Soziales Erbe

Jeder Vierte kann nicht auf das Gymnasium

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Kopenhagen/Apenrade
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Die meisten Jugendlichen in Dänemark entscheiden sich für ein Studium. Doch nicht allen liegt das Bücherwälzen. Foto: Element5 Digital / Unsplash

Mehr als 25 Prozent der Volksschüler können dieses Jahr nicht direkt auf das Gymnasium wechseln. Ihr Notenschnitt reicht nicht aus. Vor allem Jugendliche aus sozial schwachen Familien sind betroffen, zeigt eine neue Analyse. Die neuen Zugangsvoraussetzungen haben jedoch ihre Gründe.

Etwa 13.000 Schüler können in diesem Jahr nicht direkt von der Volksschule auf ein Gymnasium wechseln. Es gilt nämlich zum ersten Mal die Bedingung, dass der Notendurchschnitt bei der Bewerbung 5 betragen muss. Das schließt etwa ein Viertel aller Abgangsschüler von der Möglichkeit aus, eine gymnasiale Ausbildung zu erhalten. Das zeigt eine Analyse der gewerkschaftsnahen Denkfabrik Arbejderbevægelsens Erhvervsråd (AE).

Darin wurde festgestellt, dass vor allem junge Menschen aus sozial schwachen Familien davon betroffen sind. Als Folge lässt sich das sogenannte soziale Erbe schwerer durchbrechen, so die Befürchtung bei AE.

Auch beim Interessenverband Danske Gymnasier stößt der Note-5-Durchschnitt auf wenig Verständnis, denn „wir haben gute Erfahrungen gerade mit den Schülern gemacht, die bei uns mit schlechten Eingangsnoten anfingen und am Ende mit vorzeigbaren Abiturergebnissen die Schule verließen“, erklärt die Vorsitzende Brigitte Vedersø.

Info

Arbejderbevægelsens Erhvervsråd (AE) geht bei der Analyse davon aus, dass die Volksschüler in diesem Jahr die gleichen Abschlussnoten erzielen wie 2017. Damals hatten 13.000 von 53.700 Schülern einen Abschlussnotendurchschnitt von unter 5. Das entspricht einem Anteil von 25 Prozent.

Allerdings handelt es sich dabei um absolute Zahlen. Es wurde nicht untersucht, wie viele der 53.700 Abgangsschüler eine gymnasiale Ausbildung anstrebten.

Es gibt andere Wege als das Studium

Niels Egelund, Professor am Institut für Pädagogik und Ausbildung an der Universität in Aarhus, sieht das jedoch anders. Er meint, dass die Zugangsvoraussetzung für das Gymnasium mehr Schüler dazu bringt, andere Zukunftsperspektiven zu finden, als das Abitur zu machen.

„Das Gymnasium ist fast schon Mainstream. Es haben jedoch nicht alle das Recht auf eine gymnasiale Ausbildung. Wenn die Schüler nicht die fachlichen Kompetenzen aus der Schule mitbringen, müssen sie andere Wege gehen – und an deren Ende liegen letztlich Ziele, die in der Gesellschaft benötigt werden“, erklärt er sein Ansinnen gegenüber der Tageszeitung „Politiken“.

Und mit diesem Ziel hat die Regierung vergangenes Jahr auch die gymnasialen Zugangsvoraussetzungen beschlossen. Mehr Volksschüler sollen sich für gewerbliche und handwerkliche Berufe entscheiden.

Mittag: Schlechte Noten haben ihren Grund

Auch Jens Mittag, Leiter des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrae, findet Zugangsbeschränkungen vernünftig, denn „auch wenn es Ausnahmen gibt, so hat es doch einen Grund, dass Schüler schlechte Noten haben. Sie können die schulischen Herausforderungen nicht erfüllen. Dann ist es sinnvoll, eine Grenze zu ziehen, um es ihnen einfacher zu machen, andere Wege einzuschlagen“, erklärt er.

Damit die Schüler sich jedoch für eine gewerbliche oder handwerkliche Ausbildung entscheiden, müssten die Bedingungen an den Berufsschulen deutlich verbessert werden, meint Sarah Gruszow Bærentzen, Vorsitzende der Schülerorganisation Danske Skoleelever.

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