Covid-19

Corona-Öffnung: Bornholm wird zur Versuchsinsel

Corona-Öffnung: Bornholm wird zur Versuchsinsel

Corona-Öffnung: Bornholm wird zur Versuchsinsel

cvt/Ritzau
Rønne/Apenrade
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Das etwas andere Dänemark: Bornholm nimmt sich, wie hier an der Nordküste, aus wie Schweden. Und auch der Insel-Dialekt erinnert an den Nachbarn im Norden. Foto: Lars Laursen/Biofoto/Ritzau Scanpix

Daten für die geordnete Rückkehr zur Normalität: Im kleinen wollen Politik und Behörden von den Inselbewohnern lernen. Zum Beispiel, wenn es nicht genügend Schulbusse gibt, weil die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Das Coronavirus hat auch die Insel Bornholm, mitten in der Ostsee zwischen Schweden und Deutschland gelegen, längst erreicht. Doch die Inzidenzwerte auf dem Eiland waren zuletzt anhaltend niedrig. Zeit für eine zumindest innere Öffnung der Ferieninsel, meint die dänische Regierung.

Nach außen, zumal nach Deutschland, ist die Insel weiterhin einigermaßen abgeriegelt.

Doch nach innen soll jetzt wieder geöffnet werden. „Wir sind wirklich froh darüber“, sagt der Insel-Bürgermeister Thomas Thors (Soz.).

Gespannte Erwartung bei Forschern

Während er und andere Insulaner sich darauf freuen, wieder zum Friseur oder in die Schule gehen zu können, herrscht bei Wissenschaft und Politik eine gespannte Erwartungshaltung vor. Denn die 40.000-Einwohner-Insel soll zur Richtschnur dafür werden, wie es laufen kann, wenn ganz Dänemark sich für die Zeit nach Corona umstellt.

Doch können die Daten aus Bornholm wirklich auf das ganze Land hochgerechnet werden? Der Professor für Biokomplexität am Niels Bohr Institut der Uni Kopenhagen ist vorsichtig: „Daten sind immer gut, aber auf Bornholm gibt es zu wenige Infizierte, um sie alle gebrauchen zu können.“

Interessant könne jedoch ein Aspekt sein: Wie sich die britische Variante des Coronavirus unter Kindern verbreitet. „Das alte Coronavirus verbreitet sich unter Schulkindern nicht sonderlich aus, aber es gibt Anzeichen dafür, dass die neue Mutation dies tut“, sagt Sneppen.

Beim jüngsten Ausbruch in Kolding sei dies zu beobachten gewesen, doch mit Sicherheit könne noch nichts gesagt werden.

So öffnet sich Bornholm nach innen

  • Alle Schülerinnen und Schüler in Gymnasium und Volksschulen kehren zum Präsenzunterricht zurück.
  • Studierende weiterführender Ausbildungen und von Erwachsenenausbildungen kehren zum Präsenzunterricht zurück.
  • Das sogenannte „liberale Gewerbe“ wie Friseure oder Tattoo-Studios kann wieder (mit Abstandsregeln) öffnen.

Quelle: Gesundheitsministerium

Henrik Ullum am Mittwoch in Kopenhagen. Foto: Jens Dresling/Ritzau Scanpix

SSI: Lernen, was Massentests oder Schulstart an Herausforderungen mit sich bringen

Auch der Direktor der dänischen Behörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten, Statens Serum Institut (SSI), Henrik Ullum, erhofft sich Erkenntnisse, etwa dazu, wie die Testkapazität erhöht werden kann und wie die Bevölerung es aufnimmt, „so viel getestet zu werden“.

Durch die neuen Abstandsregeln, die auf Bornholm gelten, gibt es zum Beispiel gerade nicht ausreichend Busse, damit alle Gymnasiasten zeitgleich in die Schule kommen können. Und in einem Einkaufszentrum in der Hafenstadt Rønne haben drei Geschäfte keinen Zugang von der Straße aus und dürfen deshalb nicht öffnen.

Und das, obwohl niemand, der das Zentrum kennt, auf den Gedanken kommen würde, es, wie es die Behörden tun, ein „Großzentrum“ (storcenter) zu nennen, meint Bürgermeister Thors. Für solche Einkaufszentren gelten nämlich andere Regeln als für den Einzelhandel in der Fußgängerzone oder im Gewerbegebiet.

Bürokratische Stolpersteine

„Ich glaube kaum, dass es böse Absicht ist, ich glaube, wir sind einfach vergessen worden. Die Staatsministerin weiß wohl kaum, dass es dieses kleine Zentrum in Rønne gibt“, sagt Sanne Juul Koefoed, die Mitbesitzerin eines Ladens im „Snellemark Center“ ist.

Dass sie nicht öffnen kann, lässt sie trotzdem verzweifeln. „Ich habe herumtelefoniert und mit so vielen netten Menschen gesprochen und bin an falsche Stellen verwiesen worden“, sagt sie.

Nun, wo sie mit ihrem Bürgermeister gesprochen hat, glaubt sie, dass sie doch noch ans Ziel gelangen und den Laden schon bald wieder öffnen kann.

Am Montag soll eine entsprechende Anfrage des Bürgermeisters beim Gewerbeministerium eingehen.

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