Coronavirus

So hat sich die Familienberatung während Corona verändert

So hat sich die Familienberatung während Corona verändert

So hat sich die Familienberatung während Corona verändert

Kim Malin Bethke
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Eigentlich veranstaltet der Sozialdienst Nordschleswig viele Events wie z.B. auf diesem Bild einen Strickkurs. Wegen Corona mussten die meisten Veranstaltungen jedoch abgesagt werden. Foto: Karin Riggelsen

In der Corona-Krise standen sie nicht nur Familien und Jugendlichen, sondern auch Senioren tatkräftig zur Seite und unterstützten, wo sie nur konnten: Die Familienberaterinnen des Sozialdienstes Nordschleswig.

Die Arbeit der Familienberaterinnen des Sozialdienstes Nordschleswig hat sich in den vergangenen Wochen aufgrund der äußeren Umstände verändert. Das hatte sowohl positive als auch negative Auswirkungen.

Wie funktionierte die Kommunikation während Corona?

In der Corona-Zeit wurde vor allem über Telefonate kommuniziert. „Telefonkontakte können aber keine physischen Kontakte ersetzen“, erklärt Ilka Jankiewicz, Familienberaterin in der Kommune Tondern. Besonders bei Senioren ist der Bedarf nach richtigen Treffen und Begegnungen über die Wochen hinweg gewachsen. Doch auch jüngere Leute litten an großem Einsamkeitsgefühl. Mit den Beraterinnen kommunizierten diese jedoch eher über soziale Medien wie SMS und E-Mails. „In einem Telefonat können sich jüngere Menschen nicht so sehr öffnen, das fällt ihnen beim Schreiben leichter“, hat Sabine Dehn Frerichs, Familienberaterin in der Kommune Sonderburg, festgestellt.

Ein Vorteil bei der Kommunikation übers Telefon war, dass die Familienberaterinnen ihr Gegenüber bereits im Vorfeld kannten. Dadurch war von Anfang an eine Vertrauensbasis geschaffen, durch die Gespräche ganz von selbst länger wurden und in die Tiefe gingen.

Die Situation in Familien mit Kindern

Eine besonders große Umstellung war es für Familien mit Kindern, die sich durch das Zuhausebleiben während Corona ganz neu orientieren mussten. „Für viele war die Arbeit im Homeoffice und die Erziehung der Kinder ein Balanceakt“, erzählt Ilka Janiewicz von ihren Erfahrungen.

Für viele war die Arbeit im Homeoffice und die Erziehung der Kinder ein Balanceakt.

Ilka Jankiewicz, Familienberaterin in der Kommune Tondern

Nicht selten kam es zu Konflikten – zwischen Eltern und Kind, aber auch in der Ehe. Insbesondere Kinder, deren Eltern zu einer Risikogruppe zählen, hatten Schwierigkeiten mit ihrem sozialen Umfeld. Der Kontakt zu Spielkameraden fehlte.

Gab es auch positive Effekte, die aus der Corona-Krise resultieren?

Über die Zeit etablierten sich neue Gewohnheiten, die von den Familienberaterinnen auch in Zukunft beibehalten werden. Zum Beispiel das Spazierengehen statt dem steifen Gegenübersitzen im Wohnzimmer. Karin Hansen-Osmanoglu ist Familienberaterin in der Kommune Apenrade und nutzt die Methode des „Walk & Talk“ schon länger, vor allem mit Schülerinnen und Schülern. Bei einem lockeren Spaziergang öffnen diese sich viel eher.

Den Leuten ist bewusst geworden, wie wichtig unsere Arbeit ist.

Hans Grundt, Abteilungsleiter des Sozialdienstes Nordschleswig

Außerdem wird die Arbeit des Sozialdienstes nicht mehr für selbstverständlich genommen. „Den Leuten ist bewusst geworden, wie wichtig unsere Arbeit ist“, erklärt Hans Grundt, der Abteilungsleiter des Sozialdienstes.

Das Zurückkehren in die Normalität zeigt aber auch, was während der Zeit im Homeoffice nicht so gut geklappt hat. „Die Behördenarbeit war schwierig und aufwendig“, findet Ilka Jankiewicz und ihre Kolleginnen stimmen dem zu. Der direkte Kontakt sei viel einfacher, zumal die Behörde ebenfalls im Homeoffice saß und sich Prozesse dadurch verkomplizierten.

Letztendlich stellen die Familienberaterinnen fest: Der Weg zurück ins „normale“ Leben ist fast genauso schwierig wie der Weg in die Abgeschiedenheit der Corona-Quarantäne. Dennoch nehmen sie aus dieser Zeit wertvolle Erfahrungen mit.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„100 Jahre Mehrwert“