Lange Anfahrten

Wege zur kostenlosen rechtlichen Hilfe sind auf dem Lande länger

Wege zur kostenlosen rechtlichen Hilfe sind auf dem Lande länger

Wege zur kostenlosen rechtlichen Hilfe sind auf dem Lande länger

Kopenhagen/Nordschleswig
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Im ländlichen Raum gibt es oft lange Anfahrten zur kostenlosen rechtlichen Hilfe. Foto: Scanpix

Bewohner der Provinz haben weitere Anfahrten und kürzere Öffnungszeiten in Kauf zu nehmen, um kostenlose Hilfe in Rechtsfragen zu bekommen.

Bewohner der Provinz haben weitere Anfahrten und kürzere Öffnungszeiten in Kauf zu nehmen, um kostenlose Hilfe in Rechtsfragen zu bekommen.

Ein Streit über den nachbarlichen Apfelbaum, der auf das eigene Grundstück ragt oder Probleme mit der Kommune führen oftmals zu der Frage nach rechtlicher Beratung. Die steht jedem Bürger zu – kostenlos. So steht es im Gesetz. Die rechtliche Hilfe (retshjælp) bietet solche Beratung an.
Kritik gibt es jedoch von der unabhängigen Denkfabrik Justitia, denn Landbewohner haben längere Wege zurückzulegen, bevor sie rechtliche Beratung bekommen. Außerdem sind die Öffnungszeiten der Rechtshilfe-Büros meist eingeschränkt, denn die Menschen, die dort freiwillig arbeiten, sind zumeist Jura-Studenten – und die sind in den großen Universitätsstädten wie Aarhus oder Kopenhagen zu finden.

Die Kritik trifft auch auf Nordschleswig zu. In Apenrade, Hadersleben und Sonderburg gibt es zwar Rechtshilfe für die Bürger. Wer jedoch außerhalb dieser Ortschaften wohnt, muss einen Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Außerdem muss Geduld aufgebracht werden, denn die Öffnungszeiten sind sehr eingeschränkt: Ein Tag in der Woche, für zwei bis vier Stunden, je nach Ort.

Das ist für Rechtsberatungssuchende mit Aufwand verbunden. Viele verzichten deshalb darauf, ihr Recht zu bekommen, stellt der Justitia-Bericht fest.
Besonders betroffen seien sozial benachteiligte Menschen, prangert Jann Sjursen, Vorsitzender des Rates für sozial Benachteiligte (Rådet for social udsatte) an. „Für diejenigen, die nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen, muss etwas getan werden“, sagte er.

Jørgen Jørgensen, Vorsitzender des Rats sozial Benachteiligter in der Kommune Sonderburg, sieht das nicht als Problem, denn „die sozial Benachteiligten kommen in die Aufenthaltsräume der Wohltätigskeitsorganisationen, wie zum Beispiel Kirkens Korshær, berichten dort über ihre Probleme und bekommen Hilfe in Form eines Beisitzers, der ihnen hilft“, erklärt er. Die Wege, das gebe er zu, seien jedoch zum Teil „ein schwerer Angang“ für diese Menschen.
„Der Zugang zur Rechtshilfe ist generell nicht möglich“, stellt Jann Sjursen fest. Er fordert sogenannte Beisitzer für sozial Benachteiligte und Straßenjuristen, die sich vor Ort um diese Menschen kümmern. Ein „rollendes Beratungsbüro“ stellt er sich vor, sodass die geografische Benachteiligung zumindest ansatzweise verringert werde.

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