Start-Up aus Flensburg

20-jähriger entwickelt selbstlernende Chatbots für Unternehmen

20-jähriger entwickelt selbstlernende Chatbots für Unternehmen

20-jähriger entwickelt selbstlernende Chatbots

SHZ
Flensburg
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Alexander Claas wollte schon in der Schulzeit seine eigene Firma gründen. Foto: Annika Kühl / SHZ

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Schon als Schüler wollte Alexander Claas seine eigene Firma gründen. Ein paar Jahre später ist sein Traum nun Wirklichkeit geworden. Den Durchbruch brachte ein Chatbot, der wie „Alexa“ kommunizieren kann.

Er war zwölf Jahre alt, als er seine erste Erweiterung für ein Computer-Spiel programmierte: Alexander Claas (inzwischen 20 Jahre) spielte damals leidenschaftlich gerne „Minecraft“ und kam darüber zum ersten Mal mit dem Programmieren in Berührung. „Das meiste habe ich mir selbst beigebracht“, sagt er.

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Noch in der Schule will Claas seine eigene Firma gründen, sucht das erste Mal das Gespräch mit dem Technologiezentrum. Allerdings muss er seine Pläne nochmal ein wenig verschieben: „Neben der Schule hat man ja doch nicht so viel Zeit“, räumt er ein. Gut zwei Jahre später, genau seit Juni dieses Jahres, sitzt er in seinem ersten eigenen Büro – und versorgt eine Reihe namhafter zahlender Kunden.

Chatbot nach Baukasten-Prinzip

Und zwar mit „Chatcaptain“, einer Plattform für Chatbots. Hier können sich Kunden entweder selbst nach dem Baukasten-Prinzip ihren eigenen Chatbot zusammenstellen – ganz ohne Programmierkenntnisse. Alternativ programmiert Claas eine auf die Kundenwünsche zugeschneiderte Software. Dabei funktioniert der Chatbot wie „Alexa“: Mit Künstlicher Intelligenz (KI) antwortet er auf nahezu jede Frage, selbst, wenn diese nicht bestimmte Schlagwörter erhält. Nur zum Witzeln oder Smalltalken ist der künstliche Chatpartner eigentlich nicht gemacht.

„Das ist gedacht für Unternehmen, die das auf ihrer Website für den Kundenservice einsetzen können“, erklärt Claas. „Der Chatbot antwortet in ein bisschen über zwei Sekunden. Das wird ein Mensch nie schaffen können.“ Und: „Ein Livechat wird deutlich häufiger genutzt wird, als ein Kontaktformular.“


Durch die Kommunikation mit den Nutzern lernt die intelligente Software über die Zeit dazu. Aber auch schon ohne Praxiserfahrung kann der Chatbot aus dem Stehgreif auf verschiedenste Fragen antworten: „Im Hintergrund sind Trainingsdaten, also Beispielfragen, die ein Nutzer fragen könnte“, erklärt der Gründer. „Je mehr Fragen hinterlegt sind, desto besser.“ Gute Chatbots hätten einige Tausende Daten, auf die sie zurückgreifen könnten.

Wenn nicht ganz klar ist, was der Nutzer möchte, fragt der Chatbot nach. „Das Schlimmste, was beim Chatbot passieren kann, ist, dass die falsche Antwort kommt. Dann fühlt man sich als Nutzer komplett missverstanden“, so Claas.

Chat antwortet auch im Messenger

Der Chat lässt sich beispielsweise auch im Facebook Messenger oder bei Telegram nutzen. Somit könnte er beispielsweise auch für Terminbuchungen bei Friseuren verwendet werden, erklärt der 20-Jährige. Entsprechend divers ist sein Kundenstamm, von Onlineshops bis zu Industriefirmen sei alles dabei. Je nach Umfang zahlen die Kunden ab 30 Euro im Monat für die Plattform. „Auf jeden Fall ist es deutlich günstiger, als ein Mitarbeiter und langfristig sowieso“, sagt Claas.

Parallel studiert der Flensburger übrigens noch Wirtschaftsinformatik an der Hochschule: „Das Programmieren fällt mir relativ leicht, aber der BWL-Teil hilft einem natürlich bezogen auf das Start-Up nochmal weiter“, sagt Claas. Langfristig will sich der Jungunternehmer aber voll und ganz auf sein Unternehmen konzentrieren – und seinen „ChatCaptain“ noch weiter in den Alltag der Flensburger integrieren.

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Kerrin Jens
Kerrin Jens Hauptredaktion
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