Jugendforschung

Von wegen eigensüchtig: „Die Jugend von heute steht unter enormen Leistungsdruck“

Von wegen eigensüchtig: „Die Jugend von heute steht unter enormen Leistungsdruck“

Von wegen eigensüchtig: „Die Jugend von heute steht unter enormen Leistungsdruck“

Videnskab.dk/cvt
Kopenhagen
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Die Generation Ich. Foto: Annie Spratt

Die Generation Ich, Curling-Kinder, denen jedes Problem aus dem Weg gewischt wird oder die YouTube-Generation – Bezeichnungen für die heutige Jugend gibt es viele, und meistens sind sie herablassender Natur. Doch sie werden abgestempelt und missverstanden, meint die Leiterin des Zentrums für Jugendforschung der Uni Aalborg.

Die Generation Ich, Curling-Kinder, denen jedes Problem aus dem Weg gewischt wird oder die YouTube-Generation – Bezeichnungen für die heutige Jugend gibt es viele, und meistens sind sie herablassender Natur. Doch sie werden abgestempelt und missverstanden, meint Noemi Katznelson, Leiterin des Zentrums für Jugendforschung (CEFU) der Uni Aalborg, das seinen Sitz in Kopenhagen hat.

„Die Jugendlichen werden häufig herablassend zum Beispiel als narzisstisch beschrieben, als unrealistisch und verträumt, doch wir sind es, die sie im Stich lassen, wenn wir sie nicht ernst nehmen und versuchen, sie zu verstehen“, sagt die Professorin.

Das Bildungswesen lasse die Jugendlichen im Stich, meint sie, weil es „in zu hohem Maße auf Leistung vor Bildung setzt“. Dass die Jugendlichen sind, wie sie sind und als Narzissten und leistungsbesessen gesehen werden, hänge in Wirklichkeit damit zusammen, dass die Gesellschaft dieses von ihnen fordere. „Sie müssen deshalb geradezu den Fokus auf sich selbst und darauf legen, abzuliefern, um die Erwartungen zu erfüllen, die die Gesellschaft im Ausbildungs- und Arbeitsleben als Erfolgskriterium an sie richtet“, sagt Katznelson laut videnskab.dk.

Teddy
Ist die Jugend heute zu verzärtelt? Foto: Ryan McGuire

Noemi Katznelson

Norwegische Studie: Jugendliche sind sich der Anforderungen an sie bewusst

Kristoffer Chelsom Vogt, Doktornad am Soziologischen Institut der Uni Bergen in Norwegen meint, dass das Image der Jugend nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Die undokumentierten Behauptungen über die Jugend seien mit einer Selbstverherrlichung der älteren Generationen gleichzusetzen, sagt der Norweger. „Es sind doch die älteren Altersgruppen in einer Gesellschaft, die die Rahmenbedingungen für die Jungen geschafft haben“, sagt er.

Er verweist auf eine noch unveröffentlichte Studie, die er gemeinsam mit seiner Kollegin, der Bergener Professorin Ann Nilsen, erarbeitet hat. Darin haben die Wissenschaftler drei Generationen in 23 norwegischen Familien interviewt. Und die Ergebnisse, sagt Vogt, könnten auch für Dänemark gelten.

Die Jugendlichen von heute wüchsen im Gegensatz zu ihren Eltern und Großeltern mit höheren Erwartungen an sie auf, so die Studie. Noten seien entscheidender, der Stress heftiger und der Arbeitsmarkt schwieriger – besonders für die, die keine Ausbildung schaffen. Deshalb würden Jugendliche heute anders agieren und seien sich der Anforderungen an sie bewusster als frühere Generationen, so Katznelson.

„Viele Jugendliche haben das Gefühl, ständig daran arbeiten zu müssen, den manchmal unmöglichen gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Sie sollen mehr wissen, sollen sozialer sein, ihre Familien häufiger sehen und mehr Freizeitinteressen haben. Wir erzeugen einen gefährlichen Stress bei den Jugendlichen, indem wir sie in Systeme stecken und ständig ihre Leistungen messen“, so Katznelsons Fazit laut videnskab.dk.

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