Segelyachten und Motorboote

„Run auf die Küste“ – Viele Urlauber mieten Boote an der Flensburger Förde

„Run auf die Küste“ – Viele Urlauber mieten Boote an der Flensburger Förde

Urlauber mieten Boote an der Flensburger Förde

SHZ
Flensburg / Gelting
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Marina Sonwik – die Boote sind in diesem Sommer sehr gefragt. Foto: Marcus Dewanger/shz.de

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Anders als üblich begann die Saison 2021 erst im April. Die Verkürzung hat den Betrieb jedoch nicht nachhaltig beeinträchtigt.

Urlaub im eigenen Land ist dieses Jahr auch dank der Corona-Pandemie hoch im Kurs. Viele Deutsche entscheiden sich dazu, mit dem Camper durchs Land zu fahren anstatt in den Flieger zu steigen. Auch kurze Ausflüge mit gemieteten Booten sind derzeit beliebt, wie die Flensburger Verleiher berichten können.

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„Wir sind ausgebucht bis Ende der Saison“, sagt etwa Stephan Post, der mit Motorbootcharter und Folkebootcharter zwei Unternehmen betreibt, die Boote vermieten. Seit Beginn der Saison im Juni sind Posts Boote fast durchgehend belegt, wie er sagt. „Die Buchungslage ist die gleiche wie im Vorjahr“, so Post weiter.

Saison begann verspätet

Durch die Corona-Beschränkungen hat die Saison dieses Jahr erst im Juni begonnen, üblich wäre der April gewesen. Eine Verlegung der Saison ist schlichtweg nicht möglich. „Irgendwann kommt der Herbst, wir können nichts nachholen“, so Post. Die Buchungen für April und Mai hat er in diesem Jahr verlegen müssen, teilweise wollten die Kunden ihr Geld zurück, mit anderen hat sich Post auf Gutschriften geeinigt.

Die Corona-Pandemie ist für den Bootsverleih ein deutlicher Dämpfer. Bereits im zweiten Jahr konnte Post den Umsatz lediglich halten. Bis 2019 war der Umsatz von Jahr zu Jahr gewachsen. „Wenn alles gut läuft, dann geht es im kommenden Jahr wieder aufwärts“, sagt Post.

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Probleme mit den Corona-Regeln hat Stephan Post bisher nicht. In Übereinstimmung mit der gültigen Landesverordnung sammelt er vor jeder Fahrt Crewlisten ein. Wer mitfährt, muss eines der drei Gs erfüllen: Also genesen, geimpft oder negativ getestet sein. An Bord und im Hafen gibt es zudem ein Hygienekonzept, die Übergabe der Boote erfolgt stets eins zu eins.

Viele Gäste kommen von außerhalb

Auch außerhalb der Stadt sind Boote für kurze Ausflüge gut gefragt: „Wir haben besonders am Wochenende gut zu tun“, sagt Björn Weide, Inhaber des Bootsverleihs Flensburger Förde in Gelting. In diesem Jahr merkt er, dass der Urlaub im eigenen Land immer beliebter wird. „Wir haben auch viele jüngere Gäste hier“, sagt Weide. Er schätzt, dass er einen Zuwachs von 25 Prozent zu verzeichnen hat, die Besucher kämen aus ganz Deutschland, trotz des späten Saisonstarts.

„Die Menschen, die sonst auf Mallorca gewesen wären, entdecken unsere heimischen Küsten für sich“, sagt Weide und spricht von einem „Run auf die Küste“. Etwa ein Drittel der Mieter sei noch unerfahren, dementsprechend fahren die meisten Leute in Ufernähe. Größere Ausflüge seien eher selten. „Wir beraten die Kunden bezüglich der Strecke. Bei schlechtem Wetter und kurzer Mietzeit ist eine Fahrt nach Dänemark schwer machbar“, sagt Weide.

Wetter ist eher ein Hindernis als Corona

Auch Malte Schmidt, Eigentümer vom Bootsverleih „Fly & Sail“ in Sonwik merkt den Corona-Einfluss kaum. „Aktuell drückt das Wetter die Lage ein wenig. Abgesehen davon läuft der Betrieb normal“, sagt er. Die meisten Kunden mieten seine Boote für kürzere Ausflüge, seien nur zwei bis drei Stunden auf dem Wasser.

Aber auch einen ganzen Tag oder gar eine ganze Woche seien manche Mieter mit dem Boot unterwegs. So lange Ausflüge sind allerdings nur mit einem Bootsführerschein möglich. Die führerscheinfreien Boote dürfen nur von 8 Uhr morgens bis Sonnenuntergang ausgeliehen werden. Über einen GPS-Sender kann Schmidt dabei auch die Route überwachen. „Ausflüge bis Holnis sind kein Problem.“

Auch wenn die Corona-Krise einiges, wie etwa die Notwendigkeit eines Hygienekonzeptes, verändert, Malte Schmidt ist froh, überhaupt arbeiten zu können. „Es ist besser aufzuhaben, als geschlossen zu sein.“

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Kerrin Jens
Kerrin Jens Hauptredaktion
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