„Arme reiche Insel“

„Mal Dampf ablassen“: Jörn Ingwersen schreibt kritische Gedichte über Sylt

„Mal Dampf ablassen“: Jörn Ingwersen schreibt kritische Gedichte über Sylt

Kritische Gedichte über Sylt: „Mal Dampf ablassen“

SHZ
Morsum
Zuletzt aktualisiert um:
Das Cover von Jörn Ingwersens Gedichtband: Arme reiche Insel. Foto: Frank Deppe / SHZ

Diesen Artikel vorlesen lassen.

Ein Jahr lang schrieb der Morsumer Autor täglich ein Gedicht. Eine Auswahl davon hat er nun mit eigenen Zeichnungen veröffentlicht.

Schon im Vorwort signalisiert der Autor, dass den Leser auf den nachfolgenden Seiten keineswegs nur lyrischen Verklärungen erwarten: Seit seiner Kindheit, so Jörn Ingwersen, habe sich auf Sylt viel verändert – „die meisten sagen: zu viel“. Und auch der Titel des in Leinen gefassten Gedichtbands spricht Bände: „Arme reiche Insel – Reimereien“.

Viele Sylter und auch eine Reihe Sylt-Urlauber kennen Jörn Ingwersen vor allem als vielseitigen Musiker, und so mancher wird sich auch noch an seinen bis dato größten publizistischen Erfolg erinnern: Das war 1996, als Ingwersen mit dem Inselkrimi „Schafsköpfen“ für Furore sorgte – lange Zeit, bevor die Insel und andere Regionen mit Heimatkrimis überflutet wurden.

Weiterlesen: Drei Kapitel über Sylt: Autor Rainer Neumann erzählt in seinem Buch 52 Anekdoten

Dampf ablassen durch Gedichte

Zwei weitere Sylt-Krimis folgten, doch nun wandte sich der gebürtige Sylter der Lyrik zu. Sein Antrieb? „Wenn man kurz mal Dampf ablassen muss, kommt so ein kleiner Achtzeiler ganz gelegen“, schmunzelt der Autor. Ein Jahr lang verfasste Ingwersen Tag für Tag in unterschiedlichen Gefühlslagen jeweils ein Gedicht. Eine Auswahl davon hat er nun veröffentlicht und mit Zeichnungen aus eigener Feder garniert.


Strophen wie „Sie stutzen deine Hecken und sie putzen dich heraus – und quetschen noch das letzte Quäntchen Leben aus dir raus“ oder „Dabei ist die größte Plage, dass in dieser Wohnanlage mit weitem Blick über die Felder, da wohnen meist Bewegungsmelder“ sprechen für sich – doch andererseits werden auch ganz andere Themen wie die Liebe oder die Natur von Jörn Ingwersen mit spielerisch-liebevollen Reimen bedacht.

Weiterlesen: Empfehlungen aus den Insel-Redaktionen

Doch insgesamt steht für den Morsumer („Humor und Häme sind die Waffen des kleinen Mannes“) im Fokus, vor allem „für die Sylter zu schreiben, die wissen, wie es ist, mitansehen zu müssen, wie uns die Heimat entgleitet. Das treibt mich um. Und es tut weh, das zu erleben.“

„Arme reiche Insel – Reimereien“ ist in der „Badebuchhandlung“ in Westerland sowie montags zwischen 15 und 17 Uhr in der Bücherei im Muasem Hüs in Morsum zum Preis von 14,80 Euro erhältlich.

Mehr lesen

Leitartikel

Kerrin Jens
Kerrin Jens Hauptredaktion
„Leute von Nordgaard“