minderheit ein professionell geführtes Förder-Management, an das sich Verbände wenden können?
Uwe Jessen, Generalsekretär des BDN: „Ja, es gibt ein professionelles Team. Wir unterstützen beim Suchen nach Ideen und nach Unterstützung bei sinnvollen Projekten. Das geschieht nicht durch eine Person, sondern durch ein Team mit unterschiedlichen Kompetenzen. Es wird durchaus abgesprochen, wer sich an welchen Topf wendet. Wir überlegen uns gut, dass nicht drei Verbände eine Stiftung anschreiben, das muss man ausreichend koordinieren.

Frage 6: Was sind die Werte der Minderheit?
Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptvorsitzender: „Ich glaube nicht, dass wir konkret eine Wertegrundlage auf Papier haben. Momentan läuft ein Strategieprozess, dort wird es auch ein Abschlussseminar geben, und da werden wir sicher priorisieren, was uns wichtig ist. Mein Bauchgefühl sagt: die Sprache, dieses Wir-Gefühl, Zusammenarbeit in der Minderheit, jeder kennt jeden. Und für mich ist Minderheit auch Heimat und Geborgenheit.

Frage 7: Bleibt eine W!R-Beilage in irgendeiner Form erhalten?
Gwyn Nissen, Chefredakteur „Der Nordschleswiger“: Es ist geplant, eine Monatsbeilage zu machen, zwölfmal im Jahr, das Konzept ist aber noch nicht erarbeitet. Die W!R-Beilage machen wir jetzt für den BDN, der BDN bestimmt den Inhalt. Wenn wir das Monatsmagazin machen, bestimmen wir in der Redaktion des ,Nordschleswigers‘. Wie das nachher aussehen wird, ist auch eine Kostenfrage. Wir wollen auf jeden Fall ein schönes, aktuelles und gutes Lesemagazin machen.

Frage 8: Wie viele Mitarbeiter verlieren beim „Nordschleswiger“ ihren Job?
Gwyn Nissen, Chefredakteur: „Wir haben die ganze Zeit offen über und mit den Mitarbeitern über diesen Prozess gesprochen. Auch daher dauert es zweieinhalb Jahre bis zur Umstellung. Wenn wir zum Beipsile keinen Zeitungsvertrieb mehr haben, dann benötigen wir auch niemanden, der für den Vertrieb zuständig ist. Es gibt also einige Mitarbeiter, die in einer Gefahrengruppe sind, aber das wissen sie.

Wir wissen noch nicht, wie und ob es zum Beispiel Fremdanzeigen geben wird. Haben wir dann noch einen aktiven Anzeigenverkauf? Das wissen wir nicht, das sprechen wir aber offen an.

Die Redaktion bleibt intakt, so wie sie ist, auch die Lokalredaktionen bleiben, wie sie sind. Wir haben darüber hinaus einen natürlichen Abgang, wir haben einige Mitarbeiter in den 60ern, die uns in den nächsten Jahren verlassen werden. Wir werden zum Teil andere Jobs haben. Wir haben jetzt beispielsweise eine Cross-Media-Mitarbeiterin. So ändern sich einige Jobfunktionen.

Frage 9: Nachfrage zu den konkreten Zahlen und Kosten zum Zeitungs-Abo:
Hinrich Jürgensen: 3,4 Millionen Kronen beträgt der Unterschuss der Papierzeitung heute. Inklusive der 2,5 Millionen, die wir vom Staat erhalten, und die wegfallen. Das ist der Jetzt-Zustand. Meine Frage an euch ist also: Wie hoch soll denn das Abo für eine Wochenzeitung sein? Sollen wir 1.500 oder 2.000 oder 3.000 Kronen im Jahr nehmen? Wer würde das tun? Wie viele würden das bezahlen? Heute kostet das Abo 2.600 Kronen. Allein bei einer Steigerung von 100 Kronen springen regelmäßig Leser ab. Das ist das, was Fakt ist.

Bonus-Frage Nummer 10: Wer wird der nächste Staatsminister in Dänemark?
Rainer Naujeck, Versammlungsleiter: „Das bestimmt ihr, das bestimmen wir. Da wir sehr unterschiedlich in unseren Haltungen sind: Jeder mache das Beste draus.

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