Vor 100 und vor 50 Jahren

Chronik Juni 2021

Chronik Juni 2021

Chronik Juni 2021

Jürgen Ostwald
Nordschleswig
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Am 25. Juni 1921 berichtet unsere Zeitung von einem dänischen Marinebesuch in Sonderburg. Einige in Kopenhagen stationierte Einheiten wurden an dem Kai vertäut, an dem jahrzehntelang deutsche Marineschiffe anlegten. Wir zeigen das Torpedoboot „Narhvalen“. Foto: forsvaretsgalleriet

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Chronik Juni 2021 – Vor 100 und vor 50 Jahren

Foto: DN

Freitag, 3. Juni 1921
Theodor Storm über dänische Bilderstürmer
Theodor Storm schreibt in seinem Brief vom 12. Juli 1853 aus Husum an Mörike, dem er eine Schilderung dänischer Willkür aus der Dänenzeit gibt:

„Diesen gedruckten Sachen kann ich nicht unterlassen einige ungedruckte Verse beizulegen, die als ein unmittelbarer Ausdruck des verletzten Heimatgefühls im Herbst 1850 entstanden, als hier auf dem Kirchhofe die Kränze und Fahnen von den Gräbern unserer schleswig-holsteinischen Soldaten entfernt wurden.“

Es handelt sich um die Gedichte „September 1850“ und „Und schauen ach vom Turm und Tore“. So war es 1850 in Husum und so ist es jüngst wieder gewesen in Hadersleben.

Zwei Jahre zuvor, im Herbst 1919, war von dem Literaturwissenschaftler Hanns Wolfgang Rath (1880-1934) in Stuttgart der „Briefwechsel zwischen Theodor Storm und Eduard Mörike“ erschienen. Der Sonderburger Chefredakteur unserer Zeitung hat das Buch wohl gleich nach Erscheinen erworben. Und zwar in seiner Sonderburger Buchhandlung, wo er, wie wir annehmen müssen, immer seine Bücher kaufte. Es war jene Buchhandlung, die der damals 18-jährige Ulrich Christian la Motte in politisch erhitzter Zeit 1840 als deutsche Buch-, Kunst-, Papier- und Musikalienhandlung gegründet hatte. Er war der Sohn des Kaufmanns Christian Jeremias la Motte und starb 1899, als die Familie bereits die „Sonderburger Zeitung“ (sie wurde 1873 gegründet) besaß. Auch noch 1921 war sie als Aktiengesellschaft in mehrheitlichem Familienbesitz der Bankiers- und Kaufmannsfamilie la Motte. Zu der Buchhandlung kamen 1865 noch eine Leihbücherei und eine Druckerei hinzu. Vor dem Tod des Firmengründers 1899 hatte bereits der in der Buchhandlung tätige Kaufmannsgehilfe Hermann Gewallig das Geschäft übernommen, das er bald in „Alsboghandelen“ umbenannte. Im Sommer 1920 übernahm Theodor Fuglsang die Buchhandlung für mehr als drei Jahrzehnte. Er wurde 1883 in Lunding geboren und lernte ab 1898 Sortimentsbuchhändler in „Sørensens Boghandel“ in Apenrade. Er arbeitete dann als Buchhändler in Guben in der Niederlausitz (heute Polen), in Wiesbaden, in Göttingen und immer mal wieder in der Sonderburger Buchhandlung. „Alsboghandelen“ wurde in den Jahren nach 1920 zum Treffpunkt deutscher Kulturinteressierter. Im November 1951 verstarb Theodor Fuglsang. Seine Witwe führte den Betrieb noch einige Zeit weiter, aber 1957 wurde die Buchhandlung geschlossen.

Freitag, 3. Juni 1921
50jähriges Jubiläum einer auslanddeutschen Zeitung!
Die Zeitung „Deutsches Volksblatt für Wahrheit, Freiheit, Recht“, in Porto Alegre (Brasilien) konnte am 10. März 1921 auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken.

Brasilien verfügt heute über ca. drei bis vier Millionen deutschstämmige Brasilianer, von denen ca. 800.000 deutsche Muttersprachler sind. In früheren Zeiten waren es natürlich ungleich mehr. So nimmt es nicht wunder, dass es im 19. Jahrhundert etwa 300 (dreihundert!) verschiedene deutschsprachige Zeitungen und Zeitschriften in Brasilien gab.

Montag, 6. Juni 1921
Der Ruf Sonderburgs als Badeort
Der Ruf Sonderburgs als Badeort hatte gelitten und war gefährdet. Das Kurhaus und „Strandruh“, die beiden Gasthäuser an unserem Badestrand, waren seit einiger Zeit geschlossen und zum ersten Male seit Jahrzehnten waren ihre Bade-Einrichtungen nicht in Betrieb gesetzt. Jetzt ist hierin glücklich eine Änderung eingetreten. An „Strandruh“ werden zurzeit Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Noch wichtiger ist es jedoch für das städtische Gemeinwesen, dass das Kurhaus von seinem neuen Besitzer, Herrn Madsen, Restaurateur des „Paladstheater“ in Kopenhagen, nach durchgreifenden Erneuerungsarbeiten seinem Zweck wieder nutzbar ist. Das trist wirkende Äußere des gelben Ziegelbaus hat einen ockerfarbenen Anstrich erhalten, mit dem das seegrüne Holzwerk der Veranda gut zusammenpasst. Auch die Innenräume sind durchgreifend erneuert und machen mit ihren bequemen Möbeln und farbenprächtigen Teppichen einen behaglichen Eindruck.

Mittwoch, 8. Juni 1921
Eine Million Armeniermorde
In den Verhandlungen gegen den Mörder Taalat Paschas vor dem Berliner Schwurgericht kamen erschütternde Einzelheiten über die Armeniermorde zur Sprache. Der deutsche Sachverständige, Prof. Dr. Lepsius, stellte fest, dass vor dem Kriege 1.850.000 Armenier in der Türkei lebten. Die allgemeine Deportationsorder wurde im April vom jungtürkischen Komitee von Taalat Pascha und Enver Pascha angeordnet, weil man befürchtete, dass die armenische Frage zur Aufteilung der Türkei führen könne, und weil man deshalb alles vernichten wollte, was nicht türkisch war. Die Order ging dahin, die Armenier in die mesopotamische Wüste zu bringen. In einem Telegramm hieß es: „Das Verschickungsziel ist das Nichts.“ Diesem Sinne der Order entsprechend sind kaum zehn Personen von der ostanatolischen armenischen Bevölkerung an das Ziel gekommen. Alle anderen sind unterwegs durch Hunger, Krankheit und Gewalt umgekommen. Diesen Feststellungen liegen Berichte der deutschen Konsuln und des deutschen Botschafters zugrunde. Nach dem Urteil der deutschen Botschaft in Konstantinopel sind eine Million armenischer Männer, Frauen und Kinder umgekommen. Etwas günstiger lagen die Verhältnisse in Süd-Anatolien. Die Armenier sind systematisch dem Tode entgegengeführt worden. Sobald die Konzentrationslager überfüllt waren, wurden die Leute in die Wüste geschickt und dort abgeschlachtet. Verschont blieben 2.000 Armenier in Konstantinopel und Aleppo und zwar durch das Verdienst des deutschen Generals Liman von Sanders und des deutschen Konsuls von Aleppo. Auch General von der Goltz verhinderte in Mossul die Verschickungen.

Über den Völkermord an den Armeniern ist in jüngster Zeit viel publiziert worden. Vor wenigen Monaten erschien in deutscher Übersetzung das Buch von Hans-Lukas Kieser: „Talât Pascha. Gründer der modernen Türkei und Architekt des Völkermords an den Armeniern. Eine politische Biografie“. Es erschien im Chronos Verlag, Zürich, umfasst 440 Seiten und kostet 48 Euro.

Die alte Wilsnacker Glocke des Berliner Doms steht heute in der Großen Halle des Märkischen Museums, des Berliner Stadtmuseums. Sie erklingt nicht mehr, wurde aber damals vor dem drohenden Einschmelzen gerettet. Heutzutage rufen täglich drei Glocken vom Berliner Dom zu Gottesdienst und Andacht. Die größte von ihnen ist die Neue Wilsnacker Glocke, die mit ihren drei Tonnen Gewicht seit 1929 erklingt. Foto: Stadtmuseum Berlin

Freitag, 17. Juni 1921
Die Glocke des Berliner Doms
Die größte Glocke des Berliner Doms ist gesprungen und verstummt. Ihr letzter Dienst war das Trauergeläut für die verewigte Kaiserin Auguste Viktoria. Das ist, so äußern Berliner Zeitungen, ein herber, beinahe unersetzlicher Verlust; denn nach dem mächtig durchdringenden, und doch edlen Klange war diese Glocke wohl die schönste in ganz Berlin und gewiss eine der größten mit einem Gewicht von 3.510 kg und einem Durchmesser von 184,5 cm. Geschichtlich werden ihr wenige an Alter nahekommen, denn sie trägt als Inschrift das Jahr 1471. Vom Orte des Gusses und ihrem Meister fehlt jede Andeutung. Bekannt ist aber, dass sie ursprünglich im Dominikanerkloster zu Wilsnack gehangen hat und erst 1562 in die Hof- und Domkirche nach Berlin übergeführt worden ist. Als Friedrich der Große 1747 den Dom im Lustgarten neu aufrichten ließ, erhielt die Glocke ihren Platz in der Domkuppel; 1904, nach Vollendung des neuen Domes, wurde das Geläut auf dem Turm am Lustgarten nach dem Alten Museum zu angeordnet.

Heute rufen täglich zweimal die drei Glocken vom Berliner Dom zu Gottesdienst und Andacht. Die größte von ihnen ist die Neue Wilsnacker Glocke, die mit ihren drei Tonnen Gewicht seit 1929 erklingt. Sie nimmt aber am täglichen Geläut nicht immer teil. Die nächstkleinere Glocke ist die sog. Brandenburger Glocke, die immerhin auch 2.128 kg wiegt. Sie stammt von der Glockengießerei Ohlsson in Lübeck und wurde 1913 gefertigt. Aus dieser Gießerei stammen auch einige Glocken in Nordschleswig wie etwa jene in Bau.

Sonnabend, 18. Juni 1921
Herzogin Dorothea
Die Herzogin-Witwe Dorothea zu Schleswig-Holstein traf Donnerstag Nachmittag mit dem Plandampfer hier auf Gravenstein ein und nahm auf dem Schloss Wohnung.

Dorothea, seit Februar 1921 Witwe, war eine geborene Sachsen-Coburg-Gotha und gehörte so zu einem der reichsten Adelshäuser Europas. Nur hatte sie nicht viel davon. Mit den Jahren schmolz ihr vergleichsweise kleines Vermögen dahin. In der Nazi-Zeit schmiegte sie sich willfährig an die NS-Granden ihrer unmittelbaren Verwandtschaft an. Geldlich hatte sie nicht viel davon. Als sie 1967 auf Schloss Taxis in Dischingen in Baden-Württemberg starb, besaß sie buchstäblich nichts. Aufschluss gibt eine nur auf Französisch vorliegende Biografie von Olivier Defrance und Joseph van Loon, über 300 Seiten stark: La fortune de Dora. Une petite-fille de Leopold II. chez les nazis. Brüssel 2013.

Dorothea von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg in der Zeit nach ihrer Vermählung mit Ernst Günther zu Schleswig-Holstein Foto: Wikipedia.dk

Sonnabend, 25. Juni 1921
Marinebesuch
Gestern Nachmittag lief, vom Norden kommend, eine Flottille von vier Unterseebooten mit einem Begleitschiff hier ein und machte bei der Marinestation fest. Ferner langten das Spezialschiff „Lotsen“ und die drei Torpedoboote „Havhesten“, „Narhvalen“ und „Söhunden“ hier an und vertauten an der Norderhafenstrasse.

Eine Abbildung des Torpedobootes „Narhvalen“ findet sich oben zu Beginn unserer Chronik.

Die „Victory“ ist das älteste noch bestehende Schiff der Royal Navy und liegt heute als Museumsschiff in Portsmouth. Besondere Berühmtheit erlangte es als Flaggschiff des Admirals Nelson in der Schlacht bei Trafalgar 1805. An der Bombardierung von Kopenhagen 1807 nahm sie allerdings nicht teil. Foto: Wikipedia

Mittwoch, 29. Juni 1921
„Victory“
Das Flaggschiff Nelsons, die von der englischen Flotte wie ein Heiligtum verehrte „Victory“, ist in Gefahr, der Altersschwäche zu erliegen. Sie droht an der Stelle, wo sie vor Anker liegt, zu versinken. Die englische Presse macht Stimmung für eine öffentliche Sammlung, um Mittel für die Erhaltung des Schiffes aufzubringen. Man hofft, dass man das Schiff durch Umkleidung mit Zement oder einem Stahlpanzer weiter erhalten kann.

Die „Victory“ ist das älteste noch bestehende Schiff der Royal Navy und liegt heute als Museumsschiff in Portsmouth. Besondere Berühmtheit erlangte es als Flaggschiff des Admirals Nelson in der Seeschlacht bei Trafalgar 1805. An der Beschießung Kopenhagnes durch die Engländer im Jahre 1807 nahm sie allerdings nicht teil, obwohl sie immer noch Dienst tat.

Donnerstag, 30. Juni 1921
An meine Heimat!
Nur als Kind war ich ganz Dein,

Und mein Gedenken ist licht und rein,

Ist wie der Himmel an Sommertagen,

Ist wie ein Glaube, ohne Zweifel und Fragen,

Ist frisch und klar wie die Meeresfluten,

Ist mild wie Abendsonnengluten,

Und treu wie Blaublümlein am Wiesenrand.

O, mein geliebtes Kinderheimatland!

Nur als Kind lebte ich ganz in Dir,

Was Du mir gabst, blieb Höchstes mir.

Die Herbheit Deines salzgewürzten Hauches,

Die Honigdüfte Deines Heckenrosenstrauches,

Die wilden Lieder Deiner blauen Wogen

Und Deiner Schiffe Stolz, die meerwärts zogen, Leuchtfeuers

Wächterschein, der ob den Klippen stand,

O, Du geliebtes Kinderheimatland!

Ein ganzer Mensch beut Liebe Dir und Dank,

Ein ganzer Mensch denkt heimwehkrank

An seine Kinderheimat, die entfremdet

Dem neuen Herren seine Kräfte spendet,

Weil endlich seines Mammons zähem Zwang

Das listig arge Spiel gelang.

Jedoch: Ein ganzer Mensch fleht: Kinderheimatstrand,

Vergiss nie: Du gehörst dem a l t e n Vaterland!

Die „Sonderburger Zeitung“ veröffentlichte immer mal wieder Gedichte von Nordschleswigern über den „Verlust“ des Heimatlandes. In dem Maße, in dem das dänische Empfinden von Heimat als „Genforening“ erlebt wurde und sich auch in ungezählten Gedichten niederschlug, in dem Maße wurde auf deutscher Seite die neue Lage als Verlust empfunden, die ihrerseits viele Heimatgedichte mit mehr oder weniger nationaler Grundierung hervorrief. Diese Produktion schloss sich ungebrochen an die Vielzahl von Kriegs-Gedichten an, die auch in nordschleswigschen Zeitungen seit dem August 1914 in ununterbrochener Folge veröffentlicht worden waren. Man muss bedenken, dass in den ersten Kriegswochen im Jahre 1914 bei den Redaktionen der deutschsprachigen Zeitungen täglich 50.000 (fünfzigtausend!) Gedichte eingingen. Die „poetische Mobilmachung“ (Julius Bab) war also gewährleistet.

Das eingesandte Nordschleswig-Gedicht stammt von Bertha Bohnstedt, geb. Tadey. Sie wurde am 9. November in Sonderburg geboren und stammt von der bekannten Stuckateur-Familie Tadey ab, die im 18. Jahrhundert aus der italienischen Schweiz nach Nordschleswig gekommen war und sich schließlich in Sonderburg niedergelassen hatte. Mitglieder der Familie statteten Schloss Schackenborg aus und arbeiteten auch in Sonderburg, dann im Schloss Wandsbek oder auf Gut Knoop bei Kiel. Bertha Bohnstedt besuchte das Lehrerinnen-Seminar in Augustenburg und war später in Bielefeld als Lehrerin tätig. Dort war sie jahrelang politisch in der Kommunalpolitik als Stadtverordnete der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) tätig und hielt unentwegt Kontakt zur alten Heimat.

 
Foto: DN

Mittwoch, 2. Juni 1971
„Tempo 70“ in Schweden
Während der Sommermonate gelten für den Kraftfahrzeugverkehr in Schweden rigorose Geschwindigkeitsbeschränkungen. Von wenigen Ausnahmen im hohen Norden abgesehen ist auf den schwedischen Straßen die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h festgelegt worden. Lediglich auf den Autobahnen ist eine Geschwindigkeit bis zu 110 km/h zugelassen. Schneller darf in Schweden überhaupt nicht gefahren werden. In Ortschaften gilt Tempo 50. Die neuen Regelungen traten gestern in Kraft.

Die Regelungen waren damals nicht nur am Tag zuvor in Kraft getreten, sie gelten ununterbrochen bis heute. In unserem südlichen Nachbarland Deutschland, dem Land der freien Fahrt für freie Bürger, sterben im Jahr doppelt so viele Menschen (umgerechnet auf die Bevölkerungszahl) wie in Schweden.

Mittwoch, 9. Juni 1971
„Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist auf Dänisch
Gestern Abend fand die Erstaufführung des dänischen Freilichttheaters in Horsens statt. In der Provinz folgen Aufführungen bis zum 28. Juni. Vom 27. Juni bis zum 20. August wird die Komödie in Kopenhagen und Umgebung aufgeführt.

Am 19. Juni war in Sonderburg eine Vorführung. Der Eintritt war frei, weil der Konkurrenz des lebhaften deutschen Theaterlebens entgegengearbeitet werden musste. Die Aufführung in Hadersleben am 22. Juni war jedoch nicht kostenlos.

Donnerstag, 10. Juni 1971
Die Tageszeitung „Fyns Amts Avis“ ist in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Sie hofft, auf dem Verhandlungswege einen Unterschuss abdecken zu können und zu neuer Stabilität zu gelangen. Das Blatt beschäftigt 53 Journalisten.

„Fyns Amts Avis“ gibt es noch heute. Schwieriger war die Lage auf Lolland und Falster, wie am 19. Juni zu lesen.

Sonnabend, 12. Juni 1971
Pablo Picasso gratulierte telegraphisch dem Londoner Hotelportier Jack Lee, der bei einem Antiquar eine frühe Zeichnung Picassos entdeckt und sie für umgerechnet eine Mark gekauft hatte.

Jack Lee fand zwar das Blatt, das Picasso wie üblich nur mit Shorts bekleidet beim Porträtieren einer Frau zeigt, auf einem Londoner Flohmarkt. Er war aber in Kendall im Nordwesten Englands als Hotelportier tätig. Aber der Preis von einer Mark stimmt. Was aus der Zeichnung geworden ist, war nicht zu ermitteln. Auch der Brief Picassos ist offenbar verschollen.

Sonnabend, 19. Juni 1971
Tageszeitung stellt ihr Erscheinen ein
Die Aktionäre der Tageszeitung „Tidende for Lolland og Falster“ beschlossen Freitag auf einer außerordentlichen Generalversammlung in Nakskov, das Unternehmen in Liquidation treten zu lassen. Versuche von Freunden der Zeitung, das Blatt zu retten, sind gescheitert. Möglicherweise wird die finanziell gescheiterte Zeitung von dem Konkurrenten „Lolland-Falsters-Folketidende“ in Nykøbing übernommen. Das finanziell festgefahrene Blatt schuldet u. a. dem Quellensteuerdirektorat eine halbe Million Kronen.

Das schon seit Jahren anhaltende und auch weitere Jahrzehnte fortwährende Zeitungssterben der dänischen Provinzpresse, das von 1971 gesehen eines Tages auch den „Nordschleswiger“ erreichen wird, hatte im Mai 1971 in der „Tidende for Lolland og Falster“ sein neues Opfer gefunden. Am 10. Juni konnten wir (vgl. oben) noch von „Fyns Amts Avis“ lesen. Das Blatt überlebte angeschlagen. Die andere Inselzeitung starb wie andere, auf die wir in den vergangenen Jahren immer hingewiesen haben.

Das Zeitungsleben auf Lolland und Falster begann 1806, als man die Kopenhagnerer Blätter beiseite legte, weil sie zu wenig über das Inselleben berichteten. Am 1. September erschien „Lollands og Falsters Adresse-Contoirs Avis“, 1808 „Adresse-Contoirs Efterretninger for Lollands og Falsters Stift“.

Zwei Blätter, die sich mit wechselnden Titeln dahinschleppten, das konnte auf Dauer nicht gut gehen, man vereinigte sich 1835. Es begann die „Lolland-Falsters Stifts Tidende“, die unter diesem Titel bis 1960 erschien. Dann begann das Nachfolge-Blatt, das bis 1971 durchhielt.

Wir dürfen nicht vergessen, „Lolland-Falsters Social-Demokrat“ zu erwähnen. Das Blatt wurde 1901 gegründet und erschien bis 1950, um als „Ny Dag“ bis 1994 weiter zu erscheinen. Dann ruhten auch dort die Rotationsmaschinen.

Man sieht: Auch auf Lolland und Falster hatten wir wie in Nordschleswig einstmals ein reiches Zeitungsleben.

Die in unserer Zeitungsmeldung erwähnte „Lolland-Falsters Folketidende“ war bereits 1873 gegründet worden und erscheint bis heute, trotz Schwierigkeiten und einer Fusion im vergangenen Jahr. Allerdings mit sinkender Auflage. Irgendwann wird auch sie aufgeben müssen und ins Netz auswandern.

Donnerstag, 24. Juni 1971
John Neumeier, der Ballettdirektor der Frankfurter Städtischen Bühnen, geht 1973 mit dem derzeitigen Münchner Kammerspiel-Intendanten und künftigen Intendanten der Hamburger Staatsoper, August Everding, in die Hansestadt. Everding engagierte den Cranko-Schüler von 1973 an für die Hamburger Oper. Neumeister hatte in der vergangenen Spielzeit in Frankfurt vor allem mit einer Choreographie von „Romeo und Julia“ Aufsehen erregt.

Mittwoch, 30. Juni 1971
Die königliche Leibgarde wird heute 313 Jahre alt. Aus diesem Anlass findet vor Schloss Rosenborg eine Parade vor dem König statt.

Das ist kein ordentlicher runder Geburtstag. Aber wir setzen die Meldung dennoch hierher, weil wir in unseren Tagen ja den 363. Geburtstag begehen können.

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