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Schönheitsoperation für den Liebestempel

Schönheitsoperation für den Liebestempel

Schönheitsoperation für den Liebestempel

Tondern/Tønder
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Die morschen Sitzgelegenheiten sind aus der Laube entfernt worden. Foto: Monika Thomsen

Das mehr als 200 Jahre alte Bauwerk in Tondern benötigt dringend eine Restaurierung. Die Behörde für Kulturerbe mischt mit einem entscheidenden Wörtchen mit.

Der Liebestempel unweit des Kongevejs gehört seit mehr als 200 Jahren zum Erscheinungsbild der Wiedaustadt. Und daran wird sich aktuell auch nichts ändern.

Die Tatsache, dass die Bänke aus dem Holz-Pavillon entfernt worden sind, hat einige Bürger in den sozialen Medien mit der Befürchtung auf den Plan gerufen, dass der Liebestempel im Zuge der neuen Gestaltung des Laurentius Stroms in der Grünanlage abgerissen werden sollte.

Mit dieser Vermutung liegen sie aber weit daneben.

Der Liebestempel ist ein Teil des Kulturerbes, das entfernen wir nicht. Das denkmalgeschützte Gebäude benötigt aber eine liebevolle Hand.

Palle Kudsk, Abteilungsleiter

„Der Liebestempel ist ein Teil des Kulturerbes, das entfernen wir nicht. Das denkmalgeschützte Gebäude benötigt aber eine liebevolle Hand“, berichtet Palle Kudsk, Abteilungsleiter der kommunalen Gebäudeverwaltung, dem „Nordschleswiger".

Suche nach Berater läuft

„Wir sind dabei, einen Berater zu finden, der prüft, wie die Sache angegangen werden soll. Wegen des Denkmalschutzes muss die Restaurierung von der staatlichen Behörde für Kulturerbe gutheißen werden“, so Kudsk.

Die Bausubstanz des Liebestempels wurde 2013 ausgebessert. Foto: Monika Thomsen

Der vom dänischen Musiker Michael Falch als „Kærlighedens Lysthus“ besungene Liebestempel wurde um 1800 herum errichtet.

Der „Juztizrath“ Carsten Richtsen schenkte damals der Stadt gemeinsam mit der Norder Allee (Nørre Allé) den Musikpavillon.

Das von Carsten Richtsen errichtet Richtsens Haus (Digegrevens Hus) wurde vor ungefähr 15 Jahren von der Stiftung „Realea A/S" restauriert. Der Name „Digegrevens Hus" stammt von dem späteren Besitzer Bendix Todsen, der 1876 zum „Digegreve" ernannt wurde. Foto: Monika Thomsen

Bürgermeister und Klöppelhändler

Einige Hundert Schritte weiter auf der anderen Seite der Richtsensstraße (Richtsensgade) in der Nähe des Gymnasiums steht eine Büste von Richtsen, der von 1790 bis 1812 als Bürgermeister das Sagen in der Wiedaustadt hatte.

Seinen imposanten Privatsitz errichtete der Bürgermeister und Klöppelhändler 1777 in der heutigen Fußgängerzone. Im dortigen Richtsens Haus (Digegrevens Hus) hat unter anderem die Wirtschaftsabteilung ihren Sitz.

Der Laurentius Strom ist nicht mehr in Beton eingebettet, sondern windet sich nun frei. Foto: Monika Thomsen

Die Mittel für die Instandhaltung des Bauwerks kommen aus dem laufenden Betriebshaushalt der zuständigen Abteilung.

Rowdys treiben ihr Unwesen

„Im vergangenen Jahr gab es dafür keine Luft im Etat“, sagt Kudsk. „Wir haben außerdem die Herausforderung, dass der Liebestempel sehr oft mutwilliger Sachbeschädigung ausgesetzt ist, ohne dass wir die Schuldigen finden können“, berichtet Kudsk.

Er geht davon aus, dass die durchgreifende Instandsetzung wegen des geschützten Status kostspielig sein wird. „Eine Ausschreibung wird über die Ausgaben Aufschluss geben“, kündigt er an.

Auch auf der Strecke entlang des Gymnasiums wird der Wasserlauf mit Steinen ausgestattet. Foto: Monika Thomsen

Betonkorsett abgelegt

Die jüngste Überholung wurde im Sommer 2013 zum Kostenpunkt von 200.000 Kronen durchgeführt. Damals ging es um den Erhalt der Bausubstanz im Kampf gegen den Pilzbefall und die Vermoderung.

Während die Restaurierung noch im Planungsstadium ist, nehmen indes die Arbeiten entlang des Kongevejs, um für den Klimawandel gewappnet zu sein, ihren Lauf.

War der Laurentius Strom zum Jahresanfang noch in sein Betonkorsett gezwungen, so windet er sich mit seinen neuen Konturen mittlerweile in einem freieren Lauf auch am Liebestempel vorbei.

Rückhaltebecken im Kommen

Die Initiative Tonderner Marsch, die Kommune Tondern und die kommunale Entsorgungsgesellschaft Tønder Forsyning werten dort den Grünbereich auf. Zudem entstehen Regen-Rückhaltebecken, die bei Starkregen das Wasser zwischenlagern sollen, bevor es weiter in die Wiedau läuft.

Die größeren Steine warten noch auf ihre neue Bestimmung. Foto: Monika Thomsen

„Wir haben größtenteils die Steine im Gewässer verlegt“, erläutert Christian Kjær Andersen, fachlicher Koordinator der kommunalen technischen Verwaltung.

In der Nähe des Gymnasiums warten große Steine darauf, eingesetzt zu werden. Von der Allégade aus fließt das Wasser des Stroms unter anderem unter den Kongevej verrohrt durch die Stadt, bevor es wieder sichtbar wird. „Es läuft in den Kanal zwischen dem Festivalplatz und dem Parkplatz“, berichtet Kjær Andersen.

Palisaden und Wanderwege

Im Zuge der neuen Gestaltung erwähnt er auch die Palisaden, die besonderen Bänke und die Wanderwege, die in dem Naherholungsgebiet geplant sind.

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Ole Cramer
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