Schutzmaßnahmen

Frederiksen: Corona wird Folgen für Wohlfahrtsgesellschaft haben

Frederiksen: Corona wird Folgen für Wohlfahrtsgesellschaft haben

Frederiksen: Corona wird Folgen für Wohlfahrt haben

Kopenhagen/Apenrade
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Mette Frederiksen und Jacob Bundsgaard (rechts) am Montag in Kopenhagen Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix

Die Schutzmaßnahmen in Dänemark werden vorerst nicht verschärft – dafür aber bis zum 13. April verlängert. Die enorme Arbeitsbelastung für viele öffentliche Einrichtungen werde sich auch nach überstandener Krise noch bemerkbar machen, so die Regierungschefin.

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen (Soz.) hat am Montag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass die in Dänemark derzeit geltenden Schließungen von Einrichtungen und Geschäften und die Regeln und Empfehlungen bezüglich der Eindämmung des neuartigen Coronavirus bis zum 13. April verlängert werden. Besonders rief sie dazu auf, die Regeln über die Ostertage zu beachten und auf Reisen zu verzichten.

Sie habe großes Vertrauen darin, dass die beschlossenen Hilfspakete für die Wirtschaft große Wirkung zeigen würden, so die Regierungschefin in Kopenhagen.

Wir schreiben Geschichte. Jeder von uns entscheidet jetzt, welche Geschichte wir schreiben.

Mette Frederiksen

„Wenn wir ein historisches Sicherheitsnetz unter der dänischen Wirtschaft spannen, ist es natürlich unsere Erwartung, dass das auch hilft und wir erwarten, dass Entlassungen verhindert werden.“

Es könne durchaus aber auch weitere Maßnahmen geben.

Frederiksen: Wohlfahrtsgesellschaft steht vor Herausforderungen

Auch im öffentlichen Dienst werde bereits an Lösungen gearbeitet, Kapazitäten freizumachen, etwa dadurch, Mitarbeiter aus derzeit weniger geforderten Bereichen vorübergehend in kritische Abteilungen zu versetzen. Dennoch: Für die erste Zeit nach Corona rechnet Frederiksen mit einer bisher ungekannten Belastung des Wohlfahrtssystems.

„Am Freitag hatten wir ein Treffen mit der Regierung und den 98 Bürgermeistern des Landes. Egal wie, im Wohlfahrtssystem werden viele Aufgaben verschoben werden“, so Frederiksen. Sie gehe davon aus, dass es auch abseits der Corona-Geschehnisse Krankmeldungen geben werde.

„Das Sozialsystem wird auch nach Corona vor Herausforderungen stehen. Wir müssen Geduld zeigen mit den öffentlichen Mitarbeitern. Die Konsequenzen werden groß sein, auch für die Wohlfahrtsgesellschaft“ so die Regierungschefin.

Bundsgaard: Wirtschaftshilfe nicht kostenlos für die Kommunen

Jacob Bundsgaard (Soz.), Vorsitzender des Dachverbandes der Kommunen, sagte, dass es auch eine Reihe finanzieller Herausforderungen gebe. Die Initiativen, der Wirtschaft zu helfen, seien nicht kostenlos, es werde ein großer Aufwand betrieben werden müssen, um die Situation, wie sie vor der Corona-Zeit gewesen sei, wieder herzustellen. Bundsgaard sagte weiter, dass es auch eine Reihe finanzieller Herausforderungen gebe.

Aufruf: Bleibt an Ostern zu Hause

„Wir brauchen Geduld. Dänemark hält zusammen, indem wir Abstand halten“, so Frederiksen. Auch in der bevorstehenden Osterzeit gelte dies und sei entscheidend, ansonsten könnten die Ziele, die Ansteckung zu minimieren, nicht eingehalten werden. „Bleibt zu Hause“, so die Staatsministerin.

Noch solle es in Dänemark keine Ausgangsverbote geben. Doch die Schutzmaßnahmen würden auch und gerade draußen gelten. „Man soll zu Ostern das Reisen lassen. Natürlich nicht ins Ausland – aber auch nicht innerhalb Dänemarks“, so Frederiksen. Das gelte auch für Reisen zu Sommerhäusern und Verwandten. Sollte es notwendig werden, werde auch mit der Polizei über mögliche Maßnahmen gesprochen.

Frederiksen unterstrich, dass Dänemark jetzt „seinen Wert“ zeige und die Menschen Verantwortung übernähmen. „Wir schreiben Geschichte. Jeder von uns entscheidet jetzt, welche Geschichte wir schreiben“, so die Sozialdemokratin.

Frederiksen: Ausbreitung verhindern, damit das System intakt bleibt

Zur gesundheitlichen Lage in Dänemark sagte Frederiksen, dass die getroffenen Maßnahmen nun bald Wirkung zeigen sollten. „Noch können die Maßnahmen, die in Dänemark umgesetzt werden, in den Zahlen nicht gesehen werden. Doch wenn alle Initiativen fortgesetzt werden, werden die Maßnahmen spürbar“, so Frederiksen.

In Dänemark dürfen sich unter anderem nicht mehr als zehn Menschen versammeln, Betriebe und Behörden sind aufgefordert, so viele Mitarbeiter wie möglich von zu Hause aus arbeiten zu lassen, von Supermärkten und Apotheken abgesehen sind fast alle Geschäfte geschlossen. Alle Maßnahmen werden bis zum 13. April, den zweiten Osterfeiertag verlängert. Die Grenzkontrollen gelten bereits bis zu diesem Zeitpunkt.

„Unsere Hauptaufgabe ist es, zu verhindern, dass zu viele gleichzeitig krank werden“, so Frederiksen. Nur so könne eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden.

Öffentlich Beschäftigte: Freizeit auf Staatskosten oder auf eigene Rechnung?

Derzeit werde besprochen, inwiefern öffentlich Beschäftigte zu Hause bleiben sollen – und ob dies auf Staatskosten geschehen solle oder ob die Mitarbeiter ihr Überstunden-Kontingent abspazieren sollten. Frederiksen deutete an, letztere Lösung zu bevorzugen, indem sie die Lösungen, die für die Privatangestellten vereinbart wurden, als vorbildlich bezeichnete.

Gesundheitsbehörde: In vier Wochen Spitze erreicht

Søren Brostrøm, Chef der dänischen Gesundheitsbehörde, sagte auf der Pressekonferenz, dass mit einer Spitze der Zahl der Infizierten erst in etwa einem Monat gerechnet werde.

„Unsere Erwartung ist es, dass die Epidemie sich weiter ausbreiten wird. Sie werde möglicherweise in vier Wochen toppen“, so Brostrøm. Deshalb müsse weiter an den Maßnahmen festgehalten werden. Es werde laufend beurteilt, wie die Situation sich entwickelt.

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