Aufforstung

Tonderns neuer stadtnaher Wald nimmt Gestalt an

Tonderns neuer stadtnaher Wald nimmt Gestalt an

Tonderns neuer stadtnaher Wald nimmt Gestalt an

Tondern/Tønder
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Der Bürgermeister pflanzt einen Baum
Bürgermeister Henrik Frandsen (l.) ging unter die Waldarbeiter und pflanzte den ersten Baum. Schützenhilfe bekam er von Kim Nielsen (r.) von „Growing Trees Network Foundation“. Der Vorsitzende Lars Heiselberg Vang Jensen machte indes ein Foto mit seinem Handy. Foto: Elise Rahbek

Die ersten von 90.000 Bäumen im neuen 45 Hektar großen Laubwald sind gepflanzt worden. Das Projekt wird 2020 abgeschlossen. Nach dem Heranwachsen stellt sich in zehn Jahren das Waldgefühl ein.

Mit Gummistiefeln und Spaten bewaffnet machte sich am Dienstag eine kleine Schar ans Werk, um die ersten von insgesamt 90.000 Bäumen in Angliederung an den Soldaterskoven in Tondern zu pflanzen.

Dort soll auf 45 Hektar in Regie der staatlichen Naturbehörde ein stadtnaher Wald heranwachsen. „Primär geht es darum, ein Naherholungsgebiet für die Bürger zu schaffen, die hier auf verschiedene Art aktiv sein können. Zudem haben wir ein Klima-Problem, das wir nur gemeinsam lösen können. Die Bäume nehmen CO2 auf und bieten den Menschen und den Tieren bessere Bedingungen“, erklärte Förster Bent Rasmussen von der Naturbehörde Wattenmeer.

Naherholung hat einen hohen Stellenwert

Er betonte, dass das Element der Naherholung und der Dialog mit den Bürgern einen hohen Stellenwert einnimmt. Es wird nicht nur ein dichter Mischwald vorrangig voller Laubbäume sein, sondern es wird auch viele lichte Stellen geben, so Rasmussen, bevor den Worten mit den Spaten Taten folgten.

Drei Männer mit kleinen Bäumen
Der örtliche Förster Christian Brix Søndergaard, sein Chef Bent Rasmussen und Bürgermeister Henrik Frandsen (v. l.) mit den Bäumchen Foto: Elise Rahbek

Das Aufforstungsprojekt, in das die Behörde 2,5 Millionen Kronen investiert, ist durch einen 2018 vollzogenen Tauschhandel mit der Kommune Tondern zustande gekommen. Die Kommune wurde Besitzer des historischen Flugzeughangars und erhielt die drei Millionen Kronen obendrauf, die im Staatshaushalt für die Instandsetzung verankert waren.

Sie übernahm auch 3,5 Hektar in Angrenzung an den Flugzeughangar. Die Naturbehörde konnte im Gegenzug 45 Hektar landwirtschaftliche Fläche im Umfeld des Soldaterskovens ihr eigen nennen. „Im Vorfeld gingen mehrjährige Sondierungen und Beratungen voraus“, erläutert Rasmussen.

Der Wald des Volkes: „Tønder Folkeskov"

Acht Hektar der neuen grünen Lunge werden im Rahmen von „Tønder Folkeskov“ heranwachsen. Zu den dort etwa 20.000 Bäumen steuert „Growing Trees Network Foundation“ 240.000 Kronen bei. Die Organisation pflanzt für Bürger und mit Bürgern Wälder.

Beflügelt wurde die vor sieben Jahren gegründete Initiative unlängst durch die TV2-Show „Danmark planter træer“, wie der Vorsitzende Lars Heiselberg Vang Jensen erläutert. Vor der Sendung hatte die Initiative an der Pflanzung von elf Wäldern mitgewirkt. Nun stehen für 2020 landesweit 47 Projekte auf der Tagesordnung. „Wenn die Bäume gewachsen sind, funktionieren sie als CO2 Staubsauger“, so Jensen, der mit seinen Kollegen Kim Nielsen und Stina Simonsen vor Ort war.

Eine Karte, die zeigt, wo Wald gepflanzt werden soll
Die lila umrandeten Felder zeigen, wo Wald gepflanzt werden soll. Foto: Tønder Kommune

Mit dem Aufforstungsprojekt wächst der Soldaterskoven auf 210 Hektar. Und wann stellt sich bei den neuen Bäumen das Gefühl ein, dass man durch einen Wald geht? „Das wird in zehn Jahren der Fall sein“, sagt Bent Rasmussen dem „Nordschleswiger“.

Fundamente in staatlicher Hand

Der Soldaterskoven gehörte in früheren Jahren dem Militär der dänischen Verteidigung. Nach der Schließung der Kaserne in Tondern wurde das Gehölz an die Naturbehörde und die Kommune Tondern übertragen. Die Besitzansprüche für die Fundamente der dortigen drei Zeppelinhallen liegen in staatlicher Hand. „Es gibt aber die Absprache, dass sie vorrangig ein Teil der Vermittlung sind", erklärt Rasmussen mit Blick auf das Projekt mit einem Erlebnis- und Vermittlungscenter auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Zeppelin-Stützpunkts aus dem Ersten Weltkrieg.

Der örtliche Förster
Der örtliche Förster Christian Brix Søndergaard in seinem Revier. Foto: Elise Rahbek

So viele Bäume wie möglich werden noch in diesem Jahr eingepflanzt. Der viele Niederschlag der vergangenen Monate redet in diesem Zusammenhang jedoch ein Wörtchen mit. „Wir werden hier im Herbst von Hand an pflanzen und dann erfolgt es ab Frühjahr mit dem Trecker“, erläutert der örtliche Förster Christian Brix Søndergaard.

„Wir pflanzen Linde und Moorbirke, die mag es am liebsten feucht. Am Waldrand pflanzen wir nahezu nur Sträucher, die blühen und Beeren tragen, das wird schön“, kündigt Brix Søndergaard an. Dazu gehören Schneeball, Alpen-Johannisbeere, gewöhnlicher Spindelstrauch und Hasel. Die Pflanzaktion soll 2020 abgeschlossen werden.Voraussichtlich im Frühjahr, aber spätestens im Herbst.

Ein Tag voller Glück

„Das ist ein glücklicher Tag für die ganze Stadt und die Umgebung. In wenigen Jahren entfalten sich hier eine Attraktion und eine Oase für das Freizeitleben“, sagt der Vorsitzende des Handelsvereins, Anders Jacobsen, in Gedanken an die Pläne für den Bau eines Erlebniszentrums im Zusammenhang mit dem Flugzeughangar, nachdem er beim Pflanzen aktiv war. Der Wald berge viele Spuren aus der Vergangenheit. „Mit dem Wissen, dass wir in der Innenstadt in Tondern eine Herausforderung mit dem Wasser durch den Klimawandel haben, ist dies ja auch ein positiver Vorstoß“, so Jacobsen.

Es ist schon bemerkenswert, dass dies alles auf dem Kampf zum Erhalt des abrissbedrohten Flugzeughangars fußt.

Anders Jacobsen, Vorsitzender des Handelsvereins

„Es ist schon bemerkenswert, dass dies eigentlich alles auf dem Kampf zum Erhalt des abrissbedrohten Flugzeughangars fußt", sagt er.

Bürgermeister Henrik Frandsen, der den ersten Baum pflanzte, freute sich über den neuen stadtnahen Wald und die Möglichkeit, ein fantastisches Center für Vermittlung und Erlebnis zu schaffen. „Wann ist der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen? Vor 20 Jahren. Wann ist der zweitbeste Zeitpunkt? Heute“, zitierte er ein chinesisches Sprichwort.

Männer pflanzen Bäume
Der Vorsitzende des Handelsvereins in Tondern, Anders Jacobsen, packte an. Foto: Elise Rahbek
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