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Höheres Arbeitslosengeld kein Thema für Sozialdemokraten

Höheres Arbeitslosengeld kein Thema für Sozialdemokraten

Höheres Arbeitslosengeld kein Thema für Sozialdemokraten

Ritzau/hm
Kopenhagen
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Löhne und Kosten steigen, und auch das Arbeitslosengeld steigt, aber nicht so stark, dass eine Lücke entsteht, die immer größer wird. Foto: Åndahl Torben/Ritzau Scanpix

Das Arbeitslosengeld steigt, aber nicht so wie der Lohn. Gewerkschaften warnen vor einem Aushöhlen des Systems; Regierungschefin Mette Frederiksen sieht dringendere Probleme.

Arbeitnehmer, die Arbeitslosengeld (dagpenge) beziehen, erhalten immer weniger Unterstützung. Diese Entwicklung ärgert laut Nachrichtenagentur Ritzau Staatsministerin Mette Frederiksen (Sozialdemokraten) zwar; sie unterstrich aber kürzlich, es gebe andere Aufgaben, die dringender gelöst werden müssten.

Das Gewerkschaftsblatt „3F" wies kürzlich darauf hin, dass das Arbeitslosengeld seit einer Berechnungsänderung im Jahr 1990 geringer ausfällt. Zwar steigt dem Blatt zufolge der (maximale) Satz um 217 Kronen auf 19.083 Kronen im Jahr 2020, doch sollte bei einer genauen Übernahme der Lohnsteigerung das Plus bei 358 Kronen liegen. 1.700 Kronen verliert dadurch ein Arbeitslosengeldempfänger in einem Jahr ohne Arbeit. Im Jahr 2023 werden es dann ohne Angleichung 7.000 Kronen sein. Die Steigerung des Arbeitslosengeldes ist niedriger als die reale Lohnsteigerung, welche in einem gewissen Umfang die Inflation widerspiegelt.

3F: Arbeitslosengeldsystem Grundlage für flexiblen Arbeitsmarkt

Eva Optrup, Geschäftsführerin der Arbeitslosenkasse bei 3F beunruhigt die Situation. Zum einen sei dies nicht recht, wenn die Lücke zwischen Lohn und Arbeitslosengeld stetig wachse, zum anderen sei ein gutes und sicheres Arbeitslosengeldsystem Voraussetzung für einen flexiblen Arbeitsmarkt mit kurzen Kündigungsfristen. Sie warnt vor dem zunehmenden Interesse an privaten Arbeitslosenversicherungen, die eine Abwärtsspirale in Gang setzen könnten. Für den Staat sei die Arbeitslosenversicherung (A-kasse) eine gute Sache.

Auch Beschäftigungsminister Peter Hummelgaard (Sozialdemokraten) widersprach der Forderung der drei größten Gewerkschaften des Landes (3F, FOA, HK), das Aushöhlen des Arbeitslosengeldsystems zu stoppen. Man sehe die Entwicklung und wolle auch gern etwas unternehmen, doch sei der Wunsch der Gewerkschaften der allerteuerste, den man jetzt nicht erfüllen könne, so der Minister.

Die dänischen Wirtschaftsweisen (Økonomiske Råd) berechneten im Jahr 2018, dass das Arbeitslosengeld im Jahr 1980 63 Prozent des Durchschnittslohnes in der Industrie betrug. 2025 werden es 44 Prozent sein.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„21 Sekunden für eine bessere Welt“