Seuche

So will SH auf die Schweinepest reagieren

So will SH auf die Schweinepest reagieren

So will SH auf die Schweinepest reagieren

Frank Jung, SHZ
Kiel
Zuletzt aktualisiert um:
Die Schweinepest ist noch relativ weit von Schleswig-Holstein entfernt, sagt Agrarminister Jan Philipp Albrecht. Foto: Marcin Bielecki/dpa/Pap

Die Schweinepest ist näher gerückt. Schleswig-Holstein bereitet sich auf den „Tag X“ vor, sollte die Seuche auch hier auftreten.

„Der Fall ist durchaus noch weit von uns weg – eine ernste Herausforderung stellt er dennoch dar. Deshalb erwarten wir, dass vor Ort zügig durchgegriffen wird.“ So lautet die Momentaufnahme von Schleswig-Holsteins Agrarminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zum „Tag X“.

Lange war der erste Nachweis der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland befürchtet worden, mit einem Fall in Brandenburg ist es nun so weit: Die tödliche Tierseuche ist dort bei einem verendeten Wildschwein nachgewiesen worden. Zwar spricht Albrecht von einem „noch sehr überschaubaren Geschehen“, mahnt aber auch: „Gleichwohl besteht das Risiko eines Eintrags nach Schleswig-Holstein“.

Sollte dies real nötig werden, hat das Land dafür 50 Kilometer Elektrozaun eingelagert. Weitere 30 Kilometer Zaun sind kurzfristig über einen Standby-Vertrag abrufbar. Seit Mitte 2018 wurden 450.000 Euro für ASP-Präventionsmaßnahmen durch das Land mobilisiert. Noch nicht miteingerechnet sind dabei Finanzmittel der Kreise.

Appell an die Landwirte

Albrecht appelliert an die Bauern, „die Regularien konsequent einzuhalten. Auch nur eine kleine Unachtsamkeit könnte einen Eintrag verursachen. Dann wäre nicht nur der eine betroffen, sondern alle.“ Ist erst ein Hausschweinbestand befallen, sind Importverbote für deutsches Schweinefleisch durch Drittstaaten so gut wie sicher. Albrecht befürchtet, dass dort niemand nach Bundesländern differenziert. Auch die 800 Schweinehalter in Schleswig-Holstein mit rund 1,4 Millionen Tieren könnten voraussichtlich kein Fleisch mehr ausführen, wenn zum Beispiel in Niedersachsen oder Hessen ein Mastbetrieb von der ASP befallen wäre.

Der Krisenplan: So ginge es weiter, wenn in SH die ASP bei einem Wildschwein nachgewiesen würde

  • Krisenstäbe auf Kreis- und Landesebene
  • Festlegung eines „vorläufig gefährdeten Gebiets“ mit einem Radius von etwa zehn Kilometern um den Fundort. Darin Anordung rigider Maßnahmen gegen eine Ausbreitung
  • Jagdverbot für alle Tierarten, um Schwarzwild, das möglicherweise infiziert ist, nicht aufzuschrecken
  • Intensive Fallwildsuche, um eine Verschleppung des Virus aus dem Gebiet zu vermeiden. Dabei können auch ASP-Suchhunde mit ihren Führern zum Einsatz kommen
  • Einrichtung eines Kerngebiets innerhalb des gefährdeten Gebiet mit einer Umzäunung
  • Information und Schulung von Jägern

Die Jäger wiederum rief der Politiker dazu auf, „die hohe Bejagung des Schwarzwilds fortzusetzen“. Indem die Bestände niedrig gehalten werden, soll eine Weitergabe der ASP eingedämmt werden. Neben der Bejagung sind alle Bürger aufgefordert, jedes tot aufgefundene Schwarzwild dem Kreisveterinäramt oder der lokalen Jägerschaft zeitnah zu melden. Dann lässt sich abklären, ob das Tier befallen war.

„Wir hatten Monate und Jahre, um uns Gottseidank nicht nur seelisch auf diesen Tag einzustellen“, sagt Dietrich Pritschau, Vizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbands und selbst Schweinehalter. Der noch konsequentere Kleidungswechsel beim Betreten eines Schweinestalls ist ein Beispiel, wie die Höfe einen Befall mit ASP zu vermeiden versuchen.

„Seit Corona bringen auch Handwerker dafür leichter Verständnis auf, das ist das einzig Positive an der Pandemien“, so Pritschau.

Ställe abgeriegelt

Mit Argusaugen wird überhaupt darüber gewacht, wer einen Stall betreten darf. Ganz überwiegend sind die Schweineställe laut Verband in den vergangenen zwei Jahren eingezäunt worden. Das soll verhindern, dass sich Wildschweine von Futterresten dorthin angezogen fühlen. Einige Kollegen haben Pritschau zufolge in den letzten Monaten Versicherungen gegen Verluste durch ASP abgeschlossen. „Wie weit die dann greifen, muss sich zeigen“, meint der Vize-Präsident der Bauern.

Auch hat jeder Hof für den Worst Case seine Kadaverstelle überprüft – Ablagestellen, von wo binnen 24 Stunden verendete Tiere abtransportiert werden müssten. „Aber Keulungs-Szenarien sind das absolute Feuerwehrauto, das hoffentlich nicht gebraucht wird“, sagt Pritschau. Sowohl er als auch Albrecht verweisen auf Tschechien und Belgien: In beiden Ländern sei es gelungen, ASP-Herde regional zu begrenzen. Deshalb bleibt die Hoffnung, dass es zumindest für Schleswig-Holstein vielleicht doch keinen eigenen „Tag X“ gibt.

50 Kilometer Elektrozaun liegen bereit

Landwirte und Behörden im Norden seien auf eine Abwehr „sehr intensiv vorbereitet“, betont der Kieler Minister. Seit zwei Jahren wappnen sie sich unter anderem mit verschärften Hygieneregeln und Krisenkommunikation gegen die ASP. Sogar drei große Übungen hat es gegeben, bei denen ein Ausbruch simuliert worden war. Dabei ging es vor allem darum, regionale Kontaminationsherde abzuschotten.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Unsere Natur gehört anderen“