Diese Woche in Kopenhagen

„Der Tod in den Pflegeheimen“

Der Tod in den Pflegeheimen

Der Tod in den Pflegeheimen

Kopenhagen
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Die Anzahl der Neuinfektionen geht zurück. Doch die Anzahl der Todesfälle bleibt unvermindert hoch. Die Strategie der Regierung scheint an diesem entscheidenden Punkt nicht mehr ausreichend zu funktionieren, meint Walter Turnowsky.

Als Staatsministerin Mette Frederiksen (Soz.) nach einer Folketingsdebatte am Dienstag vor die Presse trat, sprach sie von fehlenden Lieferungen von Impfstoffen, von der britischen Variante des Virus und von den rückläufigen Corona-Zahlen.

Eines erwähnte sie jedoch von sich aus nicht. Die hohe Anzahl der coronabedingten Todesfälle in den Pflegeheimen. Hier bedurfte es der Nachfrage durch Journalisten.

Dabei ist die Situation besorgniserregend. In der vergangenen Woche sind 106 Pflegeheimbewohner mit einer Corona-Infektion verstorben. Das war die bisher höchste Anzahl, seit die Pandemie im März Dänemark erreichte.

Die Anzahl der Todesfälle insgesamt will auch seit Wochen nicht sinken. Seit Ende Dezember vermeldet das Serum Institut regelmäßig mehr als 30 Todesfälle. Im April waren es typisch nur halb so viele.

Dass diese Entwicklung sich im Wettlauf mit den Impfungen abzeichnet, macht sie nur noch deprimierender. Dabei ist es ja erklärtes Ziel der Corona-Strategie der Regierung, Risikogruppen zu schützen, um so die Anzahl der Todesfälle so gering wie möglich zu halten.

Man darf hoffen, dass sich zumindest in den Pflegeheimen die Situation entspannt, wenn demnächst alle, die es möchten, dort ihre zweite Impfung erhalten haben. Bis alle in den Risikogruppen geimpft worden sind, wird es jedoch noch eine Weile dauern.

Die Frage ist, was in den Pflegeheimen schiefgelaufen ist. Bereits Anfang November begann das Virus, sich verstärkt in den Heimen zu verbreiten. Die Reaktion der Regierung wirkte seltsam zögerlich.

Vor mehr als drei Wochen kündigte Gesundheitsminister Magnus Heunicke (Soz.) an, dass nun Schnelltests in Pflegeheimen regelmäßig durchgeführt werden sollen. Geschehen war Anfang der Woche in der Sache noch nichts.

Am Mittwoch hat Justizminister Nick Hækkerup (Soz.) dann die Kommunen dazu aufgefordert, die Schnelltests für die Pflegeheime anzufordern. Und für Donnerstag sind sämtliche Bürgermeister zu einer Sitzung zu dem Thema einberufen worden.

Doch während die Regierung gezögert hat, ist kostbare Zeit verstrichen. Wie kostbar, zeigt sich, wenn man die Todeszahlen in Pflegeheimen im Detail ansieht. Im November waren es noch weniger als 10 Personen pro Woche. Mitte Dezember waren es um die 50, und seit Anfang Januar sind es mehr als 80 und nun also 100. Die vergangenen drei Wochen waren somit ganz entscheidend für die tragische Entwicklung.

Es stellt sich die Frage, warum nicht früher reagiert wurde, und vor allem warum nicht schärfer. Während Versammlungen verboten, Geschäfte gesperrt und Grenzen dichtgemacht werden, begnügt sich die Regierung bei diesem viel wichtigeren Punkt mit Aufforderungen. Das ist angesichts der vielen Todesfälle schwer nachvollziehbar.

Von den insgesamt ungefähr 1.800 Corona-Toten seit Beginn der Epidemie wohnten 700 in einem Pflegeheim.

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