Historie

Geschichte erneut neu schreiben?

jrp
Kopenhagen/Aarhus
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Die Reste der Kleidung des „Egtved-Mädchens" Foto: NF/Ritzau Scanpix

Forscher widersprechen Untersuchungen des Nationalmuseums. Sie wollen in einer neuen Studie festgestellt haben, dass das „Egtvedpige“ und das „Skrydstruppige“ doch aus Dänemark kommen – und nicht aus Deutschland eingewandert sind. Das Nationalmuseum sieht das jedoch anders.

Die jeweils bei den dänischen Städten Egtved und Skrydstrup gefundenen Überreste zweier junger Frauen aus der Bronzezeit sollen ursprünglich aus Süddeutschland stammen und im Laufe ihres Lebens nach „Dänemark" gewandert – und dort begraben worden sein. Das war das Sensationsergebnis von Untersuchungen, die das dänischen Nationalmuseum im Jahr 2015 bzw. 2017 veröffentlichte.

Dem widerspricht jedoch Erik Thomsen, emeritierter Lektor und Forscher für Geowissenschaft der Universität Aarhus. Er schreibt, zusammen mit seinem Kollegen Rasmus Andreasen, in einem just veröffentlichten Artikel in der Wissenschaftszeitschrift „Science Advances“, dass die Ergebnisse des Nationalmuseums auf einem Irrtum beruhten. Die beiden in Gräbern gefundenen Leichenreste stammten nicht aus Deutschland, sondern aus der Region, in der sie gefunden wurden. Das berichtet Danmarks Radio.

Kalk nicht berücksichtigt

Das Nationalmuseum stützt seine Ergebnisse auf Strontium-Werte, mit deren Hilfe die Zusammensetzung der Überreste analysiert wurden. Dabei stellte das Nationalmuseum fest, dass die Mädchen aus einem anderen Gebiet stammen müssen – aus dem Süden Deutschlands nämlich.

Forscher Thomsen meint nun allerdings, dass der Kalk in Boden und Gewässern bei den Messungen nicht berücksichtigt wurde. „Der verändert die Strontium-Werte“, erklärt er.

Kalk wird in der modernen Landwirtschaft als Dünger eingesetzt.

Thomsen und Andreasen haben deshalb Bodenproben aus unberührten Gebieten genommen, und die passen mit dem Kalkgehalt, der beim Egtvedpige und Skrydstruppige festgestellt wurde, überein.

Daten richtig – Interpretation falsch

Professorin Karin Margarita Frei vom Nationalmuseum räumt ein, dass die Daten der beiden Forscher aus Aarhus zwar korrekt seien, meint jedoch, dass diese falsch interpretiert wurden. Und sie bleibt bei ihrem Ergebnis: Die beiden gefundenen jungen Frauen kommen aus dem Ausland.

  • Die Überreste des „Egtved-Mädchens“ wurden 1921 in einem Grab bei Egtved westlich von Vejle entdeckt.
  • Die junge Frau wurde dort nach ihrem Tod im Alter von 16 bis 18 Jahren im Jahr 1370 v. Chr. in einem Eichensarg begraben.
  • Es wurden neben einigen Kleidungsstücken nur Reste von Haaren, Zähnen, Fingernägeln, etwas Haut und Hirn gefunden.

  • Die sterblichen Überreste des „Skrydstrup-Mädchens“ wurden 1935 bei Skrydstrup in Nordschleswig gefunden.
  • Sie starb etwa 1300 v. Chr. im Alter von etwa 18 Jahren und wurde in einem gut erhaltenen Eichensarg beigesetzt.
  • Die junge Frau war mit 1,70 Metern für diese Zeit vergleichsweise groß.
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