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Ramsharde-Schule: Erster Schultag im Millionen-Neubau

Ramsharde-Schule: Erster Schultag im Millionen-Neubau

Ramsharde-Schule: Erster Schultag im Millionen-Neubau

SHZ
Flensburg
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Auf dem Weg zur neuen Schule: Die Ramsharde-Schülerinnen und Schüler gehen am ersten Schultag gemeinsam zum Neubau. Foto: Michael Staudt / SHZ

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Aufregender erster Schultag für mehr als 300 Schulkinder: Ihre neue Ramsharde-Schule bietet mehr Platz. Vier Klassen des Friholt-Förderzentrums ziehen dazu.

Die Spielgeräte sind noch abgesperrt hinter rot-weißem Flatterband. Ein Bagger – leider nicht zum Spielen steht daneben auf zerfahrener Erde: Noch ist sie nicht ganz fertig, die neue Ramsharde-Schule. Doch fertig genug, um schon drinnen zu lernen. Und so bezogen am Montag mehr als 300 Kinder den Neubau am Katharinenhof. Zusammen mit ihren neuen Mitschülerinnen und Mitschülern von der Friholt-Schule gingen sie mit bemalten Papierblumen in der Hand von ihrer alten Schule an der Bauer Landstraße hin zum Neubau am Katharinenhof. Auf die Blumen haben sie Wünsche für ihre neue Schule geschrieben: „Fair sein“, steht in Kinderhandschrift darauf. Oder: „Ich möchte Spaß haben.“


Die Erstklässler kommen dann am Mittwoch dazu, so dass insgesamt fast 400 Kinder mit der benachbarten Comenius-Schule eine Art Neustädter Bildungszentrum bilden. „Das war eine Punktlandung“, sagt Schulleiterin Kirsten Nissen. „Es muss zwar noch einiges gemacht werden, aber wenn wir gesagt hätten, wir ziehen nach den Herbstferien um, wäre es sicher genauso knapp geworden.“

Das alte, mehr als 100 Jahre alte Schulgebäude war schon länger zu klein und hatte diverse Alterserscheinungen. Bereiche waren gesperrt, zwischenzeitlich besiedelte Schwamm das Dach und die Größe der Turnhalle reichte nur für abgespeckten Sportunterricht.


Und auch sonst wirkte einiges in der alten Schule ungepflegt, abgenutzt und fleckig – und das seit Jahren. Ob der denkmalgeschützte Bau nach dem Auszug der Kinder nun komplett saniert wird, steht noch nicht fest. Denn eine neue Nutzung ist noch unklar. Es soll aber eine Bildungsstätte bleiben.


Fast vier Jahre Planungszeit

„2014 habe ich die ersten Briefe wegen der Mängel geschrieben“, berichtet Kirsten Nissen. Im November 2015 stand fest: So soll es nicht weitergehen, der Neubau wurde politisch beschlossen.


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Nach einem langwierigen Planungsverfahren folgte dann im Sommer 2019 der erste Spatenstich für den Neubau. „Meine Amtszeit begann mit diesem Beschluss“, erinnert sich Oberbürgermeisterin Simone Lange, die den ersten Schulweg der Kinder begleitete. „Es gab auch viel Kritik ob der Kosten, aber man hat hier in das Richtige investiert.“

26 Millionen Euro hat das Gebäude mit großer Turnhalle und Mensa gekostet. Neun Millionen davon kommen aus Fördermitteln. Wegen der hohen Baukosten wurde die Schule gar als „Luxusschule“ bezeichnet.

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Doch auch der Schulleiter der Friholt-Schule, Peter Grunewald, sieht die Summe gut angelegt. Aus dem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung ziehen vier Klassen in den Neubau mit ein. Und es stockt ihm die Stimme, als er sagt: „Es gibt dann kein behindertes Kind mehr, das ohne nicht behinderte Kinder in die Schule geht.“

Für Grunewald ist es ein wichtiger Schritt für mehr Inklusion. Denn auch wenn die Friholt-Klassen ihren eigenen Unterricht bekommen, so biete das gemeinsame Gebäude eine ganz andere Durchlässigkeit. „Für Kinder, die stärker sind als gedacht – und für Kinder, die besser in das kleinere System eintauchen.“ Kirsten Nissen weiß auch gleich ein Beispiel. So komme aktuell ein autistisches Kind erst einmal in die Friholt-Schule und könnte dann später in das allgemeine Schulsystem wechseln.

Graue Architektur

Der langgestreckte Neubau wirkt von außen bislang kaum wie eine Grundschule – grau, rechtwinklig und in zeitgemäß-schnörkelloser Architektur – one style fits all. Drinnen lechzen die weißen Wände geradezu nach Kinderkunst, die Sporthalle riecht noch nach frischverlegtem Boden und die neue Schulbücherei hat zwar schon eine „Sark Kösesi“, eine Kuschelecke im orientalischen Stil, aber bisher nur ein kleines Buchregal. Tür und Zarge fehlen noch.



Doch die Regale in den Klassenräumen waren schon eingeräumt, als die Kinder ankamen. Und so konnten sie sie auch gleich entdecken. Vorher aber heißt es: Schuhe aus. Ein Mädchen aus der Robbenklasse schlüpft in ihre mitgebrachten Rosa-Glitzer-Plüschpuschen. Ihre Mitschüler erkundeten strumpfsock oder mit Crocks den neuen Raum mit grünem Fußboden. „Wir sind jetzt eine Puschenschule“, erklärt Kirsten Nissen. Der Grund sei einerseits den neuen Boden zu schonen, „aber auch, dass die Kinder ankommen und sich wohlfühlen.“

Das scheint gelungen. „Toll und toll!“, lautet das fachkundige Fazit einer Schülerin aus der Robbenklasse. Und ihre Mitschülerin ergänzt: „Es ist toll, dass wir ein neue Schule haben, aber nicht so toll, dass noch nicht alles fertig ist.“

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Kerrin Jens
Kerrin Jens Hauptredaktion
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