Tyskland-Ausstellung

Deutschland aus dänischer Perspektive

Deutschland aus dänischer Perspektive

Deutschland aus dänischer Perspektive

Annika Zepke
Kopenhagen
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Ausstellungsraum
Die Deutschland-Ausstellung zeigt Gegenstände, die den Lauf der Geschichte verändert haben oder Zeugnis von Siegen oder Tragödien der deutschen Geschichte sind. So auch das Eisentor aus dem Konzentrationslager Buchenwald (rechts im Bild). Foto: John Lee Nationalmuseet

Die Ausstellung „Tyskland“ im Nationalmuseum in Kopenhagen hat für die Besucher einiges zu bieten und nimmt sie mit auf eine Reise durch die kulturelle Vielfalt und komplexe Geschichte Deutschlands.

Deutschland-Ausstellung

Die Sonderausstellung „Tyskland“ wird seit dem 9. November 2019 im Nationalmuseum in Kopenhagen gezeigt und kann noch bis zum 1. März 2020 besichtigt werden. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Viele Gäste waren gekommen, um bei der Eröffnung der Deutschland-Ausstellung dabei zu sein, und einen ersten Blick auf die ausgestellten Gegenstände zu werfen. Die Erwartungen der Besucher wurden dabei nicht enttäuscht.

Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, war unter anderem bei der Eröffnung mit dabei und hat nur Positives über die Ausstellung zu berichten. „Die Dinge, die in der Ausstellung zu sehen sind, sind echt spannend“, meinte er nach seinem Rundgang durch die Ausstellung. Besonders imponiert habe ihm die Nashorn-Figur aus Meißner Porzellan nach der Vorlage Albrecht Dürers. Sie sei viel größer, als er erwartet habe, meinte er. Er hofft außerdem, dass die Sonderausstellung den Besuchern ein nuanciertes Bild von Deutschland vermitteln kann, da dieses, wie er findet, häufig auf eine bestimmte Perspektive beschränkt sei. „Die Ausstellung ist auf jeden Fall einen Ausflug nach Kopenhagen wert“, lautete sein Fazit nach der Eröffnung.

Die Nashorn-Figur aus Meißner Porzellan
Von der Nashorn-Figur aus echtem Meißner Porzellan war der Hauptvorsitzende des BDN, Hinrich Jürgensen, besonders beeindruckt. Foto: John Lee Nationalmuseet

Besucher sind begeistert

Die Deutschland-Ausstellung kam aber auch bei den anderen Gästen gut an. Ulrike Wand kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt aber mit ihrem Mann in Dänemark und freut sich daher besonders über die Ausstellung zu ihrem Heimatland. „Für uns als im Ausland lebende Deutsche ist das toll. Da hat man das Gefühl: Ah toll, jetzt geht es um uns“, lacht sie. Ihr Mann, Jürgen Sacht, der Oberstufenleiter an der deutsch-dänischen Sankt-Petri-Schule in Kopenhagen ist, freut sich auch sehr darüber, dass die Ausstellung von London nun nach Kopenhagen gekommen ist.

Auch Kristine Bülow Clausen zeigt sich begeistert von der Ausstellung. „Ich bin ja mit einem Deutschen verheiratet und ich habe durch die ausgestellten Gegenstände trotzdem noch ganz viel über Deutschland gelernt“, meint sie. Dem kann ihr Mann Thore Clausen nur zustimmen.

Für Deutsche ist es auch sehr interessant, sich die deutsche Geschichte und kulturelle Vielfalt mal aus einer anderen Perspektive erzählen zu lassen – aus der Sicht der Dänen.

Thore Clausen

Ausstellung mit besonderer Struktur

Deutschlands Geschichte wird in der Ausstellung jedoch nicht chronologisch wiedergegeben, sondern anhand von sechs verschiedenen Themenblöcken erzählt. So beginnt die Ausstellung mit einem Kapitel zum Mauerfall und der Wende, also quasi der Geburtsstunde des heutigen Deutschlands. Zu sehen gibt es daher ein Stück der Berliner Mauer oder auch Bronzemedaillen, die an die Deutsche Wiedervereinigung erinnern.

Anschließend wird den Besuchern zum Thema „Fließende Grenzen“ die komplexe Geschichte der vielen Deutschen Staaten nähergebracht. Die gezeigten Ausstellungsstücke reichen dabei von 1491 bis ins Jahr 1990 und machen deutlich, dass dem Thema Grenze in Deutschland schon lange vor der Teilung in Ost- und Westdeutschland eine besondere Bedeutung zukam.

Von Luther bis Bauhaus

Dem deutschen Imperium und dem Thema Nation wird sich im dritten Teil der Ausstellung gewidmet. Mit insgesamt 48 Ausstellungsstücken bildet dieses Kapitel den umfangreichsten Teil der Ausstellung. Von einer Nachbildung der Reichskrone, der Krone der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches über eine Ausgabe von Luthers Bibelübersetzung aus dem Jahre 1541 bis hin zum Eisernen Kreuz von 1914 wird hier alles gezeigt, was zum Thema „Imperium und Nation“ mit Deutschland in Verbindung gebracht werden kann.

Unter dem Titel „Made in Germany“ zeigt der vierte Teil der Ausstellung alle möglichen Gegenstände von deutschsprachigen Künstlern, Musikern, Schriftstellern und Philosophen, die weltweiten Bekanntheitsgrad erlangt haben. Unter anderem mit dabei die Nashorn-Figur aus Meißner Porzellan, eine frühe Ausgabe von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ oder auch die bekannte Wiege im Bauhaus-Stil von Bauhaus-Schüler Peter Keler.

Die Bauhaus-Wiege von Peter Keler
Die Wiege im Bauhaus-Stil von Peter Keler Foto: John Lee Nationalmuseet

Erinnerungskultur und Vergangenheitsbewältigung

Der vorletzte Abschnitt der Ausstellung beschäftigt sich mit dem schwierigen Thema „Krise und Erinnerung“ und versucht zu beleuchten, wie tiefgreifend die tragischen und verheerenden Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die heutige Wahrnehmung der deutschen Geschichte und Kultur beeinflusst haben. Ausgestellt ist in diesem Zusammenhang unter anderem eine Replik des Eisentors zum Konzentrationslager Buchwald mit dem eingravierten Spruch „Jedem das Seine“.

Der Titel des letzten Kapitels der Ausstellung „Looking Back, Moving Forward“, also auf Deutsch „Zurückblicken, Vorwärtsgehen“, könnte auch gut als Credo für die gesamte Deutschland-Ausstellung gelten. Im letzten offiziellen Ausstellungsteil wird noch einmal auf die geteilte Vergangenheit Deutschlands, aber auch auf die Zeit nach der offiziellen Wiedervereinigung bis in die jüngste Gegenwart eingegangen. Darum ziert die letzte Ausstellungswand auch das Zitat des ehemaligen Kanzlers Willi Brandt „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“.

Rallye durch die Ausstellung

Als Ergänzung zur Sonderausstellung hat das Goethe-Institut außerdem eine App entwickelt, mit der sich vor allem Schüler, aber auch alle anderen Museumsbesucher, auf eine Art „Stadtrallye“ durch die Deutschland-Ausstellung begeben können. Bei der Rallye müssen Fragen zur Ausstellung, zum Beispiel zum Zitat von Georg Baselitz, im Multiple-Choice-Verfahren beantwortet werden. Um an der Rallye teilzunehmen muss lediglich die App Actionbound aus dem App-Store heruntergeladen werden und der QR-Code am Ausstellungseingang gescannt werden. Die App ist anders als der Ausstellungsführer auch auf Deutsch verfügbar.

Zusätzlich gibt es vor den Ausstellungsräumen noch weitere interaktive Angebote zum Thema Deutschland. Mit Kopfhörern kann man sich beispielsweise an einem Bildschirm die deutschen Lieblingslieder von bekannten Persönlichkeiten aus Dänemark anhören. Auch der ehemalige Chefredakteur des „Nordschleswigers“, Siegfried Matlok, ist mit dabei. Was sein Lieblingssong aus Deutschland ist, verraten wir allerdings nicht – das muss schon jeder selbst herausfinden.

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